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Neue »Unendlichkeitsmaschine« im Mathematikum

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Im Beisein von Seniorchefin Erika Balser und Enkelin Nina von der Sponsorenfirma setzt Prof. Albrecht Beutelspacher im Mathematikum die »Unendlichkeitsmaschine« in Gang.
Im Beisein von Seniorchefin Erika Balser und Enkelin Nina von der Sponsorenfirma setzt Prof. Albrecht Beutelspacher im Mathematikum die »Unendlichkeitsmaschine« in Gang. © Oliver Schepp

Gießen (ck). Eine »Unendlichkeitsmaschine« steht jetzt im Mathematikum. Sie wurde am Freitag auf die Sekunde genau um 12 Uhr mittags von Prof. Albrecht Beutelspacher in Betrieb genommen,

Eine Zeitmaschine kennen viele wohl vor allem aus der Filmtrilogie »Zurück in die Zukunft«, die seit dem Erscheinen des ersten Teils 1985 die Menschen in Massen in die Kinos lockte. Das neue Exponat im Mathematikum macht zwar äußerlich einiges weniger her als die DeLorean-Zeitmaschine des Wissenschaftlers Dr. Emmett L. »Doc« Brown aus den Filmen. Für den Mathematikum-Direktor Beutelspacher, gehört sie jedoch allein schon wegen ihrer inhaltlichen Aussagen zu »den herausragenden Exponaten« im Mitmachmuseum. Untergebracht ist das gute Stück im Foyer im Erdgeschoss, rechts neben dem eigentlichen Durchgang ins Museum. Laut Beutelspacher geht es zurück auf das Werk »Machine with Concrete« des US-Amerikaners Arthur Ganson aus dem Jahr 1992. Es habe auch einige Nachahmungen gegeben, die ihn jedoch alle nicht so zufriedengestellt hätten, wie Beutelspacher erwähnt. In dem nun entstandenen Exponat stecke »unglaublich viel gedankliche Power, die die Fantasie anstachelt«, wie der Mathematikum-Chef hervorhebt.

»Die Unendlichkeitsmaschine«, die im unteren Bereich von einer Kunststoffhaube geschützt wird, besteht aus 26 übereinander angebrachten Zahnrädern aus Stahl, die – um die Bewegung nachvollziehbar zu machen – mit gelben Ziffern von null bis neun versehen sind. Das unterste wird von einem Motor angetrieben und dreht sich zehnmal pro Minute. Es überträgt seine Bewegung auf das Zahnrad darüber, jedoch mit einer Verzögerung um den Faktor zehn, sodass sich dieses Rad nur einmal pro Minute dreht. Diese 10:1-Übersetzung setzt sich fort bis zum letzten Zahnrad, das zur Stabilisierung in Stein eingemauert ist. Um zu erleben, wie sich dieses Werkstück nur einen Millimeter dreht, muss man Beutelspacher zufolge zwei Trilliarden Jahre warten. Daran erkenne man »die Power der Multiplikation«, mit der man riesengroße Zahlen herstellen könne.

Angesichts der dazu notwendigen Geduld will sich der Mathematiker nicht auf eine Aussage festlegen, ob das Museum bis dahin noch besteht; schließlich sei der Urknall – und damit die Entstehung der Erde – erst wenige Milliarden Jahre her.

Einen Dank richtete der Museumsleiter an die Mitarbeiter der Werkstätten von Mathematikum und Physik der Universität sowie an die Gießener Firma Juwelier Balser für eine großzügige Spende, die den Bau des neuen Exponats erst ermöglicht habe.

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