Stadtverkehr

Neidel spricht von einem "mühsamen Weg"

  • Burkhard Möller
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CDU-Bürgermeister Peter Neidel hat die Herausforderungen im Gießener Straßenverkehr der Zukunft grob umrissen. Im neuen Jahr will er unter anderem Handyparken einführen.

Gießen (mö). Seit Oktober 2016 trägt Peter Neidel in Gießen die politische Verantwortung unter anderem für die Stadt- und Verkehrsplanung, das für den Straßenbau zuständige Tiefbauamt und die Straßenverkehrsbehörde. Vor allem auf ihn sind in den letzten Monaten viele Ideen und Forderungen eingeprasselt. Weil jeder an ihm teilnimmt, hat auch jeder zum Verkehr eine Meinung, weiß Neidel: "Zu zwei Problemen gibt es fünf Meinungen". Welche verkehrspolitische Linie der CDU-Bürgermeister und die rot-schwarz-grüne Stadtkoalition verfolgen, ist auch über drei Jahre nach der Kommunalwahl freilich noch unklar. Am Dienstagabend hat Neidel, der in zwei Jahren sehr wahrscheinlich für die CDU bei der Oberbürgermeister-Wahl antreten wird, in der Sitzung der Agenda-Gruppe "Nachhaltige Mobilität" nun seine Sicht der Dinge zum Gießener Stadtverkehr dargelegt. Und das sagt Neidel über...

...Beschwerden über zu viel Verkehr: "Viel Verkehr ist erst einmal etwas Gutes. Es ist etwas los in der Stadt". Wenn Menschen zum Arbeiten, Lernen oder Einkaufen in die Stadt kämen, sei das positiv. Den Autoverkehr abzuhalten, "das kann es nicht sein", meint Neidel. Die autofreie City hält er für unrealistisch: "Es wird immer Menschen geben, die auf das Auto angewiesen sein werden, egal, wie es betrieben wird." Es komme eben darauf an, diesen Verkehr "intelligent zu steuern". Die Innenstadt soll "lebenswerter werden und lebendig bleiben".

... Parkprobleme: Neidel kündigt eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, höhere Gebühren und Veränderungen beim Anwohnerparken an. "Wir wollen die Zonen neu fassen." Dies müsse aber noch in der Koalition abgestimmt werden. Einpendlern müssten am Stadtrand Angebote für Park-and-Ride gemacht werden. Aus der Agenda-Gruppe kam in diesem Zusammenhang die Anregung, Kurzstreckentickets in den Stadtbussen einzuführen. "2,20 Euro sind zu teuer für drei Stationen. Da fährt jeder Autofahrer weiter in die Stadt."

... Alternativen zum Auto: "Diejenigen, denen es möglich ist, auf Fahrrad oder Bus umzusteigen, müssen wir durch attraktive Angebote motivieren." Beim Radverkehr setzt Neidel auf die Sicherheit, die Ausweisung von Fahrradstraßen abseits des Anlagenrings (die GAZ berichtete) sei ein erster Schritt. Die zum Dezernat Neidel gehörende Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer arbeitet an einer Vernetzung dieser sicheren Wege, um auch ungeübten Radfahrern, Kindern und Senioren das Verkehrsmittel schmackhaft zu machen. Autofahrer zum Umstieg auf Bus oder Fahrrad zu bewegen, sei "ein mühsamer Weg", sagt der Verkehrsdezernent - und meint damit nicht zuletzt die Finanzierungsfrage. "Wir müssen auch entscheiden, wieviel uns das wert ist."

...Streitpunkte: Den Vorwurf, er blockiere die Anlage eines Radschutzstreifens in der Frankfurter Straße stadteinwärts, weist Neidel zurück. Das Tiefbauamt prüfe derzeit eine Lösung mit Begegnungsverkehr auf der stadtauswärts führenden Straßenseite. "Diesen Wunsch haben Radfahrer aus Kleinlinden geäußert, die die große Kreuzung an der Robert-Sommer-Straße nicht queren wollen", sagt Neidel. Sollte die Prüfung zu einem negativen Ergebnis führen, werde der Schutzstreifen auf der stadteinwärts führenden Fahrspur kommen.

...Neuigkeiten: Zu Beginn kommenden Jahres soll das schon länger geplante Handyparken eingeführt werden. Noch in diesem Jahr will die Stadt mit einem eigenen Angebot in den Fahrradverleih einsteigen. Der städtische Fuhrpark soll nach und nach umweltfreundlicher werden, unter anderem mit einer Kehrmaschine mit E-Antrieb. "Das bringt viel Stickoxid-Einsparung", berichtet Verkehrskoordinator Ralf Pausch. (Foto: ep)

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