Bis zu 140 ehemals an Covid-19-Erkrankte werden als Nachsorgepatienten am UKGM. versorgt Damit ist das Krankenhaus ausgelastet.
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Bis zu 140 ehemals an Covid-19-Erkrankte werden als Nachsorgepatienten am UKGM. versorgt Damit ist das Krankenhaus ausgelastet.

Corona-Patienten

Nachsorge-Ambulanz in Gießen: Leidensdruck hoch nach Covid-19-Erkrankung

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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120 bis 140 Patienten nehmen die Covid-19-Nachsorge-Ambulanz des Gießener Uniklinikums in Anspruch. Meist gibt es für Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und mangelnden Geruchs- und Geschmackssinn keinen medizinisch belegten Grund. Klar ist aber: Es wird mit der Zeit besser.

Gießen – Sie schlafen so viel wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Wenn genesene Covid-19-Patienten in die Nachsorge-Ambulanz des Klinikums kommen, klagen fast alle über Müdigkeit und Konzentrationsschwächen, auch Wochen und Monate nach der Krankheit. »Ihre Leistungsfähigkeit ist noch nicht wiederhergestellt«, sagt der Infektiologe Dr. Ulrich Matt.

Im Laufe der Zeit werde es auf jeden Fall besser, von einer erneuten Verschlechterung sei ihm jedenfalls noch nie berichtet worden. Matt: »Man braucht Geduld und Zeit.« Die gute Nachricht: Bei den meisten Patienten werden in der Folge keine gravierenden Organschäden festgestellt. In den Untersuchungen zeigen sich Herz und Lunge nach der Genesung unauffällig, und auch die Blutwerte weisen keine Auffälligkeiten auf. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es den Patienten gut geht. »Ich sehe den Leidensdruck«, sagt Matt.

Das subjektive Empfinden sei häufig anders als die diagnostizierten Werte. Die Patienten klagten beispielsweise über Störungen des Geschmacks- und des Geruchssinns oder über Wortfindungsstörungen. Aus diesem Grund beteiligen sich weitere Fachdisziplinen an der Diagnostik: Die Neuropsychologie sowie die Mund- und Kieferchirurgie. Auswertungen zu Befragungen, bei denen es unter anderem um kognitive Einschränkungen geht, liegen bislang noch nicht vor.

Gießener Corona-Infizierte nach schwerem Verlauf in die Reha

Neben den Patienten, deren Erholungsprozess langsam, aber stetig erfolgt, gibt es die Erkrankten mit den schweren Verläufen. Hier zeigt sich ein ganz anderes Bild, schildert Matt. Insbesondere die Genesenen, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen waren, haben massive Probleme bis hin zu irreparablen Lungenschädigungen. Patienten, die längere Zeit in der Klinik waren, gehen in der Regel direkt im Anschluss in ein Rehabilitationszentrum, beispielsweise nach Heidelberg. Rehabilitationen bietet das UKGM selbst nicht an. Vor Kurzem hatte die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation auf Versorgungslücken in der Nachsorge von Covid-19-Patienten hingewiesen.

Nachsorge-Ambulanzen gibt es längst nicht in jedem Krankenhaus. Aufgrund der großen Zahl an Patienten nimmt die hiesige Ambulanz derzeit ausschließlich Patienten an, die zuvor stationär im UKGM behandelt worden sind. Sie kommen in jeweils dreimonatigen Abständen zur Kontrolle. Die Untersuchungsergebnisse gehen im Anschluss auch in Studien ein. Da das UKGM mit 120 bis 140 Nachsorgepatienten ausgelastet ist, werden weiter Interessenten an andere Kliniken oder an die niedergelassenen Ärzte verwiesen.

Ehemals Covid-Kranke: Noch keine Selbsthilfegruppen in Gießen

Einen organisierten Austausch von Patienten untereinander gibt es bisher noch nicht, zumindest ist in der Klinik darüber nichts bekannt. In Wetzlar hat vor Kurzem eine selbst betroffene Ärztin eine Reha-Sportgruppe ins Leben gerufen. Die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen hat bisher noch keine Anfragen. »Wenn der Bedarf besteht, vermitteln wir gerne Kontaktdaten von Interessenten«, sagt Florian Czieschinski, der Leiter der Stelle in der Friedrichstraße. Neben einem Erfahrungsaustausch sind es häufig auch praktische Tipps, die in Selbsthilfegruppen weitergereicht werden.

Die Covid-19-Nachsorge-Ambulanz, in der Infektiologe Ulrich Matt als Oberarzt tätig ist, ist eine Abteilung des Zentrums für Infektiologie der Klinik 2 des UKGM (Leitung: Prof. Susanne Herold). Die Infektiologie versorgt Patienten auf der Normalstation und in der Ambulanz Post-Covid-19. Die Pneumologen und Anästhesisten betreuen die Patienten der Intensivstationen. - Ansprechpartner der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen ist Florian Czieschinski. Tel. 06 41 / 98 54 56 12, E-Mail: info@selbsthilfekontaktstelle-giessen.de.

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