Noch kein Urteil im Betrugsprozess gegen Professor

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). Eigentlich sollte der Prozess gegen den Gießener Professor Stefan G. am Donnerstag am Amtsgericht Gießen mit einem Urteil zu Ende gehen - aber nach einem Befangenheitsantrag gegen Richter Jürgen Seichter musste erneut eine Pause eingelegt werden. "Das kann doch nicht sein: Am Montag haben wir schon eine Pause bis heute eingelegt, um uns noch einmal mit der Lage auseinanderzusetzen - und jetzt habe ich das Gefühl, dass sie wieder nicht richtig vorbereitet sind", stöhnte Staatsanwalt Volker Bützler sichtlich verärgert in Richtung des Vorsitzenden Richters Seichter. "Es bleibt mir keine andere Wahl, als sie für befangen zu erklären." Hintergrund ist, dass der Richter aus Sicht des Staatsanwaltes sich nicht umfassend mit dem Verfahren beschäftigt habe und die genauen Vorwürfe nicht kenne.

In Richtung des Angeklagten G., der sich wegen Betrugs verantworten muss, sagte der Staatsanwalt: "Es geht nicht darum, ob Sie sich selbst bereichert haben, sondern darum, ob es rechtlich in Ordnung ist, dass Sie das Projekt aus Drittmitteln anderer Projekte finanziert haben". Als Professor für Ressourcenmanagement an der Uni Gießen hatte G. im Rahmen eines Forschungsprojekts Rechnungen gestellt, deren Rechtmäßigkeit fraglich ist (diese Zeitung berichtete). Beide Rechnungen bezahlte er aus Mitteln, die für die Erstellung von Gutachten kamen. "Ich dachte, dass das alles so in Ordnung ist - wenn nicht, dann tut es mir leid", sagte G. am Donnerstag zu den Vorwürfen.

Mit dem Befangenheitsantrag muss der Prozess erneut pausieren; sollte dem Antrag zugestimmt werden, muss der Prozess unter neuem Vorsitz wieder von vorne starten.

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