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Objekte erzählen Geschichte(n)

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Die Sonderausstellung »Auf den Spuren der Archäologie. Vom Fundort ins Museum« widmet sich im Alten Schloss den Funden in und um Gießen. Sie verdeutlicht die Bedeutung der Archäologie auch für Einrichtungen wie das Oberhessische Museum. Welche Erkenntnisse gewinnen wir aus Grabungen? Wie werden den Objekten immer wieder neue Geschichten entlockt?

Wann immer in den letzten Jahren in und um Gießen Ausgrabungen gemacht wurden, war das Interesse groß. »Wann werden die Funde vom Marktplatz im Oberhessischen Museum zu sehen sein?«, sei eine der ersten Fragen gewesen, die Bürger nach ihrem Amtsantritt an sie gerichtet hätten, berichtet Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch. Nun kann sie mit Stolz verkünden: Ab jetzt. Denn im Alten Schloss wird an diesem Wochenende die Ausstellung »Auf den Spuren der Archäologie. Vom Fundort ins Museum« eröffnet. Die kann zwar vorerst nur digital gestartet werden, aber wegen ihrer bis 16. Januar 2022 verlängerten Laufzeit wird sie gewiss auch noch einmal in echt zu bestaunen sein.

Und zu bestaunen gibt es viel, wie bei einem Vorabrundgang mit Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, den Kuratorinnen Linda Heintze und Linn Mertgen, Projektkoordinator Mario Alves und Dr. Sandra Sosnowski (Bezirksarchäologin des Landesamtes für Denkmalpflege) deutlich wurde.

Die Sonderausstellung im ersten Stock des Alten Schlosses widmet sich dem Sammlungsbestand der Archäologie mit Funden aus Gießen und Umgebung. Sie zeigt, welche Bedeutung die Archäologie für Forschung, Gesellschaft und traditionell besonders für das Gießener Museum hat und ist, wie die OB betonte, »ein Baustein auf dem neuen Weg des Oberhessischen Museums«. Denn hier werden Objekte aus dem Bestand, angereichert durch Leihgaben aus Wiesbaden von den Grabungen etwa am Marktplatz oder an der Galerie Neustädter Tor, ins Rampenlicht gerückt. Prominent platziert und mit Informationen ergänzt erzählen sie, den jeweiligen Epochen zugeordnet, Geschichten über das frühere Leben in der Region. Ein Zeitstrahl mit Markierungen zur zeitlichen Einordnung nehmen die Besucher beim chronologischen Durchgang von der Steinzeit bis ins Mittelalter an die Hand. Das Werden des Gießener Raums wird so nachvollziehbar.

So fällt beispielsweise der Blick beim Betreten der Ausstellung schnell auf den Unterkieferknochen eines Wollnashorns, das bislang in einer Vitrine des Wallenfels’schen Hauses kaum Beachtung fand. Dass das Tier zwischen 600 000 und 200 000 vor Christus hier gelebt haben muss und sein Kieferknochen bei Ausgrabungen nahe Watzenborn-Steinberg gefunden wurde, weckt nun die Neugier. Auch das aus drei zerbrochenen Teilen wieder neu zusammengefügte »Muschenheimer Schwert« aus der frühen Eisenzeit oder der bronzene Halsring, der bei Ausgrabungen am Trieb gefunden wurde und nicht nur Spuren vom Museumsbrand 1944 sondern auch Goldreste aufweist, bieten Anlass zum Eintauchen in die Geschichte.

Kleine Infoboxen neben den Objekten machen dies leicht, denn das Museum will zwar so viel Wissen wie möglich vermitteln, aber eben möglichst barrierefrei auch für Besucher ohne große Vorkenntnisse. »Wir präsentieren auch Objekte, bei denen wir selbst noch Fragen haben«, berichtet die Museumsleiterin. Aber genau darum gehe es schließlich: Das Museum soll ein Ort sein, an dem eine Diskussion entfacht wird, etwa über neue Methoden oder neue Thesen. »Das ist extrem gewinnbringend«, so Weick-Joch.

Dank der digitalen Angebote ist enorm viel Inhalt abrufbar. So kann man etwa per QR-Code in der Abteilung zu »Römern und Germanen« gleich auf die Website zum »Löwen von Inheiden« wechseln.

Alle Objekte wurden eigens restauriert. So kann etwa ein wegen des lehmigen Untergrunds von Gießens Innenstadt sehr gut erhaltener Lederschuh aus dem 12./13. Jahrhundert bestaunt werden, der bei den Grabungen am Marktplatz gefunden wurde. Dank einer »archäologischen Werkstatt«, einem mit archäologischen Gerätschaften ausgestatteten Arbeitsplatz, können Besucher nachvollziehen, wie Archäologen solche Fundstücke aufspüren, sie behandeln und sie letzlich den Weg ins Museum finden lassen.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt die Sonderausstellung. Es gibt Führungen für Lehrer, Aktionen an den sonntäglichen »Family Days« und samstäglichen »Kids Days«, Stadtführungen mit Dagmar Klein und Jutta Failing zu diversen Themen, Workshops und Vorträge aus der Praxis der Archäologen. Was tatsächlich stattfinden kann, kann man über einen QR-Code auf den Flyern zur Ausstellung erfahren. Informationen findet man bald auch auf www.museum.giessen.de

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