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Die Musiker um Mark Gillespie (r.) beim Auftritt in der Kongresshalle. FOTO: AXC

Nicht originell, aber original

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Gießen(axc). Dass Musiker des Kalibers von Mark Gillespie’s Kings of Floyd den Ton treffen, darf man erwarten. Dass sie aber an die Urfassungen der "echten" Pink Floyd so notengetreu herankommen, ist bemerkenswert: nicht originell, aber original! Vor allem treffen sie damit seit fast zehn Jahren den Nerv ihrer Fans - in diesem Fall rund 500 in der Kongresshalle -, die geliebten Songs mal wieder "live" erleben möchten.

Die Kings klammern die frühe Phase mit Syd Barrett aus, erweisen dem Ur-Gitarristen aber mit Einblendungen seines Fotos, unter anderem bei "Shine On You Crazy Diamond", ihre Reverenz. Optisch legt die Band den Fokus auf das legendäre Album "The Dark Side of the Moon" (1973), wie das rotierende Bandlogo mit Fender Stratocaster-Gitarre und Prismenstrahl klarmacht. Tatsächlich beginnt die Show pünktlich mit einer Floyd-typisch pulsierenden Soundcollage als Einleitung zu "Breathe". Der tendenziell verträumte PF-Gesang passt gut zu Gillespies Stimme, und Backgroundsängerin Lucy Fischer hilft prima aus. Am Ende haben die sieben Musiker fast das ganze "Dark Side"-Album gespielt - vom bassgetriebenen "Money" über das wortlose Glanzstück für Lucy Fischer "Great Gig in the Sky" bis hin zum ergreifend-hymnischen Finale mit "Eclipse":

Zu "Brain Damage" tummeln sich Trump, Erdogan und Konsorten auf der Leinwand - ganz ohne ironische Kommentare geht es bei Gillespie eben doch nicht. Durch den technischen Rahmen bleibt dem Ex-Gießener nicht so viel Raum für die gewohnten launischen Ansprachen, aber den Hinweis auf seine traumatischen Erfahrungen mit dem Gießener Ordnungsamt kann er sich ebenso wenig verkneifen wie die Freude darüber, beim dritten Gießener Auftritt der Kings nicht mehr den Aufzug im "Jokus" nutzen zu müssen. Das wäre angesichts der aufwändigen Licht- und Lasertechnik wohl auch kaum möglich gewesen.

"Wish you were here" und mehr

Die vier Stücke aus der Zeit nach Roger Waters‹ Weggang (1985 - 1994) singen und spielen Gillespie, Lucy Fischer, Maurus Fischer (Gitarren), Jürgen Madziak (Tasten, u.a. eine Hammond von 1949), Berni Bovens (Drums), Hans Maahn (Bass) und Bernd Winterschladen (Saxofone) zwar ebenso kompetent und originalgetreu, aber die Songs fallen gegenüber den Perlen der 70er einfach ab. "Wish You Were Here" (1975), ebenfalls fast komplett gespielt, sowie Auszüge aus "Meddle" (1971) mit einer gnädig gekürzten Fassung von "Echoes" und "The Wall" bilden die weiteren Schwerpunkte.

Nach der Pause hängt der Spannungsbogen kurz ein bisschen durch, aber bei dem rockigen "Young Lust", dem zarten Akustikintro zu "Mother" und der langen LP-Fassung von "Another Brick in the Wall" mit dem auf hr1 immer ausgeblendeten genialen Gitarrensolo sind doch alle wieder dabei. "Wish You Were Here" mit zwei Akustikgitarren bildet den Schlusspunkt, aber natürlich setzen sie in der Zugabe mit "Comfortably Numb" noch einen drauf - speziell für E-Gitarrenfans.

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