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Naturnahe Themen vor Ort im Blick

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Von: Klaus-Dieter Jung

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Ministerin Priska Hinz (l.) mit den Grünen-Kandidaten Alexander Wright (2. v. l), Kerstin Gromes (4. v. l.) und Behzad Borhani (r.) sowie weiteren Teilnehmern des Rundgangs. © Klaus-Dieter Jung

Gießen-Lützellinden (rc). Etwas über 6000 Schritte zeigte der Zähler am Smartphone an, die die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis90/Die Grünen) beim politischen Spaziergang durch einen Teil der Lützellindener Gemarkung zurücklegte. Begleitet wurde sie von Kerstin Gromes, Grünen-Kandidatin für den Sessel der Landrätin, dem Gießener OB-Kandidaten Alexander Wright und Behzad Borhani, der als Vertreter der Grünen im Bundestag Politik mitgestalten will.

Dazu gesellten sich Tobias Reiners, Vorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und einige Interessierte aus Lützellinden.

Erster Halt war beim Rückhaltebecken am ehemaligen Springbach, wo auch das Thema Schwammstadt zur Sprache kam. Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung, anfallendes Regenwasser in Städten lokal aufzunehmen und zu speichern, anstatt es lediglich zu kanalisieren und abzuleiten. Dadurch sollen Überflutungen bei Starkregenereignissen vermieden, das Stadtklima verbessert und die Gesundheit von Stadtbäumen gefördert werden. Priska Hinz fragte: »Was können die Kommunen in nächster Zeit machen?« und gab auch gleich eine Antwort, auch zur Förderung des Landes. Anfang dieser Woche, kündigte sie an, unterzeichne sie eine Charta, gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden für mehr kommunalen Klimaschutz. Auch die kommunalen Unternehmen seien dabei, was sie besonders freue.

Hochwasser verhindern

Das Ministerium verfügt über große landesweite Hochwasserrisikokarten, wo die größten Risiken für Hochwasser eingezeichnet sind. »Klimprax« heißt das Programm. Damit werden für die einzelnen Kommunen Fließpfadkarten erstellt. Es wird genau berechnet, wo sich das Wasser bei Starkregenereignissen seinen Weg sucht. Die Kommunen könnten so erkennen, wo sich Schadenslagen entwickeln und im Vorfeld reagieren. Seit der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen fragten immer mehr Städte und Gemeinden nach, berichtete die Ministerin.

Eine Schwammstadt sei möglich, bekräftigte Alexander Wright. Darüber bestehe auch Einigkeit bei der Koalition in der Stadt. Bauordnungsamt und Ordnungsamt könnten hier zusammenarbeiten. Die Stadt habe dazu ein Förderprogramm aufgesetzt, Hauseigentümer würden monetär unterstützt, wenn sie ihre Dächer begrünen wollen. Derzeit gelte dies nur für die Stadtmitte, es solle auf die Stadtteile erweitert werden.

Mit Blick auf den Autohof und das Gewerbegebiet Rechtenbacher Hohl stand die Gruppe dann vor einer der größten Blühflächen in Hessen, wie Tobias Reiners erläuterte. Die Zahl der Rebhühner in der Gemarkung habe sich verdoppelt, erfuhren die Tourteilnehmer. Reimers bezeichnete es als »eine Absurdität, wenn der Bestand hoch ist, kommt das Gewerbegebiet«. Ein Landwirt bearbeitete mit seinem großen Traktor und dem Pflug dahinter eine der Flächen, die der Naturschützer als »sehr reich« bezeichnete. Der 90er Lößboden sei besonders wertvoll, »nicht nur für die Landwirtschaft«.

Land fördert Streuobstwiesen

Lediglich eine Streuobstwiese stehe im Eigentum der NABU Gruppe Lützellinden, bedauerte deren Vorsitzender Wolfgang Turba. Eines wurde klar: Für Streuobstwiesen braucht es Kümmerer und helfende Hände. Das Land fördere auch hier die Erweiterung, bekannte Priska Hinz.

Am Ende der Flurbegehung wurde es noch einmal politisch: Man brauche Mehrheiten, bekräftigte Behzad Borhani, in der Regionalversammlung und natürlich auch im Bundestag. Um zum Beispiel die Baugesetzgebung zu ändern. »Die große Gestaltung haben wir nicht«, gestand Priska Hinz ein und formulierte ihren Wunsch: »Solardeckel weg, Windkraftdeckel weg«.

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