+
Pizzalieferung in Zeiten von Corona. FOTO: PV

"Natürlich mache ich mir Sorgen. Ich habe fünf Kinder"

  • schließen

Gießen(chh). Nein, als systemrelevant kann man den Job von Jawad Houraidi nicht bezeichnen. Der 43-Jährige arbeitet weder beim Roten Kreuz noch in einer Klinik. Dafür sorgt er dafür, dass die vielen Helfer keinen Hunger leiden. Houraidi ist Mitarbeiter der Pizza Mouse und hat momentan alle Hände voll zu tun. "Wir haben deutlich mehr Lieferungen als sonst. Die Leute trauen sich ja nicht mehr rauszugehen."

Die Corona-Pandemie verändert auch den Alltag des Pizzabäcker-Teams. Wer in den Laden in der Grünberger Straße kommt, erhält seine Bestellung durch die Tür gereicht. Danach heißt es für das Team Hände waschen und desinfizieren. "Das ist natürlich sehr aufwendig", sagt Houraidi, "aber anders geht es nicht." Bei den Auslieferungen stehe die Sicherheit ebenfalls im Fokus, die Boten würden allesamt Handschuhe und Mundschutz tragen.

Bei einigen der Kunden ist dieser Schutz besonders wichtig. Denn die Pizza Mouse beliefert zum Beispiel auch die Station Peiper im Uniklinikum. Die Schwestern, die sich fürsorglich um die an Krebs erkrankten Kinder kümmern, sollen demnächst eine Gratislieferung erhalten, betont Houraidi. Seine Chefin, die Inhaberin Henrike Schütz, wolle zudem weiteren Hilfseinrichtungen eine kostenlose Pizza zukommen lassen. "Die Leute, die uns derzeit an der Front helfen, haben das verdient."

Der 43-Jährige selbst steht derzeit ebenfalls in vorderster Reihe, einen Pizzadienst kann man schließlich nicht im Homeoffice bewältigen. Manchmal sorgt der stetige Kundenkontakt bei Houraidi aber auch für ein mulmiges Gefühl. "Klar mache ich mir Sorgen. Ich habe fünf Kinder zu Hause."

Daheim zu bleiben, kommt für den 43-Jährigen trotzdem nicht in Frage. Er will weiter dafür sorgen, dass die Gießener zu Hause eine Pizza essen können. "Bei den Mitarbeitern der Supermärkte ist es doch auch so. Es können nicht alle zu Hause bleiben, sonst geht hier alles den Bach runter", sagt Houraidi. Nach einer kurzer Pause fügt er an: "Manche müssen sich eben opfern."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare