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Umzug

Neue Tierklinik in Gießen: Premiere im Hightech-OP

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Nach neun Jahren Bauzeit mit Pleiten, Pech und Pannen ist die Kleintierklinik in Gießen fertig. Die ersten Patienten werden in der hochmodernen Klinik schon behandelt.

Der Hovawart will noch nichts wissen von dieser Welt. Der Hund hat seine Rücken-OP gut überstanden, jetzt erholt er sich von den Strapazen der Narkose. Sein kleiner Kollege im Zwinger nebenan ist schon wach. Er wird nach seiner Bandscheiben-Operation schon bald mit der Reha beginnen können. In der Klinik gibt es Unterwasserlaufbänder für Hunde, aber auch ein Schwimmbecken mit Gegenstromanlage für Wildvögel. Die beiden Vierbeiner im Dämmerzustand bekommen von dem Treiben um sie herum noch nicht viel mit, sie dürfen sich ausruhen.

Ganz im Gegensatz zu Prof. Dr. Sabine Tacke. "Am ersten Tag hatte ich 71 Anrufe", sagt die Fachtierärztin, die in der Klinik die Abteilung für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Perioperative Intensivmedizin leitet. Zwar wurden für den Umzug Profis engagiert, doch auch die brauchen "Insider-Wissen" und Handlungsanweisungen vor Ort. "Alle Mitarbeiter haben in den letzten Wochen super mitgezogen", freut sich Tacke. "Wir liegen jetzt gut im Zeitplan". In dem Gebäudekomplex mit rund 7500 Quadratmetern Nutzfläche auf dem Gelände der veterinärmedizinischen Fakultät in der Frankfurter Straße ist neben der Kleintierklinik auch die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische untergebracht. Der Neubau, mit dessen Planung bereits vor über 20 Jahren begonnen wurde, hat 89 Millionen Euro gekostet.

Auch wenn der Neuanfang hektisch und arbeitsreich ist - für die rund 200 Mitarbeiter bedeutet er das Ende jahrelangen Hoffens und Bangens. "Die alten Gebäuden waren in einem jämmerlichen Zustand", sagt Tacke. "Wir freuen uns jetzt riesig über die optimalen Arbeitsbedingungen". In der neuen Klinik gibt es eine Hightech-Ausstattung mit OP-Sälen, einer Intensivstation mit Überwachungsmonitoren, Notfall- und Untersuchungsräumen sowie Aufwachzimmern. Beeindruckend sind das Herzkatheterlabor und der Computertomograph sowie ein tonnenschwerer Magnet-Resonanz-Tomograph. In diesen können sogar Pferde geschoben werden. Diese werden zuvor im Nebenraum anästhesiert und dann hinüber gehievt. "Wir können mit Hilfe einer Dialyse Tieren mit akuten Nierenerkrankungen helfen und herzkranke Patienten retten, die noch vor einigen Jahren keinerlei Überlebenschancen gehabt hätten", sagt Prof. Andreas Moritz, Professor für Klinische Pathophysiologie und Leiter des Zentrallabors. Das meiste, was heute in der Humanmedizin möglich sei, sei auch in der Veterinärmedizin machbar. Tierärzte stünden hier in einer besonderen Verantwortung, denn es gehe auch um ethische Fragen. "Das oberste Ziel ist die Lebensqualität der Tiere, deshalb ist ein offener und kritischer Dialog mit den Tierhaltern notwendig".

Behandlungen rund um die Uhr

Die Kleintierklinik ist grundsätzlich für alle Tierhalter da, für Notfälle stehen die Mitarbeiter rund um die Uhr zur Verfügung. In der Regel konsultieren Tierbesitzer für die Grundversorgung ihren Haustierarzt und lassen sich für weitergehende Behandlungen in die Klinik überweisen.

Auch Forschung und Lehre spielen in der neuen Klinik eine große Rolle: Es gibt Seminarräume, die je nach Bedarf erweitert werden können, zudem profitieren die Studenten in ihrer Ausbildung von der fortschrittlichen Ausstattung und den erfahrenen Experten aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen der Veterinärmedizin.

Während draußen in den Fluren die Handwerker letzte Hand anlegen, die Mitarbeiter sich in ihren Büros einrichten oder in den Behandlungsräumen Verbandszeug und OP-Besteck sortieren, scharen sich ein halbes Dutzend angehende Tierärztinnen um einen Hund, dem eine Knie-Athroskopie bevor steht. Liebevoller umsorgt kann ein Tier nicht in die Narkose sinken.

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