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Mehr weibliche Professorinnen: Das ist eines der Ziele, das auch die beiden Gießener Hochschulen verfolgen. SYMBOLFOTO: DPA

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70 neue Professuren für Gießen

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Die technische Hochschule in Gießen erhält bis 2025 voraussichtlich 40 Professuren zusätzlich, die Justus-Liebig-Universität Gießen gut 30. Das geht aus dem neuen Hochschulpakt hervor.

Gießen (kw). Der hessische Hochschulpakt für die nächsten fünf Jahre sei der "nachweislich beste, den wir je hatten". Das sagt Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität. Matthias Willems, Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen, freut sich ebenfalls über deutlich mehr Geld und Verlässlichkeit. Die THM profitiert in besonderem Maß von der Vereinbarung (Bericht im Region-Teil). Sie erhält bis 2025 voraussichtlich 40 Professuren zusätzlich, die JLU gut 30. Derzeit hat die THM etwa 240, die JLU 400 Professuren.

In einer gemeinsamen Telefon-Pressekonferenz dankten die Gießener Hochschulleiter der Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) für ein Verhandlungsergebnis, das - so Mukherjee - "von Respekt für die Leistung der Hochschulen geprägt" sei. Dank gebühre zudem Ministerpräsident Volker Bouffier und Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU). Die Gießener betonen indes, die angestrebten Ziele seien ehrgeizig. "Wir leben auch künftig nicht im Überfluss", unterstreicht Willems.

Wie viele Mittel zusätzlich nach Gießen fließen werden, lasse sich nicht genau beziffern, weil einige Zuwendungen auf Antrag oder erfolgsabhängig gewährt werden, erläutert Dorn. Sie gehe davon aus, dass die Steigerung allein im Jahr 2021 an der JLU mindestens 13,3 Millionen Euro betragen wird, an der THM 5,33 Mio. Euro.

Die Hochschulpakt-Mittel - in denen auch Geld vom Bund enthalten ist - "machen 80 Prozent unseres Gesamtbudgets aus", erläutert Mukherjee die Bedeutung. Die festgeschriebene Erhöhung um vier Prozent jährlich gebe "Planungssicherheit für die strategischen Weichenstellungen der nächsten Jahre".

Mit Erleichterung habe die Universität das klare Bekenntnis zur Absicherung der Medizin an allen drei Standorten - darunter der Campus Kerckhoff der JLU in Bad Nauheim - sowie der wachsenden Lehrerbildung aufgenommen. Mit den neuen Professorenstellen wolle die Uni nicht nur die Betreuungsrelation substanziell verbessern, sondern auch Stärken ausbauen und zusätzliche Fächer erschließen.

In Willems’ Augen ist "die größte Errungenschaft", dass die Landesregierung die Forschung an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften weiter vorantreibt. Sie erhalten Extrageld zum Aufbau eines akademischen Mittelbaus. Die Summe dafür soll an der THM von 1,2 Millionen Euro im kommenden Jahr auf knapp 5 Mio. im Jahr 2025 steigen. Man werde jährlich zwischen sieben und zehn Wissenschaftler - etwa Doktoranden mit Lehraufgaben - einstellen können, so Willems.

Praxisnahe Forschung und Entwicklung gehörten seit Jahren zu den gesetzlichen Aufgaben dieser Hochschulen, erläutert der THM-Präsident. "Ohne eine hinreichende personelle Ausstattung haben unsere Professorinnen und Professoren in der Vergangenheit Erstaunliches auf diesem Gebiet geleistet. Sie haben in Kooperationsprojekten zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der regionalen mittelständischen Wirtschaft beigetragen." Nun erkenne die Politik dies an. Willems unterstreicht die Verantwortung, "die öffentlichen Mittel so einzusetzen, dass sie der Gesellschaft den größtmöglichen Nutzen bringen".

Laut Dorn können dazu die übergeordneten Ziele beitragen, deren Erreichung belohnt werden soll. Etwa Profilbildung, bei der die Justus-Liebig-Universität Vorreiterin sei. Oder Nachhaltigkeit, für die jede hessische Hochschule eine eigene Professur erhalten soll. Wichtig sei ihr auch Chancengleichheit. Inbesondere sollen die Hochschulen den Frauenanteil bei den Professuren weiter erhöhen.

Willems gesteht auf Nachfrage, dies sei für die THM nicht leicht. Bei ihrem technischen Fächerspektrum seien von vornherein weniger Frauen "im Rennen". Dennoch gebe es Fortschritte, und "wir strengen uns sehr an", um die Quote von derzeit zehn Prozent zu steigern.

Mukherjee weist auf die deutliche Zunahme an der JLU auf aktuell 30,5 Prozent Professorinnen hin. "Wenn man alle Instrumente bei jeder einzigen Ausschreibung nutzt, kann man einiges erreichen." Ziel müssten 50 Prozent sein.

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