Neujahrsempfang von Hochschulmedizin und Klinikum

Gießen (si). Die Weiterentwicklung des Kooperationsvertrages, der die Beziehungen zwischen der Justus-Liebig-Universität und seinem Fachbereich Medizin auf der einen Seite und dem Uniklinikum Gießen und Marburg auf der anderen Seite regelt, bleibt nach Einschätzung von JLU-Präsident Pro, Joybrato Mukherjee eine "Daueraufgabe".

Beide hätten durchaus unterschiedliche Interessen, die nicht verwischt werden dürften. Auf Basis der "drei V" – Verbindlichkeit, Verständnis untereinander und Vertrauen – könnten sie gut zusammenarbeiten, sagte Mukherjee am Freitagabend beim gemeinsamen Empfang von Hochschulmedizin und Klinikum im Chirurgie-Hörsaal. Dekan Prof. Trinad Chakraborty und Dr. Christian Höftberger, Kaufmännischer Direktor am Standort Gießen, hatten rund 100 geladene Gäste begrüßt, geboten wurde der traditionelle Rück- und Ausblick.

Chakraborty zog vor allem eine Leistungsbilanz des "forschungsstarken Fachbereichs Medizin" – erkennbar etwa daran, dass sich das Volumen der eingeworbenen Drittmittel fast verdoppelt habe. Wichtige Professuren hätten mit hochkarätigen Wissenschaftlern neu besetzt werden können, Gießener Hochschulmediziner würden in hohem Maße von außen umworben. Dass mit dem im Frühjahr bezogenen Neubau eine neue Ära in der Universitätsmedizin eingeleitet worden sei – wie Chakraborty sagte –, bekräftigen auch Höftberger und später die Vorsitzende des Klinikumsgeschäftsführung, Dr. Irmgard Stippler.

Sie erinnerten an den Umzug, der weitgehend reibungslos verlaufen sei und daran, dass hier eine der modernsten Kliniken in Deutschland entstanden sei. Das komme vor allem den Patienten zugute. Stippler sagte, dass deren Wohl über allen anderen Interessen stehe: "Erst dann kommt die Wirtschaftlichkeit", so die Klinikums-Chefin.

Rückkehrrecht ist "Herausforderung"

Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung meinte einmal mehr, dass die vor fast sieben Jahren gefällte Entscheidung für die Privatisierung des Klinikums "nicht ganz die falsche" gewesen sei. "In staatlicher Hand wäre wir heute sicherlich nicht so weit". Auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom letzten Februar, das die Zwangsüberleitung der Mitarbeiter (2005) in das fusionierte Klinikum Gießen und Marburg für verfassungswidrig erklärt hatte, ging Jung (wie auch die anderen Redner) mit keinem Wort ein. Allerdings erinnerte er daran, dass die Land den Beschäftigten mit einem neuen Gesetz das (vom Gericht geforderte) Rückkehrrecht in den öffentlichen Dienst eingeräumt habe. Bei der Umsetzung hätten Land, Klinikum und Mitarbeiter "gemeinsame Interessen", sagte er.

Für Stippler ist die Frage, wie sich die Mitarbeiter mit Rückkehrrecht in den kommenden Monaten entscheiden, eine der "großen Herausforderungen im Jahre 2012".

Präsident Mukherjee hob in seiner Rede mehrfach die Bedeutung des Fachbereichs Medizin für die Universität hervor und betonte auch, wie gut die Zusammenarbeit mit der Universität Marburg funktioniere, sowohl auf Hochschul- wie auf Fachbereichsebene. Die "strukturierte Kooperation" sei ein Konzept, von dem beide Seiten überzeugt seien – und nicht nur ein Schlagwort, um die Fusion der medizinischen Fachbereiche zu verhindern. Dass man dabei schon sehr weit gekommen sei, lasse sich an vielen Beispielen zeigen, etwa bei den aufeinander abstimmten Berufungsverfahren und bei der Profilentwicklung.

Beim Blick auf die unterschiedlichen Interessen von Hochschulmedizin und Klinikum hatte Mukherjee unter anderem daran erinnert, dass beide eine differierende "Zeitdimension" hätten. Wissenschaft sei langfristig, oft auf viele Jahre hin orientiert. Ein Unternehmen wie "Rhön" – Mehrheitseigner des Klinikums – schaue auf den "nächsten Quartalsbericht".

Eine Quersubventionierung dürfe es nicht geben, vielmehr müsse die Trennungsrechnung ausgebaut werden.

Dekan Chakraborty nutzte die Anwesenheit des Staatssekretärs, um provokant zu fragen, "wieviel Drittmittel vertragen wir?". Um sie einzuwerben, müsse der Fachbereich Infrastrukturen aufbauen. Die Kosten dafür würden aber nur zu einem kleinen Teil erstattet. Dieser Zustand sei auf Dauer unhaltbar. Die Politik müsse neue Wege der Finanzierung finden.

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