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Neue Orgel brilliert bei Weihnachtskonzert

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Die Deutschen Naturhornsolisten spielen drei Airs von Georg Friedrich Händel.
Die Deutschen Naturhornsolisten spielen drei Airs von Georg Friedrich Händel. © Sascha Jouini

Bereits eine zehnjährige Tradition hat das Weihnachtskonzert in der Bonifatiuskirche, bei dem nun erstmals die neue Orgel auf der Empore zur Verfügung stand.

Die festliche Atmosphäre könne in Hörern »jene Saiten zum Schwingen bringen, die bisher verstummt waren«, merkte Wolfgang Schreier, der Vorsitzende des Fördervereins neue Orgel, gegenüber den zahlreichen Besuchern an.

Gelegenheit dazu bot gleich zu Beginn der pompöse Kopfsatz aus dem weihevollen »Concerto a due Cori« HWV 333 von Georg Friedrich Händel; aufmerken ließen die klangliche Brillanz der Orgel und die wohldosierte Schärfe der Hörner. Organist Krystian Skoczowski und die Deutschen Naturhornsolisten – Wilhelm Bruns, Stefan Berrang, Tilman Schärf und Lars Mechelke – zeigten sich in animierender Musizierlaune.

In kammermusikalisch zarte Dimensionen führte dann die Arie »Bereite dich, Zion« aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Hierbei gefiel Mezzosopranistin Sarah Mehnert mit ihrem wandlungsfähigen Timbre, Skoczowski lieferte ein warmes harmonisches Fundament. Die nuancierte Interpretation vermochte das Gemüt unmittelbar zu berühren.

Durchsetzt von virtuos-bewegten Teilen, verströmte die Arie »But who may abide« aus Händels »Messias-Oratorium« meist gleichermaßen Ruhe und Besinnlichkeit. In drei ebenfalls aus der Feder von Händel stammenden Airs beeindruckten die Naturhornsolisten mit ihrer geschmeidigen Tongebung, natürlichen Artikulation und federnden Rhythmisierung. Zum Meditieren lud die Hörer die »Fantaisie-Polonaise op. 9 Nr. 1 über polnische Weihnachtslieder« von Feliks Nowowiejski ein. Allmählich schwoll die Tonstärke der Orgel an und die Musik mündete in erhaben anmutende Höhepunkte, um dann wieder abzuebben.

Ein bezaubernder Dialog zwischen Mezzosopran und Horn, wirksam unterstützt von der Orgel, ergab sich in der Arie unbekannter Autorschaft »O Maria, Mundi Domina«. Gerade der Kontrast zwischen dem dicht strukturierten, technisch anspruchsvollen Hornpart und der beschaulichen Sopranmelodie wirkte reizvoll. Den kontemplativen Mittelpunkt des Programms markierte die Arie »Schlafe, mein Liebster« aus besagtem »Weihnachtsoratorium«.

Erfreulicherweise vermieden es Mehnert und Skoczowski zu hetzen, widmeten sich der Komposition vielmehr recht behutsam und verdienten sich herzlichen Applaus.

In Händels Concerto HWV 334 begeisterte noch einmal das lebhafte Zusammenspiel des Organisten und Hornquartetts. Das Ensemble horchte bei der Themengestaltung genau aufeinander und fing die unterschiedlichen Satzcharaktere fantasievoll ein – von entspannenden Momenten bis hin zu erquickender Fanfarenmotivik.

Zum Schluss zog die Mezzosopranistin mit ihrem glockenklaren Gesang bei dem Lied »Stille Nacht, heilige Nacht« die Besucher in Bann; in der dritten Strophe stimmten alle mit ein. Sascha Jouini

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