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Hans Dieter Leidner und Anna Maria Leidner betreiben das Eis-Café San Marco seit 44 Jahren.

Aus Altersgründen

Nach 44 Jahren: Abschied vom Gießener Eiscafé San Marco

Hans Dieter und Anna Maria Leidner geben ihr Eiscafé in der Grünberger Straße auf. Die gute Nachricht: Der Straßenverkauf läuft weiter.

Gießen (seg). Das Eiscafé San Marco in der Grünberger Straße 35 ist vielleicht nicht so hip und cool wie so manche Eisdiele in der Innenstadt, aber für viele Gießener trotzdem ein echter Geheimtipp. Doch die Betreiber Hans Dieter und Anna Maria Leidner hören jetzt auf - nach 44 Jahren.

"Das sind doch nur Modetrends", sagt der Inhaber zu den Eissorten seiner jungen Konkurrenten, vor denen die Menschen Schlange stehen. Er habe diese Phasen schon oft kommen und wieder gehen sehen und früher auch selbst mitgemacht. Da habe es bei ihnen auch Sorten wie Bier, Safran oder Rosmarin gegeben. Aber das Interesse daran flache nach einer Zeit wieder ab. Was die Menschen immer wollen, sind die klassischen Sorten wie Schokolade oder Erdbeere und Spezialitäten wie Spaghetti-Eis und Banana-Split, sagt er.

Er und seine Frau werden im Laufe des Jahres aber zum letzten Mal Eis zubereiten - die Entscheidung ist gefallen. Die Corona-Krise habe vielleicht den Ausschlag dazu gegeben, aber das Alter war entscheidend. Leidner: "Ich bin mittlerweile 72 Jahre alt, da ist einfach mal Schluss."

Angefangen hatte das Geschäft mit dem Eis für seine Frau schon 1966. Sie kam damals aus Italien nach Gießen, um Deutsch zu lernen und arbeitete in einer der vier Eisdielen Venezia, die Bruno Zanetti zu der Zeit in der Stadt betrieben hat. Drei Jahre später heiratete sie Hans Dieter Leidner, und zusammen eröffneten sie 1976 ihre eigene Eisdiele.

"Das Geschäft hat sich seit damals stark verändert", blickt der Eisverkäufer zurück. In den 80 er Jahren seien die jungen Menschen abends noch in Milchbars und Eisdielen ausgegangen oder hätten dort ihr erstes Rendezvous gehabt. "Heute gehen sie abends lieber in die Kneipen der Ludwigstraße", sagt er. Dieser Wandel habe auch Auswirkungen auf sie gehabt. "Wir hatten damals regelmäßig bis 23 Uhr geöffnet, weil so viele Kunden da waren." Heute lohne sich das nicht mehr.

Neben den Eissorten-Trends und der Ausgeh-Gewohnheit der Kunden gibt es noch eine andere Veränderung, die Leidner im Laufe der Jahre aufgefallen ist. Er findet, dass die Motivation des Personals eine andere ist. Er erklärt: "Wenn ich heute einen Studenten einstelle, dann muss ich bei gutem Wetter damit rechnen, dass er nicht kommt." Er habe sich früher mehr auf die Hilfskräfte verlassen können. Das sei für sie über die Jahre zu einem echten Problem geworden. Aber darüber muss er sich zunächst keine Sorgen mehr machen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen machen sie nur Straßenverkauf. "Das schaffen wir fast alleine", sagt er. Ihre Stammkundschaft müsse sich aber auch keine Sorgen machen, wenn sie aufhören, ergänzt er. Die Eisdiele soll weiterlaufen wie bisher. Auch die Eisrezepte der Leidners könne der neue Inhaber haben. Er und seine Frau werden sich aber nicht ganz zur Ruhe setzen. Der Inhaber sagt: "Unser Sohn betreibt mit dem Heyligenstaedt ja auch Gastronomie, da werden wir natürlich aushelfen."

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