Nach 60 Jahren: Ehemalige Maschinenbau-Studenten zu Gast an der THM

Gießen (dag). "Wer hat in Strömungslehre damals aufgepasst?", fragt Prof. Busweiler die Ex-Maschinenbau-Studenten und zeigt auf den schwebenden Ballon. Die Herren, die 1951 das Maschinenbau-Studium an der Ingenieurschule aufgenommen hatten und zum 60-jährigen Jubiläum ihren alten Lernort besuchen, schauen sich an.

"Das wird nicht getragen, sondern hochgezogen", sagt dann einer. Der Professor für Klimatechnik nickt und weist darauf hin, dass die Hauptströmung an dem Ball vorbeifließt, sobald der Ballon zur Seite ausweicht. "Durch den so entstandenen Unterdruck wird der Ball stabilisiert", so Busweiler.

Die Senioren, die mittlerweile alle über 80 Jahre alt sind, hören bei ihrem Besuch an der Technischen Hochschule Mittelhessen gespannt zu. "Kinder, was haben Sie schönes Spielzeug hier", freut sich einer von ihnen und erinnert damit alle daran, dass die Ausstattung früher viel dürftiger gewesen ist. "Die Labore hier sind beeindruckend", findet auch der Gießener Gerhard Luft, der mit seinen 89 Jahren das älteste Mitglied der Gruppe ist, "früher hatten wir ja nur kleine Räumchen und Keller im Zeughaus, in denen wir gebastelt haben."

Sowieso habe sich vieles verändert, betonen die Ehemaligen, die teilweise – so wie der 80-jährige Klaus Vetter – seit ihrem Abschluss 1953 nicht mehr an der Hochschule gewesen sind. "Bei uns gab es damals keine Zettel, Skripte oder so etwas, sondern da musste man alles selbst mitschreiben", berichtet Bernhard Dege, der zunächst eine Lehre als Feinmechaniker absolviert hatte. Das Studium sei damals auch viel schulischer gewesen, fügt sein Nachbar hinzu, "wir sind nämlich noch im Klassenverband unterrichtet worden."

Wie anders sich die Situation heute dagegen darstellt, zeigt die Koordinatorin für Alumniarbeit, Anke Roos, in ihrer Präsentation "Früher versus Heute". Besonders beeindruckend ist der Vergleich der Lehrsituation. So sieht man auf einem Schwarz-Weiß-Bild ein kleines Klassenzimmer mit einigen Tischen, Stühlen und einer Tafel. Hierin wurden früher die Vorlesungen gehalten. Dass die Situation heute gänzlich anders ist, macht ein Bild deutlich, auf dem ein riesiger Lehrsaal mit vielen hintereinander aufgereihten Bankreihen abgebildet ist.

Doch auch der Maschinenbau hat sich im Laufe der 60 Jahre verändert. Er ist internationaler geworden. Außerdem haben die Ehemaligen selbst miterlebt, wie viele Konzepte, die zu Beginn ihres Arbeitslebens noch eine Neuerung darstellten, heute schon wieder überholt sind. "Es ist ja auch schon eine ganze Zeit her, dass Sie hier Ihren Abschluss gemacht haben", betonte der Vizepräsident der THM, Prof. Axel Schumann, gestern im Rahmen einer offiziellen Feierstunde, bei der jeder aus der Gruppe eine Tasse der Technischen Hochschule Mittelhessen mit einem Schlüsselband und einem Stift geschenkt bekam.

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