Rechts und links der neuen Rathenaustraße werden sich in den kommenden Jahren die neue Unimensa, ein riesiges Seminargebäude und der Erweiterungsbau der Bibliothek gruppieren. Die Verkehrsführung ist umstritten. FOTO: SCHEPP
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Rechts und links der neuen Rathenaustraße werden sich in den kommenden Jahren die neue Unimensa, ein riesiges Seminargebäude und der Erweiterungsbau der Bibliothek gruppieren. Die Verkehrsführung ist umstritten. FOTO: SCHEPP

Stadtverkehr

Neue Rathenaustraße in Gießen bleibt umstritten

  • Burkhard Möller
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Geht es nach der rot-schwarz-grünen Stadtkoalition in Gießen, wird sich an der umstrittenen Verkehrsführung in der Rathenaustraße nichts mehr ändern. Die Uni sieht das anders.

Gießen(mö). Geht es nach der rot-schwarz-grünen Stadtkoalition, wird sich an der Verkehrsführung im ausgebauten Teil der "neuen" Rathenaustraße nichts mehr ändern. SPD, CDU und auch die Grünen lehnten am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss einen Antrag der Linksfraktion ab, den Verkehr im Bereich des künftigen Campusplatzes zu beruhigen, für eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer und für mehr Sicherheit vor allem für die Fußgänger zu sorgen. Die im Bebauungsplan "Altenfeld" fixierte Verkehrsführung mit der Bevorrechtigung für den Pkw-Verkehr sei das Ergebnis einer politischen Einigung innerhalb der Koalition. "An diesem Kompromiss halten wir fest", sagte Grünen-Fraktionschef Klaus-Dieter Grothe.

Dieser "Kompromiss" sieht laut der bereits vorgenommenen Beschilderung vor, dass bis direkt an den Campusbereich 50 gefahren werden darf, für die 75 Meter Platzbereich gilt Tempo 30, unmittelbar dahinter wieder 50. Für die Fußgänger steht eine 60 Meter lange und vier Meter breite Mittelinsel zur Verfügung, auf der sie warten sollen, bis die bevorrechtigten Autos den Bereich passiert haben.

CDU-Chef erfindet Prüfung durch RP

Damit setzte sich die Stadt über die Vorschläge aus dem Masterplan der Universität und einem vom Magistrat eingeholten Verkehrsgutachten hinweg. In beiden Papieren war der Stadt mit Hinweis auf den künftig hier sehr dichten Fußgängerverkehr eine Verkehrsberuhigung nahegelegt worden, zum Beispiel durch einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 oder durch eine gemischte Verkehrsfläche (shared space), auf der sich Pkw, Radfahrer, Fußgänger und Busse gleichberechtigt bewegen. Für die Ausbaustrecke zwischen dem Abzweig Otto-Behaghel-Straße und dem Kreisverkehr am Übergang in den Alten Steinbacher Weg regte der Masterplan der Uni Tempo 30 an.

Unklar in der Debatte blieb, wie es zu der jetzt beschilderten Verkehrsführung kam. Einerseits verwiesen die Koalitionäre auf ihren Kompromiss, dann war wieder die Rede von einer "verkehrsrechtlichen Anordnung" durch die städtische Verkehrsbehörde. CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender Klaus Peter Möller, der den Antrag des Stadtverordneten Michael Janitzki als "Unfug" bezeichnete, verwies zudem auf eine "Prüfung" durch die Obere Verkehrsbehörde des Regierungspräsidiums, die grünes Licht für die Verkehrsführung gegeben habe.

Eine solche Prüfung indes hat nie stattgefunden. Auf GAZ-Anfrage erklärte die Pressestelle des RP am Dienstag: "Das Bebauungsplanverfahren ›Altenfeld‹ ist in der Oberen Verkehrsbehörde des RP Gießen nicht bekannt. Sie wurde hier nicht um eine Stellungnahme bzw. Prüfung gebeten, wie die Verkehrsführung zu gestalten sei."

Universität sieht Gesprächsbedarf

Aus Sicht der Justus-Liebig-Universität ist das letzte Wort, was die Verkehrsführung im ausgebauten Teil der Rathenaustraße betrifft, noch nicht gesprochen. "Welche Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Rathenaustraße gelten, ist Sache der Universitätsstadt Gießen. Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass hierzu eine gemeinsame Meinungsbildung mit der JLU erfolgen wird", erklärte Pressesprecherin Lisa Dittrich.

Priorität hat diese Klärung für die Hochschule im Moment aber nicht. Eine abschließende Bewertung sei erst möglich, wenn der komplette Campusplatz mit den angrenzenden Gebäuden wie dem Erweiterungsbau der Bibliothek, dem Seminargebäude I und der Mensa fertiggestellt sei. Mit dem begradigten Straßenabschnitt der Rathenaustraße sei vorerst nur ein kleiner Teil des späteren Campusplatzes sichtbar. Dittrich: "Wir sind überzeugt davon, dass wir uns in einigen Jahren über ein geschlossenes Gesamtbild des ›Campus der Zukunft‹ freuen können."

Dass die Universität hinsichtlich der ausgeschilderten Geschwindigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt einen Gesprächsbedarf sieht, ist angesichts des zu erwartenden Verkehrsgeschehens nachvollziehbar. Eine Verkehrmengenprognose, in die die Verlegung der Mensa auf die Ostseite der Rathenaustraße einbezogen wurde, geht für die Mittagsspitze von 500 bis 600 Pkw.-Durchfahrten und 1100 Fußgängerquerungen aus. Janitzki hält die zweite Zahl noch für zu niedrig. "In der Mensa werden jeden Mittag Tausende Essen ausgegeben, und jeder, der künftig aus dem Philosophikum I zum Essen in die Mensa geht, wird die Straße in den Mittagsstunden zweimal queren", sagte er der GAZ.

Sein Antrag war im Ausschuss aber chancenlos. Neben SPD, CDU und Grünen lehnten ihn auch AfD, FDP und Freie Wähler ab.

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