Auch eine musikalische Umrahmung gehört zur Trauerfeier. FOTO: IGE
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Auch eine musikalische Umrahmung gehört zur Trauerfeier. FOTO: IGE

Nach dem Tod für die Wissenschaft

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Gießen(ige). Angehörige, Freunde, Bekannte und Medizinstudenten haben sich am Freitag in der Kapelle des Neuen Friedhofs getroffen, um Körperspender des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität (JLU) zu bestatten. Standen in den Jahren zuvor vor der proppenvollen Kapelle ehrfürchtig all die Medizinstudenten, die in den vergangenen zwei Semestern den menschlichen Körper durch das Sezieren kennengelernt hatten, so war es diesmal Corona-bedingt nur in stark eingeschränkter Anzahl möglich. Selbst in der Kapelle blieben während der Trauerfeier etliche Einzelplätze der Angehörigen unbesetzt.

Pfarrerin Gabriele Dietzel begrüßte die Trauergemeinde. "Was wir auch immer für Vorstellungen von Gott haben, in seinem Namen sind wir heute hier versammelt." Sie verlas den Psalm 121, in dem es unter anderem heißt: "Der Herr behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit."

Pater George Chittilappilly behandelte in seiner Ansprache das Abschiednehmen: "Wenn ein geliebter Mensch stirbt, spüren wir, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war." Die Welt drehe sich weiter. Auch das Leben gehe weiter. Doch wir trügen das Andenken an den Verstorbenen in uns. "Heute ist der letzte Tag des Abschieds. Heute können die Angehörigen ihren Verstorbenen Raum in ihrem Herzen geben."

Für ihre Bereitwilligkeit, noch nach ihrem Tode der Wissenschaft zu dienen, dankte Prof. Andreas Meinhardt vom Institut für Anatomie und Zellbiologie posthum den Körperspendern. "Erst dadurch wird unser Wissen dreidimensional, vor allem für unsere Chirurgen." Bei den Studenten sei bei dem eindringlichen Beschäftigen mit den Toten eine innere Verbindung zu ihnen entstanden, die sie bewege. "Auch gegenüber den Angehörigen gilt unsere tiefe Dankbarkeit." Meinhardt erinnerte daran, dass normalerweise die Studierenden zu Hunderten bei der Trauerfeier für Körperspender anwesend sind.

Medizinstudent Béla Stewen sprach im Namen seiner Kommilitonen. Er drückte den Körperspendern Dankbarkeit und Wertschätzung aus. Ihre Bereitschaft sei ihnen in den letzten beiden Jahren ihres Studiums sehr hilfreich gewesen. Es führe auch immer wieder vor Augen, dass "wir nur gemeinsam unseren Weg erfolgreich gestalten können."

Die Fürbitten hielten Lukas Heide, Daniel Luxi, Johannes Köcher und Miriam Albrecht. Die musikalische Begleitung durch den Chor der Studierenden war wegen Corona nicht möglich. Dafür trugen Sophie Haun (Flöte und Klavier), Franziska Kissel (Klavier), Jana Kuegler (Violine), Marie Kathöfer (Viola), Anne Hebecker (Cello und Blockflöte) sowie Tim Rademacher (Trompete) mehrere Musikstücke vor.

Nach der Namensnennung der Körperspender marschierte die Trauergemeinde zum Urnenfeld auf dem Friedhof, wo nach der Einsegnung die Urnen beigesetzt wurden.

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