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Moritz Jung arbeitet im Stadtbüro. Foto: pm

Rat nicht nur in Sachen Reisepass

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Gießen(cg). Den Mitarbeitern im Stadtbüro geht es in diesen Wochen so wie den Kollegen der Polizei: Sie werden bei allen möglichen Dingen um Rat gefragt, auch wenn es mit ihrem eigentlichen Kompetenzbereich nichts zu tun hat. "Das macht aber nichts", sagt Moritz Jung. Er ist einer der Mitarbeiter, die im Erdgeschoss des Rathauses die Stellung halten und für die Bürger da sind. Wenn sie können, helfen sie gerne weiter, und wenn sie nicht zuständig sind, nennen sie Ansprechpartner. Manchmal tue es den Leuten auch einfach gut, mal mit jemandem zu sprechen.

Insbesondere ältere Besucher fühlten sich in der jetzigen Situation manchmal allein gelassen und unsicher. Was darf man und was nicht? Wann findet diese oder jene Veranstaltung wieder statt? Das Informationsbedürfnis ist hoch. Außerdem verspüren die Leute den Wunsch, unter Menschen zu gehen. "Das kann ich gut verstehen, das geht uns doch allen so", sagt der 28-Jährige. Dennoch rät er den Senioren zur Geduld und bittet sie, wenn möglich zu Hause zu bleiben. "Das würde ich meiner Oma auch nahe legen", sagt er. Wenn zum Beispiel der Personalausweis abgelaufen ist, tut es ja auch vorläufig der Reisepass.

Weniger Anfragen

Insgesamt ist es im Stadtbüro deutlich ruhiger als zu "normalen Zeiten". Derzeit gibt es 50 bis 60 Anfragen pro Tag, sonst sind es 280 bis 300. Vorrangig geht es um die Verlängerung von Personalausweis oder Reisepass, um An- und Ummeldungen oder Beglaubigungen. Vieles kann man online erledigen, aber eben nicht alles. Jung ist seit Anfang des Jahres bei der Stadt beschäftigt. Der Kaufmann für Bürokommunikation war zuvor in einem Callcenter beschäftigt, er ist es gewohnt, Menschen telefonisch zu beraten, aber er schätzt auch den direkten Kontakt. Da die Hygieneregeln und Abstände stets eingehalten würden, macht er sich keine allzu großen Sorgen hinsichtlich einer Ansteckung. . "Aber natürlich denkt man schon mal darüber nach, wenn man Tag für Tag hier steht", sagt er. Jung findet es jedoch wichtig, dass die Gesellschaft jetzt zusammenhalte. "Das Leben muss ja weitergehen, und wir leisten unseren Beitrag dazu". Die Mitarbeiter des Stadtbüros arbeiten derzeit in Wechselschichten; ein Teil des Teams ist in Bereitschaft, die anderen halten im Rathaus die Stellung. So könnten personelle Ausfälle kompensiert werden.

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