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Max Beu, Jan Burg und Lutz Prößer haben mit Octobräu eine Mikrobrauerei auf Rädern gegründet.

Neues Bier

Neues Bier aus Gießen: Freunde bringen Octobräu auf den Markt

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Einer Schnapsidee haben die Gießener ein neues Bier zu verdanken: Vier junge Männer haben Octobräu gegründet.

Gießen - Jan Burg, Max Beu und Lutz Prößer sitzen im "Drossel & Specht". Vor ihnen stehen Biergläser. Soll vorkommen in einer Bar. Allerdings ist es nicht irgendein Bier, das in ihren Gläsern schwimmt. Es ist Octobräu. Und das haben Burg, Beu und Prößler zusammen mit ihrem Freund Matthias Witt selbst gebraut.

Die vier jungen Männer aus Gießen und Wetzlar sind die Väter des Pale Ale, das es inzwischen schon in mehreren Gießener Geschäften in 0,3-Liter-Flaschen zu kaufen gibt. "Wenn uns das jemand vor einem Jahr gesagt hätte", sagt Beu, "hätten wir ihn wohl für verrückt erklärt."

Jahrzehntelang war der deutsche Biermarkt konservativ aufgestellt. Es gab eine überschaubare Anzahl an Sorten, von denen die meisten relativ ähnlich schmeckten. Doch seit einigen Jahren wandelt sich die Branche. Viele kleine Brauereien bringen handwerklich gefertigte Biere auf den Markt. Dank dieser Craftbeer-Welle gibt es in Deutschland inzwischen rund 1500 Braustätten, so viele wie nie seit der Wiedervereinigung.

Und jedes Jahr kommen neue dazu. Zum Beispiel Octobräu. Burg schmunzelt, wenn er an die Entstehungsgeschichte von Octobräu zurückdenkt: "Wir haben Lutz zum Geburtstag einen Braukurs geschenkt samt Töpfen und Einkochautomat. Daraufhin haben wir im Keller ein bisschen herumgewurschtelt." Im August letzten Jahres saßen die Männer dann zusammen an der Lahn und tranken ein Bier. Vielleicht auch zwei oder drei. Dabei kamen sie auf die Idee, die ganze Sache ein wenig professioneller anzugehen.

Gießen: Brauanlage in Feuerwehrauto

Kurzerhand kauften sie ein ausrangiertes Feuerwehrauto und ließen sich von einer Manufaktur aus Österreich eine Brauanlage fertigen, die auf der Ladefläche des roten Opel Blitz installiert ist. "Uns ging es eigentlich darum, mit unserer mobilen Mikrobrauanlage auf Feste zu fahren und den Menschen die Brauereikunst näherzubringen", erzählt Beu.

Das auf den Namen "Malin Mandarina" getaufte Ale wird nach den Deutschen Reinheitsgebot gebraut. Trotzdem hat es einen ganz eigenen Geschmack. Sehr mild mit einem leichten fruchtigen Abgang. "Wir verwenden unterschiedliche Hopfensorten, die allesamt eine leichte Zitrusnote haben", erklärt Burg.

Auf dem Gießener Stadtfest und der Feier in der Johannette-Lein-Gasse kam Octobräu so gut an, dass die jungen Männer beschlossen, den nächsten Schritt zu gehen. Bei Koblenz fanden sie eine Brauerei, die ihr Bier in kleinen Mengen in Flaschen abfüllte. Logo und Etikett entwarfen die vier selbst.

Neues Bier aus Gießen: Mild mit leichter Zitrusnote

Heute sitzen die Jungs in einer Bar und trinken ihr selbstgebrautes Bier. Bis dahin war es aber ein langer Weg. "Wir mussten uns zunächst einmal in die Materie einlesen", erzählt Beu. Hinzu kamen bürokratische Herausforderungen. Ein Lebensmittelprodukt anzumelden, ist mit strengen Auflagen verbunden. Doch schlussendlich haben Burg, Beu, Witt und Prößler alle Hürden genommen. Sie verzichten sogar auf das Pasteurisieren, betont Beu, auch wenn ihr Bier dadurch nur ein halbes Jahr lang haltbar bleibt. "Wir wollen eben ein gutes Naturprodukt anbieten."

Das hat seinen Preis. Octobräu ist teurer als viele Mitbewerber. "Den klassischen Pilstrinker, der einen Kasten für zehn Euro kauft, werden wir sicherlich nicht erreichen können", sagt Burg. Ihre Zielgruppe seien vielmehr Menschen, die neue geschmackliche Erfahrungen machen wollten. Dabei komme ihnen zugute, dass durch den Craftbeer-Hype die Bereitschaft gestiegen sei, etwas mehr Geld für eine Flasche auszugeben.

Trotz der ersten Erfolge versteht sich das vierköpfige Team immer noch als Hobby-Brauer. Das liegt auch daran, dass sie alle feste Jobs haben und dem Bierbusiness erst nach Feierabend nachgehen können.

Ob sie Octobräu irgendwann hauptberuflich vertreiben wollen? "Momentan ist das nicht unser Ziel", sagt Beu. Nach einer kurzen Pause fügt er aber hinzu: "Allerdings hätten wir vor einem Jahr auch nicht gedacht, dass wir heute hier sitzen und unser eigenes Flaschenbier trinken."

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