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Die Moderatoren Burkhard Möller von der Gießener Allgemeinen (M.) und Stephan Scholz (Gießener Anzeiger, links daneben) im Gespräch mit den Kandidaten.

OB-Wahlkampf

OB-Wahlkampf in Gießen: Das sagen die Kandidaten zu Wohnraum und Klimakrise

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Die Gießener OB-Kandidaten diskutieren am Kirchenplatz auch über bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz.

Gießen – Knapp 90 000 Menschen leben in Gießen. Das sind 12 000 mehr als vor acht Jahren. 2035, so prognostiziert es die Hessen Agentur, könnte die Universitätsstadt an der 100 000er Marke kratzen. Doch wo sollen all diese Menschen wohnen? Mit dieser Frage haben sich die OB-Kandidaten Alexander Wright (B90/Grüne), Frederik Bouffier (CDU), Frank-Tilo Becher (SPD), Marco Rasch (Die PARTEI) und Thomas Dombrowski (parteilos) am Samstag (11.09.2021) bei der Podiumsdiskussion der beiden Gießener Tageszeitungen auf dem Kirchenplatz beschäftigt.

»Wir müssen mehr bauen«, forderte Becher. Vor allem für Menschen mit wenig Geld fehle es an Wohnraum. Aber auch Gießener mit einem mittleren Einkommen müssten unterstützt werden, weshalb Becher einen Wohnberechtigungsschein für diese Einkommensklasse befürwortet. Die Wohnbau bezeichnete der Sozialdemokrat als ein »echtes Pfund«, das weiter gefördert werden müsse. Bechers Ziel: Die 955 Haushalte umfassende Warteliste der Wohnbau während seiner Amtszeit zu halbieren.

OB-Wahl in Gießen: Rasch kritisiert Laumann direkt

Bouffier kann sich mit einer Ausweitung des Wohnberechtigungsscheins nicht so recht anfreunden »Es könnte sein, dass die Einsparungen bei anderen Wohnungen obendrauf gelegt werden.« Stattdessen forderte er eine stärkere Nutzung der Belegungsrechte, und natürlich: Bauen. Das will im Übrigen auch Dombrowski. Er vertrat die Meinung, dass die anderen Parteien dieses Thema verschlafen hätten.

Wright verwies unter anderem auf die für neue Bebauungspläne geltene Quote, wonach 20 Prozent für sozial geförderten Wohnraum freizuhalten sind, sowie an das im Koalitionsvertrag verankerte Instrument, wonach bei zehn Prozent der Gießener Wohnungen die Miete pro Quadratmeter zwei Euro unter der ortsüblichen Durchschnittsmiete liegen soll.

Rasch nutzte den Themenblock, um mit der Tätigkeit von Kai Laumann abzurechnen. Der Vertreter der Satirepartei betonte, dass durch die Sanierung von Häusern wie jenes in der Keplerstraße 1 eine in Jahrzehnten gewachsene WG-Kultur vernichtet werde. »Mitten in einer tödlichen Pandemie hat er durch Entmietung die Leute herausgeworfen«, sagte Rasch und fügte an, dass dort ein Zimmer nun 635 statt 200 Euro kosten würde.

OB-Wahl in Gießen: Uneinigkeit bei Milieuschutzsatzung

Auch Becher scheint diese Entwicklung nicht zu gefallen. »Die Politik hat auch Möglichkeiten zu reagieren«, sagte der Sozialdemokrat und brachte eine Milieuschutzsatzung ins Spiel. Bei diesem Instrument haben Investoren strenge Vorgaben bei geplanten Umbauten, alteingesessene Bewohner sollen geschützt werden.

Davon hält Bouffier offenbar nichts. Man dürfe privaten Bauherren nicht zu viele Steine in den Weg legen, »Nur wenn es ein größeres Angebot gibt, wird die Situation hoffentlich wieder erträglicher.«

2035 werden in Gießen also womöglich fast 100 000 Menschen leben. Und das klimaneutral. Zumindest hat sich das Stadtparlament auf einen diesbezüglichen Beschluss geeinigt. »Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel«, räumte Wright ein und betonte, allein mit der Pflanzung von Bäumen sei es nicht getan. Große Chancen sieht er zum Beispiel in den Hochschulen, die auf Gebieten wie Materialwirtschaft, Agrarwissenschaft sowie Umweltmanagement großes Know-how hätten. »Außerdem müssen wir erneuerbare Energie stärker ausbauen und effizienter nutzen«, sagte Wright und nahm dabei auch die Stadtwerke in die Verantwortung. Der verstärkte Einsatz neuer Technologien sei eine echte Chance, da auch Arbeitsplätze entstünden.

OB-Wahl in Gießen: Becher will mehr Photovoltaikanlagen

Die anderen Kandidaten hatten ähnliche Vorschläge. Becher forderte zum Beispiel mehr Photovoltaikanlagen auf den Gießener Dächern, den Bürgern müssten diesbezüglich aber auch bessere Angebote gemacht werden. »Wir brauchen bei diesem Thema einen Breiten Schulterschluss.«

Bouffier regte zudem das Aufstellen von künstlichen Algenbäumen an, die in Sachen Co2-Bindung deutlich effektiver seien als normale Bäume. Auch die Begrünung von Bushaltestellen steht bei Bouffier auf der Agenda. Die Politik könne die Mammutaufgabe Klimaneutralität aber nicht alleine stemmen. Auch die Bürge müssten dazu beitragen. (chh)

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