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In der Philosophenstraße soll der Radweg verlaufen.

Nicht nur Begeisterung

  • VonChristian Schneebeck
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Gießen-Wieseck (csk). Auf drei DIN-A4-Seiten taucht der Ortsbeirat Wieseck kein einziges Mal auf. Bei den Bürgervertretern weckt der städtische Projektbeschluss für einen Rad- und Fußweg entlang der Philosophenstraße daher keineswegs nur Begeisterung. »Es ist beschämend, dass wir über 15 Jahre nicht gehört wurden«, kommentierte Michael Oswald (CDU) die Magistratsvorlage am Donnerstagabend.

Und Norbert Kress (Bürgerliste für Umweltschutz und Frieden) sagte, das Papier habe »immer noch nichts mit den Anträgen zu tun«, die der Ortsbeirat seit Jahr und Tag berät.

Dass der Magistrat unlängst eine konkrete Planung für das Projekt vorgelegt hat, stieß auf allgemeine Zustimmung. Indes witterte nicht nur Oswald in den Abläufen einen weiteren Beleg, wie ungleich Bürger der Innenstadt und solche in den Stadtteilen mitunter behandelt würden. »In kürzester Zeit« habe das Rathaus etwa gerade einen Verkehrsversuch mit Radspuren am Anlagenring beschlossen. »Ich finde es beklemmend, dass man das so schnell umsetzen kann, während hier so lange rumgeeiert wird«, echauffierte sich Oswald: »Haben die etwa mehr Rechte als wir?« Der Beschluss für die Philosophenstraße verweist auf den Ausbau des ehemaligen US-Depots und wachsende Wohngebiete an der Rödgener Straße. Beides mache die Verbindung »dringend« notwendig.

Ein vom Wahlkampf inspiriertes Scharmützel lieferten sich schließlich Oswald und Heiner Geißler (Freie Wähler). Letzterer monierte, die Christdemokraten behaupteten auf Plakaten, dass der Rad- und Fußweg ein Erfolg ihrer Politik sei. Oswald bestritt dies - und Klaus Zimmermann versuchte sich als Schlichter. »Wir alle kämpfen seit 16 Jahren dafür«, sagte der Sozialdemokrat, der genau wie Ortsvorsteher Wolfgang Bellof (SPD) am 14. März nicht mehr zur Wiederwahl antritt.

Weitere Anträge

Die letzten vier Anträge in Bellofs Amtszeit stammten samt und sonders von der BUF. Unter anderem fordert der Ortsbeirat eine rasche Überprüfung des Spielplatzes an der Greizer Straße. Einer der drei Ausgänge sei ständig offen, aber nicht gut einsehbar, sodass Kinder dort »unkontrolliert auf die Straße gelangen« könnten, hieß es. Zumindest nicht gut genug erkennbar seien mancherorts Tempo-30-Schilder, weil sie falsch aufgestellt worden seien, besagt eine andere einstimmig bestätigte Vorlage.

Die Initiative von Kress, Schlaglöcher an der Ecke Philosophen-/Gießener Straße und der Bushaltestelle Greizer Straße zu beseitigen, sorgte dagegen zunächst für Protest. Über den Mängelmelder gelange dieses Anliegen schneller in den Geschäftsgang, meinte Jörg Schleher (FDP). Dass der Antrag ohne Gegenstimme durchging, trug wiederum Züge eines Protestes: Vor zwei Jahren habe die Stadt die Reparaturen bereits zugesagt, wetterte Kress. Aber nichts passiere. »Das ist ein unmögliches Verhalten.«

Unterdessen bescheinigt der aktualisierte Schulentwicklungsplan, den Claudia Link präsentierte, der Weißen Schule sowie der Käthe-Kollwitz-Schule steigende Schülerzahlen. Beide seien heute durchgängig dreizügig, zeigten jedoch eine »Tendenz zur Vierzügigkeit«, erläuterte die städtische Referentin für Bildungsplanung. Die Sitzung endete mit Oswalds Laudatio auf »Tausendsassa« Bellof und den langjährigen Mitstreiter Zimmermann. »Was soll man jemandem schenken, der schon alles hat?«, fragte der Christdemokrat - und überreichte einen Büchergutschein und eine Flasche Wein.

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