Massenschlägerei

Nach Massenschlägerei an der Lahn machen Anwohner mobil

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Nach einer Massenschlägerei unter Asylbewerbern am Mittwochabend auf dem Platz im Mühlengarten an der Lahn ist die Geduld der Anwohner erschöpft. "Das Maß ist voll", sagt eine Augenzeugin.

Die Sonne scheint, auf den Bänken und dem Rasen im Mühlengarten an der Lahn haben sich am Donnerstagnachmittag die ersten Grüppchen niedergelassen. Ein Frühsommer-Idyll. "So war das gestern Abend auch, aber dann ging es los, wie aus dem Nichts", erzählt eine der Bedienungen des Café Lahnflair. Ein Video, das von einem Zeugen aufgenommen wurde, zeigt Männer, die über den Rasen rennen, sich unter lautem Geschrei gegenseitig stoßen und schlagen, zu hören ist das Geräusch von splitterndem Glas.

"Die alten Leuten mit ihren Rollatoren und Frauen mit Kinderwagen sind von dem Platz regelrecht geflüchtet", erzählt eine Anwohnerin, die die Massenschlägerei von ihrem Balkon aus beobachtet hat. Sie und andere Zeugen greifen zu den Handys und rufen die Polizei, auch der Rettungsdienst wird alarmiert, weil einem der an den Auseinandersetzungen Beteiligten das Blut aus einer klaffenden Wunde am Hals schießt.

Zwei Gruppen geraten aneinander

Polizeisprecher Jörg Reinemer bestätigt diese Schilderungen. Mit mehreren Streifenwagen sei die Polizei gegen 19.20 Uhr angerückt. Zeugen hätten mitgeteilt, dass es zu einer Schlägerei zwischen etwa 20 Personen an den Lahnwiesen komme. Als die Polizei eintraf, hätten sich etliche der Beteiligten aus dem Staub gemacht. Durch Befragungen sei herausgekommen, dass es wohl zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen sei. Dabei soll ein 29–Jähriger Asylbewerber aus Marokko mit einer abgeschlagenen Flasche zwei Personen, einen 29–jährigen Asylbewerber aus Äthiopien und einen 17–jährigen Asylbewerber aus Syrien, verletzt haben. Der festgenommene Marokkaner stand offenbar erheblich unter Alkoholeinfluss. "Das Alkoholtestgerät zeigte einen Wert von 1,8 Promille an", erklärt Reinemer. Hinweise zu dem Hergang der Schlägerei nimmt die Polizei unter der Nummer 0641/7006 3755 entgegen.

Den haben sie gestern mitgenommen, jetzt ist er schon wieder hier. Das verstehe ich nicht

Lahnflair-Bedienung

Ein am Arm verletzter Mann, der einen Verband trägt, sitzt am Donnerstag wieder auf einer der Bänke. Auch einen anderen Mann, der an der Schlägerei beteiligt gewesen sei, erkennt eine der Bedienungen des Lahnflair wieder. "Den haben sie gestern mitgenommen, jetzt ist er schon wieder hier. Das verstehe ich nicht", sagt die junge Frau.

Auch Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenzentrums Vitanas waren Zeugen des Polizeieinsatzes. "Für die, die von drinnen zugeschaut haben, war das natürlich spannend, wie ein Krimi", berichtet eine Abteilungsleiterin. Gleichwohl sei die Situation auf dem Platz "unhaltbar"; viele Bewohner fühlten sich unsicher oder mieden den Mühlengarten mittlerweile.

Gespräch mit Bürgermeister

Eine Anwohnerin will nach dem Ereignis vom Mittwoch die Interessen der Nachbarn bündeln. Ein Termin bei Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Neidel, der noch im Urlaub ist, sei für nächste Woche zugesagt. Die Schlägerei stelle gewiss eine Eskalation dar, aber auch ansonsten sei der Bereich ein "angstbesetzter Raum", sagt sie. Daran ändere auch die Präsenz der Polizei nichts. Dabei sei der Mühlengarten "eigentlich ein sehr schöner Platz". Auch die Frauen, die im Café Lahnflair arbeiten, bestätigen, dass die Stimmung oft "merkwürdig angespannt" sei und sie mulmige Gefühle beschlichen, wenn sie nach Feierabend in der Dunkelheit den Heimweg antreten.

Dass der für die Landesgartenschau 2014 gestaltete Mühlengarten mittlerweile ein Drogenumschlagplatz ist, ist schon länger bekannt. Im Rahmen der "Operation Sicheres Gießen" fährt die Polizei deshalb auch viele Einsätze in dem Bereich. "Wir sind dort fast jeden Tag", sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer.

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