+
Nach einer Trennung kann schnell ein Streit entbrennen, wer in der gemeinsamen Wohnung bleiben darf. Foto: panthermedia/Antonio Guillen Fernández

Wohnen

Nach Trennung: Wer muss ausziehen?

  • schließen

Zieht ein Paar zusammen, denkt es in der Regel nicht an eine Trennung - und daran, wer danach in der Wohnung bleiben darf. Dabei ist diese Frage in Zeiten knappen Wohnraums wichtig.

Als Alex und Jasmin vor einem Jahr zusammenzogen, dachten sie nicht ans Schlussmachen. Warum auch? Das hieße ja, mit offenen Augen und wehenden Fahnen ins Verderben zu rennen. Im Gegenteil: Die sanierte, 67 Quadratmeter große Altbauwohnung in begehrter Lage in Gießen sollte der nächste Schritt im gemeinsamen Leben des Paares sein. Das war vor einem Jahr. Dann kam die Trennung. Und Alex sagt, wäre seine Vermieterin nicht so kulant gewesen, "hätte alles in Chaos und Verzweiflung geendet". Denn gerade in Zeiten von knapper werdendem Wohnraum kann es nach einer Trennung zu einem erbitterten Kampf um die Wohnung kommen. Da helfe es nicht, dass aufseiten von Vermietern und Mietern nicht selten Unwissenheit über Rechte und Pflichten herrsche, sagt Andrea-Barbara Walker, Geschäftsführerin von Haus und Grund in Gießen, der Interessenvertretung der Haus- und Grundeigentümer.

Es gibt unterschiedliche Konstellationen, wer nach einer Trennung in der ehemals gemeinsamen Wohnung bleiben darf. Die einfachste Lösung, sagt Walker, sei eine einvernehmliche Einigung zwischen beiden Mietern und Vermieter. "Dann geht alles, auch kurzfristig und ungeachtet der dreimonatigen Kündigungsfrist."

Alex und Jasmin hatten den Mietvertrag gemeinsam unterzeichnet - ganz bewusst. "Es stand gar nicht zur Debatte, dass nur einer von uns unterschreibt", erzählt der 31 Jahre alte Softwareentwickler. "Auch als Absicherung, dass beide ein Zuhause haben und nicht von dem anderen abhängig sind." Denn Mieterschutzvereine wie zum Beispiel der in Berlin weisen auf die zahlreichen Fallstricke hin, wenn nur ein Partner den Mietvertrag unterschrieben hat. Sind beide nicht verheiratet, kann der Mieter von seinem ehemaligen Lebensgefährten verlangen, auszuziehen; ein Kündigungsschutz besteht für ihn nicht. Kündigt derjenige, der unterschrieben hat, muss auch dessen Partner ausziehen. Weigert sich dieser, betont Walker, kann der Vermieter Räumungsklage einreichen.

Anders sieht das bei Verheirateten oder Paaren mit eingetragener Lebenspartnerschaft aus. Dann kann der Partner, der den Mietvertrag nicht unterzeichnet hat, verlangen, dass ihm der andere die Wohnung überlässt - zum Beispiel, um Kinder in ihrem gewohnten Umfeld zu belassen, sagt Maximilian Schmidt von Haus und Grund. Notfalls wird die Frage, wer die Wohnung nutzen darf, vor dem Familiengericht geklärt. Ein Aufhebungsvertrag wird nötig, wenn der Partner die Wohnung behalten will, der den Mietvertrag nicht unterschrieben hat, erklärt Schmidt. Der Vermieter lässt den Mieter diesen unterzeichnen, um anschließend einen neuen Mietvertrag mit dem anderen Partner zu schließen. Wenn beide Partner das Dokument unterschreiben, sagt Walker, haften beide auch als Gesamtschuldner. "Die Sicherheit für den Vermieter, seine Miete zu erhalten, ist höher." Manche Mieter glaubten aber, mit einem Auszug Fakten schaffen zu können. "Sie kennen dann aber nicht den juristischen Hintergrund." Denn haftbar bleiben sie, solange nicht beide Partner den Mietvertrag gekündigt hätten.

Offen miteinander reden

Im Fall von Alex und Jasmin war bald klar, dass der 31-Jährige in der Wohnung bleiben wird. Er arbeitet in der Nähe von Gießen, sie in Frankfurt. Nur: Dem müsse der Vermieter zustimmen, betont Walker. Macht er dies nicht, könne er auf die Kündigung beider nicht verheirateter Partner bestehen. "Wir empfehlen aber, den Pärchen in solchen Fragen entgegenzukommen." Das bedeutet, dass die beiden Mieter und der Vermieter eine Vereinbarung zur Mietentlassung abschließen können. Die entlässt einen der Partner aus dem gemeinsamen Vertrag und regelt, dass der andere als alleiniger Mieter verbleibt.

Walker und Schmidt von Haus und Grund betonen, dass es bei Trennungen in Gießen in der Regel zu einvernehmlichen Lösungen kommt. "Die Menschen können miteinander reden, und das ist das A und O", sagt die Geschäftsführerin. "Je offener, ehrlicher und transparenter man miteinander umgeht, desto leichter findet man eine Lösung, mit der alle leben können." Auch Alex sieht das so: "Das Einverständnis aller beteiligter Parteien ist die einzige Möglichkeit, um aus so einer unangenehmen Situation sauber rauszukommen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare