Andreas Voglis, Rene Richter und Moritz Clemens (v. l.) haben das Klamottenlabel "No Bystanders" gegründet, womit sie auch Gesellschaftskritik transportieren möchten.
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Andreas Voglis, Rene Richter und Moritz Clemens (v. l.) haben das Klamottenlabel »No Bystanders« gegründet, womit sie auch Gesellschaftskritik transportieren möchten.

Wirtschaft

Junge Mode mit Denkanstoß: Gießener entwerfen Fashionlabel „No Bystanders“

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Junge Straßenmode mit Gesellschaftskritik zu verbinden - das ist die Geschäftsidee von drei jungen Gießenern, die Anfang des Jahres mit ihrer Marke „No Bystanders“ an den Start gegangen sind.

Gießen – Das ist klasse, dass so eine junge Gruppe auf uns zugekommen ist und mit Hilfe ihres neuen Klamottenverkaufs für uns spenden will«, betont Karin Skib, als die drei jungen Männer ihr eine Spende über 1500 Euro übergeben. Skib leitet die Gießener Außenstelle der Hilfsorganisation Weißer Ring für Kriminalitäts- und Gewaltopfer.

Die drei jungen Männer sind Rene Richter, Andreas Voglis und Moritz Clemens. Anfang des Jahres haben sich die modebegeisterten Gießener zusammengetan, um ein Modelabel zu gründen. »No Bystanders« solle nicht nur dem aktuellen Trend der Streetwear-Bewegung (zu Deutsch: Straßenmode) »gerecht werden«, wie sie schreiben. »Die Marke soll auch gesellschaftskritische Themen stilvoll, künstlerisch und modisch zum Ausdruck bringen und sie vor allem an die jüngere Generation heranführen.« Stilistisch an die Hiphop-Kultur angelehnt, möchten sie ihre Mode möglichst fair produzieren. Manche Marken in diesem Segment würden teils von gewaltverherrlichenden Rappern medial so unterstützt werden, dass Jugendliche sie dann kaufen, merkt Richter im Gespräch an.

Spende der zweiten Gießener Kollektion geht an Kinderhospiz in Frankfut

Ihre erste Kollektion stand unter dem Motto »Social Change« (sozialer Wandel), mit der sie die Spende für den Weißen Ring erwirtschaftet haben. Die zweite Kollektion sei nun in der finalen Produktion, wofür sie sich das Thema Kindheit und Jugend ausgesucht haben. »Wir wollen darauf anspielen, dass man jede Sekunde in dieser Zeit genießen sollte, weil viele das eben nicht können«, erklärt Richter im Gespräch. Daher wollen sie einen Teil des Umsatzes an den Deutschen Kinderhospizverein in Frankfurt spenden.

Geld würden sie noch nicht verdienen, sagt Richter. Zunächst wollen sie den Umsatz vor allem in die neuen Kollektionen sowie die dazugehörigen Spenden stecken. Ihre Philosophie komme auch unter Influencern und Bloggern gut an, von denen manche ihre Produkte unentgeldlich im Netz unterstützen würden, berichtet Richter. »Die finden es cool, dass wir eine Message haben.« So seien sie auch völlig überrascht gewesen, dass es so viele internationale Bestellungen gegeben hat. Mit über 10 000 Abonnenten hat ihre nicht mal ein Jahr alte Instagram-Seite bei weniger als 20 Postings schon eine beachtliche Menge an Followern.

Gießener Modelabel: Markenname „No Bystanders“ mit Botschaft

Dass die drei irgendwann etwas gemeinsam »hochziehen« wollen, hätten sie schon länger gewusst. Lockdown, Homeoffice und mehr Zeit für Gedanken hätten dann den Anstoß gegeben.

Auch ihr Labelname rührt von einer speziellen Idee her: Unter dem Bystander-Effekt bzw. Zuschauereffekt versteht man das sozialpsychologische Phänomen, dass Augenzeugen eines Unfalls oder kriminellen Übergriffs mit nachlassender Wahrscheinlichkeit helfen, wenn weitere Zuschauende anwesend sind oder dazukommen. »Der Markenname fordert also dazu auf, kein Bystander zu sein und nicht bloß zuzuschauen«, betont Richter.

So seien sie auch auf den Charity-Gedanken gekommen. Künftig solle sich der Aufruf #benobystander (Sei kein Zuschauer!) »durch alle Kollektionen ziehen«, für die solche Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung, Mobbing, Gleichberechtigung oder Gewaltverherrlichung in Medien geplant seien.

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