Wort zum Sonntag

Nicht planbar

  • vonRedaktion
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Vor kurzem wollte ich einen Freund mit meinem Besuch überraschen. Ich stehe vor seiner Tür und niemand öffnet. Ich stehe da und denke mir: Ich hätte doch besser erst anrufen sollen. Schade, dass die Überraschung nicht geklappt hat.

Verschlossene Türen geben uns das ungute Gefühl, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Dabei leben wir doch mit dem hohen Anspruch, dass alles planbar sei. Smartphones und viele andere nützliche Erfindungen sind ja schließlich dazu da, dass wir alles auf die Reihe kriegen. Und mit diesem hohen Anspruch leben wir: Wir müssen pausenlos funktionieren, weil in der Theorie alles möglich erscheint. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, hat einfach nur schlecht geplant - oder?

Bei diesen Gedanken fällt mir auf, dass sich manchmal auch Türen öffnen, die in meiner Planung gar nicht vorgekommen sind. Zum Beispiel hält mir ein aufmerksamer Mensch eine Tür auf, weil er sieht das ich keine Hand frei habe. Oder ein freundlicher Autofahrer winkt, dass ich mich vor ihm einreihen darf. Manchmal ist es auch nur ein Lächeln oder ein verständnisvolles Zuhören. Türen öffnen sich, weil Menschen sich füreinander Zeit nehmen, füreinander da sind. Wir treffen auf Aufmerksamkeit, wo wir sie nicht erwarten. Mir tun solche Überraschungen gut.

Johannes der Täufer war vollkommen überrascht, als Jesus, der erwartete Messias, der Retter der Welt, plötzlich vor ihm stand, um von ihm getauft zu werden. Der Himmel öffnete sich, der Heilige Geist kam auf Jesus herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden." (Lk 3,21-22)

Die Begegnung mit Gottes Rettungsplan lässt sich in unseren Kalender nicht einplanen. Gott ist einfach nur mit seiner Liebe für uns da. Meist sind wir viel zu verplant, um die sanfte Stimme in unserem Herzen überhaupt wahrzunehmen: Du bist mein geliebtes Kind! Dich mag ich!

Der Himmel ist offen - auch für uns. Gott hat Gutes mit uns im Sinn. Es ist schön, sich überraschen und einfach nur lieben zu lassen. Wir können auch selbst zur angenehmen Überraschung für andere werden. Wer sich selbst angenommen, geschätzt und geliebt weiß, wird sich auch für andere Menschen öffnen. Er wird die Furcht verlieren, selbst zu kurz zu kommen, die Angst vor Ungewohntem nach und nach ablegen und bereit sein, selber zu einer offenen Tür zu werden - auch und gerade für die Menschen, die so ganz anders sind als wir selbst.

Pastor Andreas Christoph

Living Grace Church Gießen (Freikirche in der Ev. Allianz)

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