Um Obdachlose ging es im Sozialausschuss. FOTO: DPA/ARCHIV
+
Um Obdachlose ging es im Sozialausschuss. FOTO: DPA/ARCHIV

Obdachlose: Tut Stadt genug?

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Gießen(mö). Wegen der Corona-Pandemie können die Obdachlosen-Unterkünfte in Gießen nicht wie gewohnt genutzt werden. Trotzdem sieht der Magistrat keinen speziellen Notstand. "Es gibt keine entsprechenden Hilfegesuche von Trägern der Obdachlosenhilfe", erklärte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Mittwochabend im parlamentarischen Sozialausschuss.

Dem lag ein Antrag der Linksfraktion vor, in dem vorgeschlagen wurde, die leerstehende Jugendherberge und die frühere HEAE-Zentrale im Meisenbornweg für die Unterbringung von Obdachlosen zu nutzen. Die Linke zitierte Medienberichte, in denen über eine angespannte Lage in Gießen berichtet wurde; allerdings unter der falschen Annahme, dass die Stadt auch zuständig ist. Die Zuständigkeit für die Obdachlosenhilfe indes liegt beim Landkreis Gießen als Sozialhilfeträger, klärte Grabe-Bolz zunächst in der Bürgerfragestunde und später in der Ausschussdebatte auf. "Wir kümmern uns trotzdem als Stadt", sagte die OB und zählte Maßnahmen im Rahmen eines "differenzierten Systems an Hilfen" auf.

Davon indes zeigte sich Antragsteller Matthias Riedl wenig beeindruckt. Das "alte Ping-Pong-Spiel" mit Verweis auf die Zuständigkeit anderer könne man sich in dieser Ausnahmenotsituation "nicht leisten", sagte der Linken-Fraktionschef und verwies auf Städte, die Jugendherbergen und Hotels für die Obdachlosen-Unterbringung nutzten.

Das liege eben daran, dass es in diesen Städten keine etablierten Hilfestrukturen wie in Gießen gebe, konterten Sprecher der SPD (CDU/Grünen-Koalition). Die Linken seien mit ihren Vorschlägen oft "weit weg von der Realität", sagte Inge Bietz (SPD). So liege die Jugendherberge am Hardtwäldchen viel zu weit weg von der Innenstadt und damit dem Lebensumfeld der Obdachlosen.

Unstreitig ist, dass gegenwärtig Alternativen zu den Unterkünften bereits genutzt oder gesucht werden. Die Fraueneinrichtung Oase könne in Pensionen ausweichen, sagte Grabe-Bolz, und Bietz berichtete, dass der Arbeiterwohlfahrt als Trägerin des Männerwohnheims Falkweg zusätzliche Räume aus dem betreuten Wohnen zur Verfügung stünden. Für die Diakonie-Unterkunft Brücke würden in der Innenstadt Räume gesucht. "Es gibt ganz konkrete Gespräche", sagte die OB.

Im Übrigen sei es ungeachtet der grassierenden Lungenseuche bekannt, dass es Obdachlose gebe, die sich grundsätzlich weigerten, in den Heimen zu übernachten. "Die wollen das einfach nicht, nicht einmal bei minus zehn Grad", sagte Bietz.

Der Antrag der Linken wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare