Die Stadtwerke-Vorstände Jens Schmidt (l.) und Matthias Funk (3. v. l.), Mit.Bus-Chef Mathias Carl (r.) sowie die Stadträtinnen Astrid Eibelshäuser (2. v. l.) und Gerda Weigel-Greilich (4. v. l.) freuen sich über die neuen und umweltfreundlichen Stadtbusse. FOTO: SCHEPP
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Die Stadtwerke-Vorstände Jens Schmidt (l.) und Matthias Funk (3. v. l.), Mit.Bus-Chef Mathias Carl (r.) sowie die Stadträtinnen Astrid Eibelshäuser (2. v. l.) und Gerda Weigel-Greilich (4. v. l.) freuen sich über die neuen und umweltfreundlichen Stadtbusse. FOTO: SCHEPP

GASBUSSE

Die nächste Generation

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Gießen(mö). Während in anderen Städten die Nahverkehrsbusse noch mit Dieselantrieb unterwegs sind, gehören in Gießen die gasbetriebenen Stadtbusse mit den auffälligen Dachaufbauten schon seit fast 15 Jahren zum Stadtbild. Die sechs neuen Gelenkfahrzeuge, die ab heute unterwegs sein werden, sind die zweite Generation dieser umweltfreundlichen Personentransporter, die die Stadtwerke-Tochter Mit.Bus GmbH in Dienst gestellt hat. SWG-Technikvorstand Matthias Funk sprach bei der Präsentation am Dienstag von einer "Wahnsinnseffizienz", die das Modell MAN Lion City 18 C auszeichne.

Wie Mit.Bus-Geschäftsführer Mathias Carl erläuterte, hängt diese Effizienz an einem Hybridantrieb mit Elektrokomponente, deren Start-Stopp-Funktion den Gasmotor beim Stopp an Haltestellen und vor roten Ampeln abstellt und mit elektrischer Energie, die beim Bremsen gewonnen wird, wieder startet. "Auf den 50 000 Kilometern, die der Bus pro Jahr etwa zurücklegt, spart das pro Fahrzeug fast 4,5 Tonnen Kraftstoff", sagte Carl. Durch die Motorenentwicklung seien die mit Biogas betankten Busse, die nahezu CO2-frei unterwegs seien, auch rund 1,5 Tonnen leichter als ihre Vorgänger. Die Busse fassen 141 Fahrgäste, davon können 41 sitzen.

Zudem böten die zusammen 2,6 Millionen Euro teuren Fahrzeuge auch mehr Sicherheit und Komfort. Dafür sorgten Abbiegeassistenten zur Vermeidung von Unfällen mit Radfahrern und Fußgängern, deutlich mehr Fensterfläche, Schwenkschiebetüren mit tief nach unten gezogenen Haltegriffen, mehr Haltestangen, Aufstellflächen für Rollstuhlfahrer, Corona-Schutzscheiben für die Fahrer, eine Videoüberwachung und der Anschluss an das Fahrgastzählsystem. "Damit liefern die Busse wichtige Informationen für die Verbesserung unseres Nahverkehrsangebots", erläuterte der kaufmännische SWG-Vorstand Jens Schmidt.

Für Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich ist neben der Klimaneutralität auch die Reduzierung der Luftschadstoffe - Stichwort Stickoxid - ein wichtiger Gesichtspunkt bei der weiteren Modernisierung der Stadtbusflotte. "Weniger Treibstoffverbrauch bedeutet auch weniger Stickoxid", sagte die Stadträtin und verteidigte erneut die strategische Entscheidung, mittel- bis langfristig weiter auf den Biogasantrieb zu setzen. "Es macht angesichts der ganzen Infrastruktur, die wir im Laufe der Jahre aufgebaut haben, keinen Sinn, prototypisch einen Elektrobus anzuschaffen." Die diesbezüglich große Nachfrage müsse ohnehin zunächst in den Metropolen mit problematischer Stickoxid-Belastung befriedigt werden, meinte Weigel-Greilich.

Alte Busse für Verstärkerfahrten

Mit SWG-Dezernentin Astrid Eibelshäuser ist sie sich einig, dass Umweltstandards künftig auch ein entscheidendes Kriterium bei der Vergabe von Linienkonzessionen sein müssen. "Das geht gar nicht anders", ist Stadträtin und Schuldezernentin Eibelshäuser überzeugt, für die die Anschaffung der neuen Busse auch aus einem anderen Grund wichtig ist. Die Altfahrzeuge werden nämlich nicht gleich weiterverkauft oder ausgemustert, sondern für Verstärkerfahrten im Schülerverkehr eingesetzt, um Infektionsrisiken in den Bussen zu minimieren.

Die Flotte der Mit.Bus, die den Gießener Stadtverkehr fährt, ist seit rund eineinhalb Jahren nur noch mit Biogas-Fahrzeugen unterwegs. Ein Gutachten hatte die SWG bestärkt, vorerst keinen Strategiewechsel in Richtung Elektromobilität vorzunehmen. Klimaneutral ist der Gießener Nahverkehr gleichwohl noch nicht, da auf den Regionallinien, die in Gießen verkehren, noch mit Diesel-Kraftstoff gefahren wird.

Ende Juli 2006 stellte die SWG-Nahverkehrstochter Mit.Bus die ersten fünf mit Erdgas angetriebenen Stadtbusse in Dienst. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf rund zwei Millionen Euro. Damals wurde auch die Gastankstelle auf dem Firmengelände an der Lahnstraße eingerichtet.

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