Auch im Pandemie-Semester gibt die städtische Volkshochschule ein gedrucktes Programmheft heraus. Es ist aber schon jetzt nicht mehr aktuell. FOTO: SCHEPP
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Auch im Pandemie-Semester gibt die städtische Volkshochschule ein gedrucktes Programmheft heraus. Es ist aber schon jetzt nicht mehr aktuell. FOTO: SCHEPP

Volkshochschule

Neues Programm der Volkshoschule Gießen

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Entspannung und Philosophie ist gefragt im neuen "Corona-Programm" der Volkshochschule Gießen. Andere Kurse müssen pandemiebedingt ausfallen.

Gießen(kw). Die Coronakrise verschiebt die Interessen der Volkshochschulnutzer deutlich. Gesundheit und Entspannung sind gefragt wie nie, ebenso Kunst und die Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens, berichtet Waltraud Burger, Leiterin der VHS der Stadt Gießen. "In Philosophiekursen haben wir bisher meistens mit Ach und Krach die Mindestteilnehmerzahl erreicht. Jetzt führen wir Wartelisten." Die einstigen Renner Fremdsprachen werden dagegen nur zurückhaltend gebucht. Die häufig älteren Teilnehmer fürchten ein Ansteckungsrisiko. Nicht nur wegen dieser kaum vorhersehbaren Verlagerungen, auch rein organisatorisch verlangt die Pandemie der Weiterbildungsinstitution reichlich Flexibilität und Mehrarbeit ab, berichten Burger und Stadträtin Astrid Eibelshäuser bei der Vorstellung des Programms für das neue Semester.

"Wir haben uns entschieden, auch dieses Mal ein Heft zu drucken, weil wir eine große Stammteilnehmerschaft haben, die gewohnt ist, das Printmedium zu nutzen", so Burger. Was darin steht, gelte aber nur "unter Vorbehalt", Interessenten sollten sich aktuell auf der Homepage informieren. So müssen einerseits einige Angebote wegen des Infektionsrisikos nun doch ausfallen, etwa die beliebten Koch-Events. Andererseits kommt noch etliches hinzu, vor allem Deutschkurse für Einwanderer. Unter welchen Voraussetzungen sie stattfinden können, kristallisierte sich erst zu Beginn der Sommerferien heraus.

Flüchtlinge müssen an Pflicht-Integrationskursen teilnehmen, andere Migranten sind auf Einbürgerungstest innerhalb gesetzter Fristen angewiesen. Daher hat die VHS nach dem Corona-"Lockdown" den Sommer über Zusatztermine aus dem Boden gestampft und unterbrochene Kurse wieder aufgenommen. Erst in diesen Tagen schließt sie das verlängerte erste Semester 2020 ab.

Das zählte letztlich nur 494 Kurse statt 556 ein Jahr zuvor, denn Etliches musste abgesagt oder flugs ins Internet verlagert werden. Dabei entstanden "ganz kreative Prozesse", erzählt Burger mit leuchtenden Augen. Eine Polnischlehrerin Mitte 70 etwa schwenkte kurzerhand aufs Skypen um und erklärte: "Es macht mir Spaß, mich weiterzuentwickeln." Eine Goldschmiedin drehte Demo-Videos, Chorleiter organisierten das gemeinsame Singen per Videokonferenz.

Mittlerweile werden die Kursleiterinnen und Kursleiter systematisch in digitaler Lehre geschult. Für die VHS bleibe das grundsätzlich eine "Brückentechnologie, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen", sagt Burger. "Mischformen" könnten sinnvoll sein, aber das persönliche Miteinander sei wichtig. "Unsere Teilnehmer wollen sich treffen." Dies nun mitunter in kleineren Gruppen, denn in Kursräumen soll - anders als in Klassenzimmern in Regelschulen - der Abstand von 1,50 Meter gewahrt bleiben.

Neue Chancen durch reine Online-Kurse

Distanz soll auch sichergestellt sein bei Wanderungen - ohne Fahrgemeinschaften -, darunter erstmals eine am zweiten Weihnachtsfeiertag am Schiffenberg. Eine eigene Broschüre führt die Bildungsurlaube auf. Anhaltend regen Zulauf erleben vor allem EDV- und Sprachkurse.

Für manche, die nicht so gern unter Menschen gehen, weniger mobil sind oder das Corona-Risiko scheuen, eröffnen Online-Formate ganz neue Zugänge. Erstmals macht die VHS einige rein digitale Angebote.

Bei der Veranstaltungsreihe Stadt.Land.Welt-Web geht es vor allem um Nachhaltigkeit, etwa um "gesunde Wälder, gesunde Menschen". Hier bleiben die Teilnehmer unsichtbar, sie hören sozusagen anonym zu.

Interaktiv angelegt ist dagegen das Wissenschaftsprogramm vhs.wissen.live des deutschen Volkshochschulverbands. Hochkarätige Referenten analysieren Themen von der Präsidentenwahl in den USA über Künstliche Intelligenz bis zum Wirecard-Skandal. Um mitdiskutieren zu können, muss man sich bei der VHS anmelden.

Vorträge zu politischen Themen als Präsenzveranstaltungen gibt es im nun gestarteten Semester nicht. Eibelshäuser kündigt an, ein Kernthema der nächsten Jahre werde Klimaschutz und Energiewende bleiben. Rund um das vom Stadtparlament beschlossene Ziel "Gießen 2035null" sei viel Information und inhaltliche Auseinandersetzung nötig.

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