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"Don Juan" macht Laune (v. l.): Lukas Noll, Martin Spahr, Johannes Bergmann und Tarek Assam. Foto: Schepp

Sex nicht nur in der City

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Er ist ein Verführer mit enormer Anziehungskraft. Die Frauen liegen ihm zu Füßen. Doch sein Ende scheint besiegelt. Der neue Tanzabend im Stadttheater mit dem Titel "Don Juan" liefert Einblicke in die erotischen Fantasien des legendären Frauenhelden.

Was bei der Matinee am Sonntag im Großen Haus schon zu sehen war, wird am Dienstag während der Pressekonferenz in Worte gefasst: Wie anmutig die Minimal Music eines Steve Martland oder eines John Psathas mit der dynamischen Körpersprache durchtrainierter Tänzer korrespondiert. Das intensive Duett der biegsamen Julie de Meulemeester mit Jeremy Curnier bildet einen ersten Höhepunkt des neuen Regie-streichs von Tanzdirektor Tarek Assam. Am Samstag, 8. Februar, hebt sich im Stadttheater um 19.30 Uhr der Premierenvorhang für seinen "Don Juan".

Der Mythos des spanischen Verführers und seine sexuellen Ausschweifungen bieten Inspiration für einen impulsiven Abend. Den Aufstieg und Fall des Frauenhelden gilt es zu beleuchten. Etwa wenn die Tänzer mit kleinen Puppen in der Hand den instabil gewordenen Lüstling malträtieren, der seinen Zenit offenbar schon überschritten hat. Oder wenn der Rhythmus der Musik die komplette Tanzcompagnie in Wellenbewegungen genüsslich vorantreibt. "Auf spielerische Weise setzen wir uns mit Stereotypen und Erotik auseinander", sagt Assam. "Das Weibliche trifft auf das Männliche und umgekehrt." Auch das Gendern kommt nicht zu kurz.

Der Tanzdirektor begibt sich auf eine Wegerzählung und lässt Stationen des Don Juan Revue passieren, ohne den Stoff im Detail nachzuzeichnen. Dramaturg Johannes Bergmann stellt dazu die entscheidende Frage: "Sind erträumte sexuelle Fantasien mit idealisierten Partnern heute nicht längst zum Scheitern verurteilt?"

Die Antwort liefert er gleich selbst: "Frauenbilder, Rollenklischees und das tradierte Verhalten der Männer scheinen immer mehr an Wert zu verlieren, während Mode, Lifestyle und die konsumgesteuerte mediale Konstruktion von Schönheitsidealen an Reiz gewinnen." Ab in die Moderne heißt es also für diesen Don Juan.

Venus zum Klettern

Das Philharmonische Orchester Gießen unter der Leitung von Kapellmeister Martin Spahr hüllt vom Graben aus die spannungsreichen Bewegungen der Tänzer in magische Klänge. Zu Beginn spielt das komplette Orchester, nach der Pause, wenn die Tanzfiguren energischer werden, illustrieren als Kontrast zum Visuellen nur noch die Streicher das Geschehen.

Ausstatter Lukas Noll stellt dazu eine überdimensionale Venus von Willendorf auf die Bühne. Im Original nur elf Zentimeter hoch, wird aus der knapp 30 000 Jahre alten Skulptur bei Noll eine imposante Styroporfigur von viereinhalb Metern Höhe, an der die Tänzer herumklettern können. In Videoprojektionen lässt Assam auch noch die Puppen tanzen. Dem genuss- und sexsüchtigen Don Juan geht es an den Kragen. Sein Ende ist nah. Die Hölle wartet.

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