Alexander Wright muss am Sonntagabend eine Niederlage hinnehmen
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Alexander Wright muss am Sonntagabend eine Niederlage hinnehmen.

Nach der OB-Wahl

Bürgermeister heißt das nächste Ziel: Interview mit Alexander Wright (Grüne)

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Alexander Wright geht zwar als Verlierer der Stichwahl um das Amt des Gießener Oberbürgermeisters hervor. Doch der Kandidat der Grünen hat noch lange nicht genug. Sein nächstes Ziel ist der hauptamtliche Magistrat.

Gießen – Es müssen schlimme Minuten gewesen für Alexander Wright. Die Stimmen in den letzten Wahllokalen waren noch gar nicht ausgezählt, als Frank-Tilo Becher (SPD), sein Mitbewerber um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen, das Atrium des Rathauses betrat und von seinen Anhängern gefeiert wurde. Becher hatte die Stichwahl für sich entschieden, das war in diesem Moment klar. Wright, der Kandidat der Grünen, musste sich mit der Niederlage abfinden.

Herr Wright, haben Sie in den letzten Minuten der Auszählung noch an eine Wende geglaubt - ähnlich wie bei der Wahl Ende September?

Nein. Ich wusste schon etwa 15 Wahllokale vorher, dass es nicht reichen wird. Man hat ja auch schon von Anfang an gesehen, wo vor allem die Stimmen der Klientel der CDU hingewandert sind. Es war ein zu großer Abstand, zwischenzeitlich lagen schon 2000 Stimmen zwischen uns.

Wie groß ist die Enttäuschung?

Die ist schon groß. Klar. Ich bin aber auch stolz auf das, was wir geleistet haben. Wir sind in die Stichwahl gekommen. Das haben uns anfangs auch nicht alle zugetraut. Wir haben einen richtig guten Wahlkampf gemacht. Allein in den letzten vier Wochen haben wir noch mal an 9000 Haustüren geklingelt und haben mit sehr vielen Menschen mobilisiert. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wo wir als Partei herkommen.

Bei gut 35 Prozent Wahlbeteiligung hat das Mobilisieren aber nicht gut geklappt.

Ja, das stimmt, Das muss ich auch zur Kenntnis nehmen. Die Wahlbeteiligung finde ich - ehrlich gesagt - erschreckend.

Hätten Sie Dinge anders machen sollen?

Das muss man sich noch mal genau anschauen. Was uns schon ärgert, ist, dass von meinem Gegner kaum eine Botschaft übermittelt worden ist. Das war eher inhaltsleer. Er hat mit Erfahrung und Sachverstand geworben, aber keinen konkreten Punkt gemacht. Das hätten wir vielleicht mehr kritisieren müssen. Aber ich wollte mit meiner Position punkten und nicht mit den Schwächen des Gegners. Es geht ja darum, einen Auftrag zu bekommen, wenn ich den nicht erhalte, ist es so. Das nehme ich sportlich. Mich und meine Position zu verwässern, nur um erfolgreich zu sein, das wollte ich nicht.

Haben Sie die Befürchtung, dass Ihre Themen, Klimaschutz und Verkehrswende, nun hinten runterfallen?

Die Befürchtung habe ich. Ich habe ja klargemacht, dass ich konsequenter daran gearbeitet hätte. Aber wir sind im Stadtparlament immer noch stärkste Kraft und werden versuchen, das Tempo hochzuhalten. Es wäre aber besser gewesen, wenn der Chef im Rathaus das so mittragen würde.

Wie geht es mit Ihnen nun weiter?

Ich gehe am Montag wieder in die Schule und bleibe erst mal Fraktionsvorsitzender.

Im Magistrat ist die Bürgermeisterstelle vakant. Die dürfte den Grünen zufallen?

Das ist eine Möglichkeit, ja. Wir sind die stärkste Kraft, daher sollte das so sein.

Wäre das etwas für Sie?

Ich habe ja gesagt, dass ich hauptamtlich Politik machen und Verantwortung übernehmen will. Es wäre unsinnig, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich das nicht gerne machen würde.

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