Neue Wohnungen

Nordsee-Flair in der Gießener Weststadt?

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In der Gießener Schützenstraße entstehen drei Mehrfamilienhäuser. Am Freitag war Spatenstich. Von Anwohnern gibt es Kritik.

Nein, das Meer kann man in der Schützenstraße nicht rauschen hören. Und trotzdem hat das neue Wohnhausensemble, das den Namen Alte Schuhmacherei tragen soll, einen Hauch von Nordsee-Flair. Denn der künstliche Deich zur Lahn ist nur einen Steinwurf entfernt, durch eine neu angelegte Straße ist das Wasser noch einfacher zu erreichen. Bei einem kleinen Rundgang am Freitagnachmittag hat Dirk Gerber das Areal vorgestellt. Gerber und sein Bruder Peter von der Firma GeGeS sind die Bauherren der Alten Schumacherei. Und die beiden kennen die Ecke bestens. Denn direkt neben dem neuen Bauvorhaben steht noch ihr altes Elternhaus. Der offizielle Spatenstich erfolgte also nur wenige Meter entfernt von ihrem einstigen Kinderzimmern.

Entstehen sollen drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 28 Eigentumswohnungen. Die Ein- bis Drei-Zimmerwohnungen umfassen zwischen 35 und 116 Quadratmeter. Die Einheiten verfügen allesamt entweder über Terrassen oder Balkone, meist mit Blick in Richtung Süden. Alle drei Häuser werden mit Fahrstühlen ausgestattet.

Abgestufte Sandtöne

Wie das Ensemble aussehen wird? "Die Häuser werden keine weiße Fassade und dunklen Sockel haben, wie man es in Gießen derzeit so häufig sieht", kündigte Gerber an. Vielmehr soll die Fassade in abgestuften Sandtönen gestrichen werden. Die Investitionssumme beziffert der Bauherr auf acht Millionen Euro. Kein Wunder, dass die Wohnungen nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sind. Für eine Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss mit 104 Quadratmetern werden knapp 340 000 Euro fällig.

Dafür wohnen die künftigen Eigentümer aber auch in einer "traumhaften Lage", wie es Ute Kramm vom federführenden Architekturbüro "aplus" formulierte. Sie betonte zudem, dass zwischen des Häusern Grünflächen zum Verweilen angelegt werden sollen, auch ein Spielplatz sei geplant. "Das ist nur möglich, weil fast alle Parkplätze in die Tiefgarage verlegt worden sind." Lediglich drei Besucherparkplätze sollen oberirdisch eingezeichnet werden. Kramm geht davon aus, dass die drei Häuser im März 2020 fertiggestellt sind.

Kritik von Anwohnern

Somit wird die eigentliche Bauzeit deutlich kürzer ausfallen als die vorangegangene Planung, die schon 2013 begonnen hat. Denn das Baugebiet "Schützenstraße Nordost", in dem neben den drei geplanten Häusern von Gerber noch weitere Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen sollen, war von Anfang an umstritten. Einige Anwohner lehnten die "Hinterhofverdichtung" der Schützenstraße und die Überbauung der Kleingärten ab, sie sprachen von "Naturzerstörung", bezweifelten den Bedarf an Wohnungen, befürchteten eine Zunahme des Verkehrs und negative Auswirkungen auf die Grundwasserhaltung. Doch das Bauvorhaben konnten sie nicht verhindern. Inzwischen wurden Bäume gefällt, Kleingärten abgeräumt und alte Backsteinhäuser abgerissen. Neben der Alten Schuhmacherei zeugen weitere Bauplätze in unmittelbarer Umgebung von der regen Bautätigkeit. Das Leben am Deich scheint verlockend zu sein.

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