Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz überreicht Gärtnermeister Höke die Urkunde. FOTO: SCHEPP
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Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz überreicht Gärtnermeister Höke die Urkunde. FOTO: SCHEPP

Natur, Kultur und die Menschen

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Hinter grünen Gärten, in denen Kohl und Rüben wachsen, liegt ein kleiner Hang. Auf dem Hang thront ein künstlicher Baum - gebaut aus grauen Kunststoffrohren. Im Hintergrund blökt ein Schaf. Das ist ein Eindruck aus den Hardtgärten zwischen Gießen und Heuchelheim. Dort hat die Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung (IJB) in 16 Monaten aus einer Schutthalde einen Naturerlebnisraum geschaffen. Die Gärten wurden jetzt im Rahmen des Sonderwettbewerbs "Soziale Natur - Natur für alle" als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Egal, wohin man sich in den Hardtgärten dreht: Immer gibt es etwas Neues zu entdecken. Im Vordergrund des 17 000 Quadratmeter großen Geländes stehen die Beete. Es gibt aber auch einen Bereich mit Holz und Steinen für Feuersalamander sowie einen Teegarten. Bunte Schilder erklären dort, was Frauenmantel und was Salbei ist. In den Hardtgärten soll nämlich nicht nur Essen angebaut werden. Es wird auch Wissen vermittelt.

Die Kita Westwind und der Kinderladen kommen einmal pro Woche mit einer Gruppe zu ihnen, sagt Höke. Die Kinder können die Gärten erkunden, etwas über die Natur lernen und die Schafe streicheln. Neben den Schafen gibt es auch Bienenstöcke. Hühner und zwei Zwerg-Ziegen seien bereits in Planung, erzählt IJB Geschäftsführer Rüdiger Harz-Bornwasser.

In den Sommerferien waren Kinder aus sozialen Brennpunkten in den Hardtgärten. "Es gab gebratene Holzkohle mit eigenem Honig", sagt Höke und lacht. Sie machten mit den Kindern Stockbrot, und einige ließen ihr Brot zu lange im Feuer. Die Kinder hätten sich über die Abwechslung im Corona-Sommer sehr gefreut, erzählt Höke.

Viele Mitarbeiter in den Hardtgärten werden vom Jobcenter bezahlt. Es gebe Ein-Euro-Jobber, aber auch Langzeitarbeitslose, die so eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhalten, sagt Harz-Bornwasser. Es packen aber auch Menschen in ihrer Freizeit mit an, wie der Imker-Verein oder eine Gruppe Frauen aus Heuchelheim, die eines der Beete bepflanzen. Die treffen dort dann auch auf Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Es wird miteinander gesprochen. Der soziale Aspekt ist in den Hardtgärten wichtig. "Die IJB wurde ja auch von Sozialarbeitern aus den Brennpunktvierteln der Stadt gegründet", erklärt Harz-Bornwasser.

Bühne für Theater

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz übergab die Ehren-Urkunde und lobte: "Sie bereichern mit den Hardtgärten die Stadt sehr." Das Ziel der UN-Dekade, die von 2011 bis 2020 gehe, sei der Schutz der Natur. Ein wichtiger Faktor bei dieser Aufgabe sei der soziale Zusammenhalt. Neben der Natur und dem sozialen Aspekt sollen nach Corona auch Kulturveranstaltungen auf die Hardtgärten gelockt werden. Die Bühne für Theater oder Konzerte steht bereits.

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