Die Nachfrage nach elektrischen Zigaretten steigt an

Gießen(jri), In Gießen ist – wie in ganz Deutschland auch – eine steigende Nachfrage nach den umstrittenen "E-Zigaretten" zu beobachten, wie eine Umfrage dieser Zeitung bei mehreren Gießener Tabakgeschäften ergab. Allerdigns gibt es einen Lieferungsengpass.

Wolfgang Wagner ärgert sich. Er muss derzeit einige Kunden wieder wegschicken, weil er keine Ware vorrätig hat. "Es ist eine blöde Situation, wenn man verkaufen könnte, aber nichts im Regal steht", sagt der 69-jährige Inhaber von "Tabak Wagner" in der Katharinengasse. Zwar hat er ausreichend herkömmliche Zigaretten und auch Tabak im Angebot, doch er wartet schon seit drei Wochen auf eine Lieferung von "Liquids". Das sind nachfüllbare, meist aromatisierte Flüssigkeiten, die in elektrischen Zigaretten verdampft werden.

"Allein bei mir im Geschäft fragen vier bis fünf Kunden am Tag danach", sagt Wagner. Auch Klaus Zaar, Inhaber der "Tabakbörse" in der Galeria Kaufhof, bestätigt ein reges Interesse an den neuen Hightech-Zigaretten, bei denen kein Tabak verbrannt und kein Teer aufgenommen, sondern eine in der Regel nikotinhaltige Flüssigkeit elektrisch verdampft und inhaliert wird. "Ich verkaufe pro Woche etwa fünf Startersets, also elektrische Zigaretten mit Akku, und etwa 20 kleine Flaschen Liquids", sagt Zaar. Zehn Milliliter Liquid kosten etwa sieben Euro und entsprechen einer Menge von acht bis zehn Schachteln herkömmlicher Zigaretten.

Das Starterset ist für rund 50 Euro zu haben. Klaus Zaar hatte ebenfalls "große Probleme, Nachschub zu bekommen", mittlerweile hat er jedoch den Lieferanten gewechselt und ist nun wieder im wahrsten Sinne des Wortes "flüssig". Die Liquids gibt es in über 100 Geschmacksrichtungen – von Pfefferminz über Vanille und Kirsche bis Cappuccino und Tiramisu – sowie in unterschiedlichen Nikotinstärken und sogar nikotinfrei.

Bei Tabak Moeser in der Plockstraße waren Liquids im Dezember ausverkauft, jetzt ist wieder neue Ware da. "Die Nachfrage steigt", weiß Verkäuferin Dagmar Demirtzoglu. Über "Versorgungs-Engpässe" berichtet auch Ilona Krautwurst, Mitarbeiterin bei Tabak-Wolsdorff in der Plockstraße. Sie verfüge derzeit nur noch deshalb über Ware, weil sie in 140 anderen deutschen Wolsdorff-Filialen Überbestände anfordern und nach Gießen schicken lassen könne.

Nicht alle Händler haben jedoch elektrische Zigaretten und das entsprechende Zubehör im Angebot. So verzichtet das Unternehmen Asteroth-Tabakwaren am Marktplatz auf den Verkauf, weil "die Liquids gesundheitlich umstritten sind und zu viele Zusatzstoffe wie etwa Frostschutzmittel enthalten", erklärt Verkäufer Jens Heppner. Der Presse- und Tabakshop im Karstadt-Warenhaus hat "aus Platzgründen" keine E-Zigaretten im Sortiment, denn die vorhandene Verkaufsfläche sei zu klein.

Tatsächlich sind die Hightech-Glimmstängel bei Ärzten und auch bei Rauchern umstritten. "Ich weiß nicht, wie schädlich die sind", sagt Raucher Steffen Hindenberg (50) aus Kleinlinden, für den die E-Zigaretten keine Alternative zur herkömmlichen "Fluppe"sind. Zwar fallen Schadstoffe wie Teer weg, was die Krebsgefahr mindert und den Rauchgeruch in Wohnungen reduziert. Andererseits warnen Lungenfachärzte vor Schädigungen der Atemwege, denn der Dampf der E-Zigaretten bestehe zu 90 Prozent aus Propylenglykol, das als Frostschutzmittel dient.

Langzeitstudien über die Risiken gibt es noch keine, doch eine Untersuchung mit 30 Liquid-Rauchern habe gezeigt, dass schon nach fünf Inhalier-Minuten häufig die Atemwege eingeengt waren, wie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie erklärt. Zudem bleibe Nikotin ein Nervengift, auch wenn es ohne Teer konsumiert werde und mit Erdbeer- oder Vanillegeschmack versetzt sei.

"Nichts für passionierte Raucher"

Der Gießener Wolfgang Wagner, der seit über 50 Jahren im Tabakgeschäft arbeitet, rechnet damit, dass der Boom aber bald wieder abebben wird. "Viele Kunden sind nur neugierig und wollen es ausprobieren, dann legen sie die E-Zigarette wieder weg", sagt er. "Für richtig passionierte Raucher ist die E-Zigarette ohnehin nichts, da sie den typischen Geruch vermissen und nicht auf einem Plastikmundstück herumlutschen wollen." Das Rauchverbot in Gaststätten und an öffentlichen Plätzen umgehen kann man mit den neuen Zigaretten ebenfalls nicht: Das Hessische Nichtraucherschutzgesetz gilt auch für elektrische Zigaretten, selbst wenn die verdampfte Flüssigkeit nikotinfrei ist.

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