Die Stadt stellt zehn Langzeitarbeitslose ein. Den Lohn für sie übernimmt das Jobcenter. SYMBOLFOTO: DPA
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Die Stadt stellt zehn Langzeitarbeitslose ein. Den Lohn für sie übernimmt das Jobcenter. SYMBOLFOTO: DPA

Neuanfang mit Verfallsdatum

  • vonSebastian Schmidt
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Ein Förderprogramm für Langzeitarbeitslose verspricht den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Die Stadt beteiligt sich und hat zehn neue Stellen geschaffen. Weiterbeschäftigen muss sie die Angestellten nach dem Ende der Förderzeit aber nicht. Weitere Firmen können diese Möglichkeit noch nutzen.

Es gibt Angestellte, die den Arbeitgeber nichts kosten, obwohl sie den Tariflohn verdienen. Wer nämlich einen Langzeitarbeitslosen beschäftigt, kann einen Zuschuss auf die Lohnkosten vom Jobcenter erhalten. Und der Zuschuss des Teilhabechancengesetzes kann bis zu 100 Prozent des Gehalts betragen. Die Stadtverwaltung beschäftigt seit einem Jahr zehn Menschen mit Hilfe des Teilhabechancengesetz und zieht bei einem Pressegespräch eine erste Bilanz.

"Man ist wieder wer." Das habe einer der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihr gesagt, erzählt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Dieser Satz sei ihr unter die Haut gegangen, und sie sei froh, dass es mit der Förderung möglich sei, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben.

Stellen im Niedriglohnsektor

Stadträtin Astrid Eibelshäuser pflichtet ihr bei. Als das Teilhabechancengesetz in Kraft getreten sei, habe es in Gießen knapp 1000 Menschen gegeben, die es in Anspruch nehmen könnten, erzählt sie. "Als Stadt haben wir auch eine besondere Verantwortung", sagt Eibelshäuser. Durch das Gesetz können sie Langzeitarbeitslosen sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen geben. Das sei für die Arbeitslosen eine wirkliche Chance, sagt die Stadträtin. Den Teilnehmern des Förderprogramms steht zum Wiedereinstieg ins Berufsleben auch ein Coach zur Seite.

Eibelshäuser erklärt, dass das Förderprogramm auch Vorteile für die Stadt habe, die in vielen Bereichen Personal sucht. "Es ist nicht immer einfach, freie Stellen zu besetzen." Durch das Gesetz könne die Stadtverwaltung mehr Menschen beschäftigen und habe auch die Perspektive, ihren zukünftigen Bedarf an Fachkräften zu sichern.

Eingesetzt werden die Angestellten beim Gartenamt, als Hausmeister oder als Hauswirtschaftshilfe - hauptsächlich im Niedriglohnsektor. "Das liegt in der Natur der Sache", erklärt Wolfgang Baran vom Jobcenter Gießen. Natürlich gebe es Ausnahmen, aber in der Regel seien Langzeitarbeitslose eher gering qualifiziert. Ihre Jobs wurden zusätzlich geschaffen über den regulären Stellenplan hinaus, erläutert Volker Nachtigall vom Personalamt der Stadt. Trotzdem seien es Tätigkeiten, an denen die Stadt Bedarf habe, fügt Eibelshäuser an.

Ein Teilnehmer, John Earl Daniel, erzählt von seinem neuen Beruf im Friedhofsamt. "Die Arbeit ist locker", sagt Daniel. Von seinen Kollegen sei er freundlich aufgenommen worden. Er habe gelernt, wie weit und tief Gräber sein müssen und wie man die Bäume richtig beschneidet. Zuvor sei er sechs Jahre arbeitslos gewesen.

Länger als sechs Jahre arbeitslos zu sein, ist eine der Voraussetzungen, damit der Arbeitgeber 100 Prozent der Lohnkosten in den ersten zwei Jahren erstattet bekommt. In den Jahren danach sinkt der Zuschuss um jeweils zehn Prozent pro Jahr. Nach fünf Jahren endet die Förderung. Für Menschen, die erst zwei Jahre arbeitslos sind, gibt es den Zuschuss nur für zwei Jahre, und er beträgt im ersten Jahr 75 Prozent des Lohnes.

Förderdauer bis zu fünf Jahre

Monika Kessler, Geschäftsführerin des Jobcenters, sagt, dass sie mit ihrem Budget noch mehr Stellen dieses Jahr fördern können. "Wir hoffen, dass sich noch Arbeitgeber melden und Langzeitarbeitslosen eine Chance geben." Letztes Jahr haben sie insgesamt 90 Stellen bezuschusst. Dieses Jahr, seien die Anträge wegen Corona weniger.

Nach Ablauf der Förderzeit gibt es aber keine Verpflichtung der Arbeitgeber, die Angestellten weiter zu beschäftigen. Grabe-Bolz erklärt, dass die Stadt so eine Verpflichtung auf fünf Jahre in die Zukunft auch rechtlich nicht eingehen könne. "Aber wir haben immer wieder freie Stellen, da kann man sich ja bewerben."

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