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Drei Wahlen mussten am Sonntagabend in Gießen ausgezählt werden.

Nur Wright über 50 %

  • VonOliver Schepp
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Gießen (mö). 50 Prozent ist eine magische Grenze bei allen Wahlen, denn sie bedeutet absolute Mehrheiten für Parteien oder den Wahlsieg eines Direktkandidaten. Bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag wurde sie nur vom Kandidaten der Grünen, Alexander Wright, erreicht. In drei Briefwahlbezirken stand beim Gewinner des ersten Wahlgangs vorne eine Fünf.

Wie schon bei der Kommunalwahl erschwert die große Anzahl an Briefwählern eine stadträumliche Analyse des Wahlergebnisses, weil viele Wähler nicht in ihren Wahlbezirken gewählt haben. In den örtlichen Wahlräumen lag die Beteiligung durchweg bei unter 40 Prozent. Insgesamt lag sie bei fast 68 Prozent und damit fast vier Prozentpunkte unter der bei der Bundestagswahl in Gießen. Etwa die Hälfte aller Wähler machte von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch.

Wright, der sich mit 30,66 Prozent knapp als Erstplazierter für die Stichwahl qualifizierte, lag bei den Briefwählern mit gut 35 Prozent vorne, in den Wahlbezirken wurde er mit 26 Prozent nur Dritter hinter Frank-Tilo Becher (SPD) und Frederik Bouffier (CDU). In den örtlichen Wahlbezirken lag der Fraktionschef der Grünen im Stadtparlament in einem Dutzend Stimmbezirken, darunter die grünen Innenstadt-Hochburgen, bei über 40 Prozent. In den außen liegenden Stadtteilen schnitt Wright mit einigen Ergebnissen von unter 20 Prozent deutlich schwächer ab.

Nicht so groß ist die Bandbreite bei Becher und Bouffier. Der SPD-Kandidat (Gesamtergebnis 30,26 Prozent), der knapp 200 Stimmen hinter Wright lag, erzielte nur in einem Stimmbezirk ein Ergebnis von unter 20, in sieben Bezirken lag er über 40 Prozent, darunter in Allendorf und einigen Wahlbüros in der Nordstadt, wo der frühere Paulus-Gemeindepfarrer lebt.

Rasch 14-mal zweistellig

Ähnlich sieht es bei Frederik Bouffier aus, der stadtweit 29,52 Prozent erhielt, siebenmal über 40 und fünfmal unter 20 Prozent lag. Die besten Ergebnisse erzielte der CDU-Kandidat, dem gut 300 Stimmen zum Einzug in die Stichwahl fehlten, in Stadtteilen mit hohem deutsch-russischen Bevölkerungsanteil wie in der Weststadt und dem Wohngebiet Marburger Straße-West sowie in Lützellinden und Wieseck. Die Innenstadt bleibt dagegen ein schwieriges Revier für die Union.

Ein erstaunliches Bild bieten die Ergebnisse des Kandidaten der Spaßgruppierung PARTEI, Marco Rasch, der insgesamt bei gut sieben Prozent landete. In 14 Stimmbezirken kam er über zehn Prozent, in einem Innenstadt-Bezirk (Albert-Schweitzer-Schule) sogar über 15 Prozent, am Eulenkopf über 14 Prozent.

Auch Einzelbewerber Thomas Dombrowski erzielte mit 2,5 Prozent einen Achtungserfolg, obwohl er am Wahlabend davon sprach, deutlich mehr erwartet zu haben. Am besten schnitt er in einem Kleinlindener Wahlbezirk und einem Nordstadt-Büro mit jeweils über fünf Prozent ab.

Wie erwartet, schnitten die OB-Kandidaten mehr oder weniger deutlich besser ab als ihre Parteien bei der Bundestagswahl in Gießen. Die CDU erhielt 17 Prozent Zweitstimmen, die SPD 22,7 und die Grünen 27,3 Prozent. In den zwölf Prozent, die Bouffier draufpackte, dürften auch die Stimmen von Anhängern der FDP und der Freien Wähler stecken, die bei der OB-Wahl nicht kandidiert hatten. Auch der Kandidat der PARTEI, Rasch, legte zu. Das Zweitstimmen-Ergebnis der PARTEI lag bei nur 1,45 Prozent.

Da die OB-Wahl erst nach der Bundestagswahl ausgezählt wurde, dauerte die Auswertung bis in die späte Nacht an. Das Endergebnis lag gegen 1.30 Uhr vor, weil das Ergebnis aus einem der über 20 Briefwahlbezirke über eine Stunde nachhing.

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