Zum Niederknien

  • vonRedaktion
    schließen

Der Kniefall von Bundeskanzler Willy Brandt gehört zu den symbolträchtigen Bildern der Weltgeschichte. Das war heute vor 50 Jahren am 7. Dezember 1970.

Diese Geste am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos war verbunden mit einer Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Es war ein Meilenstein der deutschen Ostpolitik, der den Weg freimachte für das Miteinander der Völker im heute vereinten Europa.

Ein Kniefall der anderen Art fand an der Krippe zu Bethlehem statt. Die drei Weisen aus dem Morgenland, manche meinen, es waren Könige, folgen seit Wochen dem Morgenstern. Einem Stern, der sie zum neuen König der Welt führen soll. Es ist für sie nahe liegend in einem Palast zu suchen; fündig werden sie später in einem Stall, in einer Krippe, bei einem kleinen Kind.

Es sind nicht Schuld und Reue wie bei Brandt, die zum Kniefall an der Krippe führten. Nein, die Nähe Gottes in diesem Kind trifft die Weisen mitten ins Herz, sie knien nieder und beten an. Gott anzubeten heißt, dass Geschenk seiner Liebe zu spüren.

Eine Liebe, die den Hirten ihre Würde zurückgibt. Eine Liebe, bei der selbst weise Männer weiche Knie bekommen. Eine Liebe, die heilt und Leben verwandelt. Ja, deshalb wird Jesus auch Heiland genannt. Jesus, der heilt und heil macht.

Anbetung ist, wenn ich es genauer betrachte kein Geschenk, dass ich Gott bringe. Es ist umgekehrt, ich werde beschenkt! In Jesus Christus an der Krippe kann ich Gott begegnen und erkennen. Gott ist größer als der Alltag, größer als eine Pandemie, größer als der Friede, den wir mit unseren eigenen Händen schaffen können.

Daran erinnern mich die drei Weisen im Advent und zu Weihnachten jedes Jahr wieder. Ich kann nicht genug davon hören, weil diese Geschichte ans Herz geht, weil dieser Jesus in der Krippe mein Herz trifft. Und das ist zum Niederknien.

Pfarrer Stephan Ebelt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare