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Die drei Damen vom Stadttheater im (noch) leeren Saal: Dietlind Grabe-Bolz, Cathérine Miville und Anita Schneider (v. l.). FOTO: SCHEPP

Spielzeit quasi abgebrochen

Nur noch "Lebenszeichen" aus dem Stadttheater

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Am Stadttheater wird es coronabedingt in dieser Spielzeit nur noch ein ganz kleines Angebot geben können. Der Blick richtet sich nun auf die nächste Spielzeit, die im September startet.

Es ist unglaublich schwierig, unter diesen Bedingungen Veranstaltungen anzubieten", bringt es Anita Schneider, als Landrätin auch Gesellschafterin des Stadttheaters, auf den Punkt. Und gleichzeitig sei "der Hunger nach Kultur groß", betont Dietlind Grabe-Bolz, Gießener Oberbürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende des Stadttheaters. Genau diesen Drahtseilakt muss Intendantin Cathérine Miville meistern, und hatte daher mit den beiden gemeinsam zum Pressegespräch eingeladen, nachdem zu Beginn der Woche die Beratungen, wie Theater unter Corona-Bedingungen möglich sein kann, Fahrt aufgenommen hatte.

Das Ergebnis lässt sich auf folgende Eckpunkte zusammenfassen: Das Stadttheater wird in der noch laufenden Spielzeit nur noch zwei Kammerkonzerte im Oberen Foyer, Martin Gärtners Ein-Personen-Stück "Antigone" im Theaterstudio, das nahezu durchgeprobt war, und eventuell noch ein Open-Air-Konzert im Stadtpark oder ein Fensterkonzert am Zeughaus anbieten können. Das seien aber nur "Lebenszeichen" des Theaters, so Miville, wie es sie in den anderen Theatern des Landes nun auch gebe. Aber eben auch nicht mehr.

Virtuell bieten sich in dieser Spielzeit ebenfalls kaum Ersatzmöglichkeiten: Auch wenn es viele kreative Ideen der Mitarbeiter gebe, etwas im Netz zu zeigen, müsse alles, was im Haus entsteht, auch den Vorschriften entsprechen.

Dank an Abonnenten

In Abstimmung mit Schneider, Grabe-Bolz und Miville wird es in dieser Spielzeit keine Repertoire-Vorstellungen mehr geben. Die Abonnenten, die mit ihren Abos eine große Stütze für das Theater sind und aktuell Gutscheine bekommen, sollen dabei Vorrang haben, könnten aber nicht beliebig im Haus auf die günstigeren Ränge verteilt werden. Man setze darauf, dass Gutscheine für bereits erworbene Karten auch an andere weitergereicht würden, "denn wir brauchen auch die, die nur immer mal wieder ins Theater gehen", so Miville. Auch in der nächsten Spielzeit werde man "zusätzliche Anreize" für Abonnenten schaffen.

Auch diese nächste im September beginnende Spielzeit wird unter den dann geltenden Vorschriften zu Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen stattfinden müssen - im Zuschauerraum, bei den Proben sowie auf der Bühne. Und beides ist nicht einfach zu lösen. Zumal sich Vorgaben nahezu täglich ändern, man also auch jetzt nicht wirklich verbindlich einplanen kann, was im September, abhängig vom Infektionsgeschehen, vorgeschrieben ist. Nur wenige statt der sonst 100 Zuschauer im taT und fast 600 im Großen Haus, Vorstellungen in Doppelschicht, Plexiglasschutz im Zuschauerraum - vieles ist in der Überlegung, aber kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verbindlich festgelegt werden.

"Kleine Formate" zum Austesten

Lange habe man darauf gepocht, endlich Planungssicherheit zu haben, betont Miville. Und dann habe es quasi über Nacht geheißen, dass die Theater in Hessen wieder öffnen können. Doch es gebe im aktuellen Spielplan "keine einzige Veranstaltung", die sich wie ursprünglich inszeniert unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln spielen lasse. Das liege auch an den im Vergleich zu anderen Theatern kleinen Rangierflächen im Haus, sowohl neben als auch hinter der Bühne, dem im Vergleich etwa zum Staatstheater Wiesbaden kleinen Orchestergraben (Miville: "Wir werden kein komplettes Orchester in den Orchestergraben setzen können") und den Unwägbarkeiten der sich ständig ändernden Vorgaben.

Choreografen und Regisseure arbeiten an Konzepten, wie sich künftige Vorstellungen, etwa beim Familienstück, unter Wahrung von Distanzregeln umsetzen lassen. Hierfür seien die aktuell anstehenden "kleinen Formate", von denen aber für keines derzeit ein verbindlicher Termin genannt werden kann, ein gutes Mittel abzuschätzen, was wie umgesetzt werden kann und vorallem auch, wie das Publikum damit umgeht. Denn trotz Mundschutz, zumindest beim Ein- und Ausgang, eines ist klar: "Die Leute sollen auch Lust haben, ins Theater zu gehen", so Miville Die nächste Spielzeit solle auf jeden Fall "keine Notspielzeit" werden.

Und dann gibt es auch noch den künstlerischen Anspruch, "dass auf der Bühne nicht nur alle herumstehen und Texte aufsagen", so die Intendantin. Zudem dürfe in der kommenden Spielzeit nicht ausschließlich Corona das Thema sein.

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