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Eine Lichtinstallation komplettiert das Ensemble von Dominique Hurth: Von der Decke hängen und am Boden liegen Neonröhren, genauer gesagt Feuchtraumlampen.

Normengenau und wohlproportioniert

  • VonDagmar Klein
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Gießen (dkl). Wieder ist es den Verantwortlichen des Neuen Kunstvereins Gießen gelungen, eine Künstlerin zu gewinnen, die eine ortsspezifische Installation schuf. Dominique Hurth beschäftigt sich seit Langem mit Architektur und ihren Normvorschriften. Dabei stieß sie schnell auf die Veröffentlichungen von Ernst Neufert, der mit seiner Bauentwurfslehre (1936) ein Handbuch für Architekten schuf, das bis heute international als Standardwerk gilt.

Kunstkiosk und Normvorgaben

Auch das Gebäude, das der Kunstverein für seine Ausstellungen nutzt, wurde in dieser Zeit erbaut. Es wurde als Kiosk errichtet, war also ein kleiner Verkaufsraum. Der Gießener Kunstkiosk entspricht mit seiner Naturstein-Fassade in vielen Details den Normvorgaben, hat aber auch einiges, was davon abweicht, konstatiert die Künstlerin. Neufert war Bauhaus-Lehrer, in seinen Lehrbüchern hat er Vorgaben für viele Gebäudetypen gemacht, darunter auch für Kioske, die mit öffentlichen Toilettenanlagen und Stromverteilerstellen gekoppelt waren. Genauso geschah es 1937 beim Kiosk, als die Stadt Gießen das Areal an der Licher Gabel neu gestalten ließ.

Dominique Hurth wurde in Colmar geboren, studierte freie Kunst in London und Paris, lebt in Berlin. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien in ganz Europa. Sie war künstlerische Mitarbeiterin an der Bauhaus-Universität Weimar, lehrte in Bergen, Aarhus und Oslo, Amsterdam und Arnhem, Liverpool und jetzt Berlin. 2015 wurde sie erstmals vom Berliner Senat geehrt, erhielt Forschungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Nach Gießen kam sie durch Vermittlung von NKV-Vorstandsmitglied Max Brück, den sie bei Workshops kennenlernte.

Auch wenn Dominique Hurth sich mit der Entstehung des Kunstkiosks und seinem Architekten, dem einstigen Gießener Bauamtsleiter Wilhelm Gravert, beschäftigt hat, so trifft ihre Installation keine lokalgeschichtliche Aussage. Sie befasst sich mit der Normierung am Bau generell, versucht den Blick aufs Detail zu schärfen und auf die Problematik von Normbauten hinzuweisen.

Für den Innenraum hat sie eine 22 Meter lange Stoffbahn bedrucken lassen, die wie ein langer Duschvorhang die rückwärtige Wand und seitliche Fensterfront verhüllt. Das aufgedruckte Motiv ist von ihr handgezeichnet und zeigt eine der Mauerungstechniken aus Neuferts Buch. Beispielhafte Kopien aus seinem Buch können angeschaut werden.

Eine Lichtinstallation komplettiert das Ensemble: Von der Decke hängen und am Boden liegen Neonröhren, genauer gesagt Feuchtraumlampen. Dabei fällt auf, dass im Kunstraum selbst Neon-Leuchtstoffröhren hängen und außen, unter dem vorkragenden Dach, ebenfalls solche Röhren angebracht sind. Praktisch und hell. Die Hurth’sche Installation wird ebenfalls hell leuchten und Passanten neugierig machen. Schließlich kann man durch die Fensterfront parallel zur Licher Straße gut hineinschauen.

Zu sehen bis zum 15. Januar

Die Ausstellung ist bis 15. Januar im Kunstkiosk zu sehen. Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Informationen zum Kunstverein und zur Künstlerin findet man hier: www.kunstverein-giessen.de; www.dominiquehurth.com.

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