Der Künstler verwendet einzelne Worte oder Silben aus dem Alltagsgebrauch. FOTO: DKL
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Der Künstler verwendet einzelne Worte oder Silben aus dem Alltagsgebrauch. FOTO: DKL

Neue Wort-Bilder auf dem Flur

  • vonDagmar Klein
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Nikolaus Koliusis will die Menschen zum "HinDenken" bringen. Im Uniklinikum erreicht er dieses Ziel mit neuen Wort-Bildern. Und dabei ist er seiner Hauptfarbe Blau treu geblieben.

Nikolaus Koliusis ist mittlerweile fast ein Hauskünstler im Uniklinikum. Dies verdankt sich der kreativen Zusammenarbeit mit der Kunstbeauftragten des Klinikums, Dr. Susanne Ließegang. Aktuell eröffnet wurde seine Ausstellung mit dem langatmigen Titel "Feedback (oder wie es in den Wald hineinruft, so tönt es auch heraus)", die entstanden ist im Nachdenken über die Kommunikation während des Corona-Lockdowns.

Spiel mit Sprache

Die Chronologie der Kunst von Koliusis am Gießener Klinikum beginnt im Sommer 1996 mit der Anbringung der Blauen Kugel vor der (damals) neuen Chirurgie mitsamt den blauen Segeln im Inneren des gläsernen Treppenhauses. Danach geschah lange Zeit nichts, außer dass eines der ebenfalls dazugehörigen blauen Wandbilder verschwand. Als Ließegang 2013 ihren Dienst als Kunstbeauftragte antrat, machte sie sich unter anderem auf die Suche nach diesem Bild. Dabei wurde deutlich, dass die Segel im Treppenhaus gereinigt werden müssten.

So begann der Kontakt mit dem in Stuttgart lebenden Koliusis, der 2017 nach Gießen kam, um die Segel zusammen mit einer Assistentin zu säubern. Dann folgte eins aufs andere. Im Januar 2018 wurde im Kapellengang die grandiose Ausstellung mit den blau dominierten Folien-Bildern eröffnet und im Jahr darauf folgte die erste Wort-Bild-Ausstellung, die einen Rückblick auf die "Kunst im Kapellengang"-Reihe warf. Diese stieß auf große Resonanz, erklärt Ließegang.

Dann wurde das "Bitte-Danke-Sagen" zu einem Kernpunkt des Weiterdenkens der beiden Kreativköpfe, schon vor Corona. Als im März der Lockdown kam, konnten sie schnell reagieren mit den beiden Wortbildern "Bitte" und "Danke", die in weißer Druckschrift auf blaue LKW-Plane gedruckt, an Transportwägelchen befestigt im Eingangsbereich des UKG standen. Mittlerweile sind diese in die Notaufnahme umgezogen.

Mit der aktuellen Installation ist das Spiel mit der Sprache um ein weiteres Segment hochgeschraubt worden. Es sind Worte, auch Silben, die aus dem Alltagsgebrauch kommen: "Guten Morgen", "MÜ-DE" oder "Langeweile". Die Reihenfolge ist wohlüberlegt, auch wenn einiges zusammenhanglos erscheint. Auch ist es von beiden Seiten des Ganges gut lesbar. Alle können ihre eigene Geschichte darum erfinden. Die Menschen mögen ihr Gehirn zum HinDenken nutzen, dafür ist es da.

Solche Irritationen sind eingebaut, auch beim Wort "Mal-Zeit", das Hungrigen auf dem Weg zum Mittagsmahl wie ein leuchtender Gruß erscheint und erst beim nächsten Mal das H vermissen lässt. Wie ein ironischer Kommentar auf die wenig hilfreichen Klinik-Info-Tafeln samt Feuermelder wirkt das "schön schon". Ließegang hat bei diesem Ensemble ein Foto der zuletzt gezeigten Röntgen-Bild-Ausstellung gelassen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Eingangs der Magistrale auf der Ebene 0 sind jetzt auch Ausdrucke der Corona-Newsletter gehängt, die jeweils mit dem "Dank des Tages" an ein Klinik-Team beginnen. Idee und Ausführung lagen in der Hand der Klinik-Pressestelle, deren Mitarbeiter auch für die Fotos sorgten. Eine neue und offenbar sehr inspirierende Erfahrung für Pressesprecher Frank Steibli.

Und das Blau? Ist die Hauptfarbe von Koliusis, denn das Himmelsblau umgibt uns Menschen auf der ganzen Welt. Und es ist die Hauptfarbe im Klinikum, was erst auffällt, wenn man die Wand- und Schildergestaltung bewusst anschaut.

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