Die Stiftung hat das Haus Friedrichstraße 25 (links) und die ehemalige Medizinische Klinik III (r.) im Jahre 2014 vom Land Hessen übernommen.	FOTOS: SCHEPP
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Die Stiftung hat das Haus Friedrichstraße 25 (links) und die ehemalige Medizinische Klinik III (r.) im Jahre 2014 vom Land Hessen übernommen. FOTOS: SCHEPP

Nach Sanierung

Historische Villa in Gießen hat neue Bewohner

  • Stephan Sippel
    vonStephan Sippel
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Eine denkmalgeschützte Villa in Gießen stand neun Jahre lang leer. Jetzt hat sie eine neue Bewohnerin gefunden: die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung.

Gießen - Neun Jahre stand das denkmalgeschützte Haus in der Friedrichstraße 25 leer. Jetzt ist dort nach einer umfangreichen Sanierung die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung eingezogen - »ein Schmuckstück«, freut sich Hausherr Yasar Bilgin. Die Büros sind größtenteils bezogen, auch wenn sich die meisten der rund 20 Mitarbeiter derzeit im Homeoffice befinden. Im Laufe des Januar bzw. spätestens dann, wenn es die Corona-Lage erlaubt, wird sich das Haus öffnen. »Überglücklich« sei er, sagt Prof. Yasar Bilgin als Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung, die bislang wenige Schritte weiter in der Friedrichstraße 13 saß. Sie wird der Hauptnutzer im neuen Domizil werden. Darüber hinaus soll im Erdgeschoss eine Treffpunkt für Studenten mit Cafeteria entstehen, und zwar aller Fächer, nicht nur der medizinischen. Bilgin spricht von einer »Begegnungsstätte«.

Gebaut wurde die Villa im Jahre 1924, zunächst wohnten dort nacheinander verschiedene Industrielle und Professoren. Später zogen die Nuklearmediziner des Gießener Klinikums ein, die 2011 in den »Rhön«-Neubau auf die gegenüberliegende Straßenseite wechselten. Seither stand das Anwesen leer. Die Gießener Denkmaltopographie spricht von einem »vornehmen«, neoklassizistische Bau, der mit seiner »vollkommenen Symmetrie« und einem nach allen vier Seiten geneigten Schieferdach auffalle.

Villa in Gießen wurde aufwändig restauriert

Das Land Hessen als letzter Eigentümer verkaufte das Haus 2014 an eine neu gegründeten GmbH der Stiftung - und zwar im Paket mit der benachbarten ehemaligen Medizinischen Klinik III mit der Adresse Rodthohl 6, ein funktionales Gebäude, das in den frühen 60er-Jahren errichtet worden war. Verbunden sind beide Häuser mit einem 7000 Quadratmeter großem Grundstück. Die Villa wurde kernsaniert, historische Elemente wie die hölzerne Wendeltreppe im Inneren wurden aufwändig restauriert. »Ein Kraftakt«, sagt Bilgin, zumal unerwartete Probleme wie der feuchte Keller den Einzug verzögerten.

Auch die ehemalige Poliklinik wurde kernsaniert, eine Ende der Arbeiten ist dort allerdings noch nicht abzusehen. Immerhin liegt inzwischen das Schallgutachten vor, auf das die Bauherren monatelang warten mussten. Erforderlich war das Gutachten, weil dort 120 Apartments entstehen sollen - nicht für Dauermieter oder Eigentümer, sondern für Professoren, Studenten oder Angehörige, die vorübergehend einen Platz zum Wohnen brauchen. »Ein Willkommenshaus«, wie Bilgin bekräftigt, das allen offen stehen soll, »nicht nur Türken und Deutschen«. Er selbst rechnet damit, dass die Arbeiten »frühestens 2022« abgeschlossen werden können.

Co-Working-Flächen sollen bei denkmalgeschützter Villa in Gießen entstehen

Offen ist inzwischen, ob das Gebäude - wie zunächst geplant - tatsächlich im hinteren Teil zwei weitere Stockwerke erhält. Dass der viergeschossige Haupttrakt eine weitere Etage und eine Dachterrasse bekommen soll, gilt nach wie vor. Im Souterrain sollen auch Co-Working-Flächen zur gemeinsamen Büronutzung entstehen.

Die Gesamtkosten samt Villa-Sanierung beziffert Bilgin auf einen »niedrig zweistelligen Millionenbereich«. Finanziert werde das Projekt allein durch die GmbH der Stiftung bzw. einzelne Vorstandsmitglieder und über Kredite. Dem stehen die erwarteten Einnahmen aus der Apartment-Vermietung gegenüber. »Wir bekommen nicht einen Cent aus öffentlichen Kassen«, sagt Bilgin stolz. (Stephan Sippel)

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