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"Lokal einkaufen" ist das Motto der neuen Internetseite "heimatschatz-giessen.de". FOTO: SCHEPP

Neue Plattform soll Krise überdauern

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Vor 14 Tagen ist die neue Internetseite heimatschatz- giessen.de an den Start gegangen. Sie soll eine Plattform sein, auf der sich lokale Einzelhändler, Dienstleister oder Kulturbetriebe präsentieren können. Online-Verkäufe sollen helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Das Projekt hat aber auch für die Zeit danach Potenzial.

Streitigkeiten hinter den Kulissen in der Entwicklungsphase. Fehlende Öffentlichkeitsarbeit zum Auftakt. Und ein Name, der nicht nur bei Gewerbetreibenden auf Kritik gestoßen ist. Der Start der neuen Gießener Internetseite heimatschatz-giessen.de hätte sicherlich besser laufen können. 14 Tage später hat sich das gemeinsame Projekt der städtischen Wirtschaftsförderung, der Business Improvement Districts (BIDs), Gießen Aktiv und anderen allerdings erholt. Mehr als 56 lokale Händler, Dienstleister, Gastronome und Kulturbetriebe bieten inzwischen Gutscheine, Produkte oder Leistungen auf der gemeinsamen Plattform an.

Mode, Sport- und Freizeitaktivitäten, Geschenkartikel, Uhren, Lebensmittel oder auch Musik - die Palette ist breit und spiegelt so langsam auch die Vielfalt wider, die Kunden sonst in der Innenstadt finden. 40 neue Anbieter seien allein in den ersten drei Tagen nach der Freischaltung dazugekommen, täglich würden weitere folgen", heißt es bei der Gießener Distama GmbH, einem der beiden Entwickler des Angebots, das auch in die Gießen App integriert ist. Die bisherigen Umsatzzahlen will Pralle allerdings noch nicht nennen. Nur so viel: Mit den kolportierten 100 000 Euro, die in den ersten Tagen nach der Freischaltung eines ähnlichen Konzepts im benachbarten Marburg erwirtschaften worden sein sollen, könne man in Gießen derzeit noch nicht aufwarten. Zum Vergleich: In Marburg waren Anfang April bereits mehr als 240 Unternehmen registriert, dort war die Seite aber auch gleich wenige Tage nach der coronabedingten Schließung der Läden Mitte März online.

heimatschatz-giessen.de soll eine Anlaufstelle für Kunden sein, die zwar online, aber dennoch lokal einkaufen möchten - und heimische Geschäftsleute in Zeiten der Einschränkungen durch die Corona-Krise unterstützen wollen. Das Angebot ist für die Unternehmen in den ersten drei Monaten kostenlos, danach werde ein niedriger zweistelliger Betrag im Monat fällig. "Diese Krise ist für Handel, Dienstleister und Gastronomie eine existenzbedrohende Lage. Es war wichtig, hier zu helfen", sagt Distama-Geschäftsführer Mark Pralle.

Dennoch sei das Gießener Konzept auch auf die Zeit nach der Krise ausgelegt. "Die Seite soll mehr sein als ein Gewerbeverzeichnis", sagt Pralle. Neben der Nutzung als Visitenkarte des Unternehmens oder als Online-Shop könne er sich in Zukunft auch andere Möglichkeiten vorstellen.

Denkbar sei beispielsweise, die Plattform als "verlängertes Schaufenster" zu nutzen, indem die Kunden sonntags beim Bummeln einen QR-Code an einem Produkt scannen und es auf diese Weise bestellen oder zurücklegen lassen können. Möglich sei auch die Plattform für Terminvereinbarungen, beispielsweise bei Frisören, oder für eine Art Lieferservice auszubauen. "Ich war eigentlich immer skeptisch, was lokale Lieferdienste angeht, aber vielleicht ist genau jetzt doch die Zeit dafür", sagt Pralle. In Zeiten der eingeschränkten (Einkaufs-)Möglichkeiten würden Menschen sehr bewusst wahrnehmen, was eine Stadt biete und auch was fehlen würde, wenn die Läden verschwinden würden.

Gekommen sei der Impuls zur Umsetzung der gemeinsamen Plattform laut Darré-Chef Heinz-Jörg Ebert während einer gemeinsamen Videokonferenz unterschiedlicher Protagonisten des Handels, darunter die Vertreter der vier BIDs, Thomas Kirchhof, Andreas Walldorf, Dirk Wallbott und Ebert, Robert Balser für Gießen Aktiv, Fabiola Peininger für das Neustädter Tor und Frank Sommerlad für seine Möbelstadt sowie des neuen städtischen Wirtschaftsförderers Frank Hölscheidt. Das, was man seit Jahren versuche, ein gemeinsames Internetportal der Einzelhändler zu schaffen, sei jetzt in der Krise gelungen, freut sich Ebert.

Auch Wirtschaftsdezernent Peter Neidel ist zufrieden. "Die App ist eine gute Alternative für Menschen, die das Haus nicht verlassen wollen oder können. Für diesen Service sind Handel und Gastronomie zusammengerückt. Ich hoffe, dass dieses Angebot auch nach der Krise Händler und Gastronome zusammenschweißt."

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