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Vitos Klinik

Nach Foltervorwürfen: Vitos Klinik stellt Strafanzeige

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Mit einer Strafanzeige hat die Vitos Klinik auf eine Flugblatt-Aktion in Gießen reagiert. Die Vorwürfe der anonymen Psychiatrie-Kritiker gegen Mitarbeiter der Forensik wiegen schwer.

Wer an den Osterfeiertagen an der Licher Straße im Bereich der Vitos Klinik unterwegs war, dem werden die handgeschriebenen Zettel vielleicht aufgefallen sein. Etwa ein Dutzend der Pamphlete, die in Buswartehäuschen, am Bahnhaltepunkt Licher Straße oder auf Ampelmasten geklebt waren, zählte ein Redakteur der GAZ. Da war unter anderem von "Quälerei" und "ritueller Folter" durch namentlich genannte Mitarbeiter der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina die Rede.

Betreuungsgericht und Klinik bildeten eine "kriminelle Vereinigung", Strafanzeigen würden nicht verfolgt, hieß es weiter. Mittlerweile sind die Zettel zwar verschwunden, aber die Klinik hat trotzdem Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, wie Vitos-Sprecher Rouven Raatz am Mittwoch auf GAZ-Anfrage mitteilte.

Sozialministerium informiert

Wie Raatz erklärte, sei ähnliche Plakate auch auf dem Campus der Klinik in der Licher Straße, im Gießener Stadtgebiet und im Umland aufgetaucht. "Die Klinik hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Plakatierungen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) als zuständige Fachaufsicht informiert", erklärte Raatz.

Gleichlautende Behauptungen seien in jüngster Zeit über diverse Kanäle in Umlauf gebracht worden, unter anderem auf Internetblogs, deren Herausgeber die Abschaffung des Maßregelvollzugs forderten. Erhoben würden die Vorwürfe ebenso auf Social Media-Profilen. Raatz: "Auch gegen diese Veröffentlichungen ist die Klinik juristisch vorgegangen und hat Strafanzeigen erstattet."

Die Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina ist die größte Maßregelvollzugseinrichtung in Hessen. Aktuell werden an den Standorten Haina und Gießen rund 375 Patienten therapiert. Dabei handelt es sich um erwachsene Straftäter, die aufgrund einer psychischen Erkrankung von Gerichten nicht zu einer Haftstrafe in einer Justizvollzugsanstalt verurteilt, sondern in einer Klinik für forensische Psychiatrie untergebracht wurden. Kernauftrag der Klinik sei neben der Sicherung die Besserung, also die Behandlung der Rechtsbrecher, betont Raatz.

Sprecher: Klinik schützt Patientenrechte

Vitos stehe in einem stetigen Austausch mit dem Landesverband Psychiatrie-Erfahrene Hessen e.V. und dem Landesverband Hessen der Angehörigenpsychisch Kranker e.V.. In regelmäßigen Abständen informiere sich die vom Sozialministerium eingesetzte Besuchskommission bei Besichtigungen über die forensische Psychiatrie. Dabei habe jeder Patient die Gelegenheit, mit Kommissionsmitgliedern zu sprechen. "Außerdem kann die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter jederzeit unangemeldet Einblick in Orte der Freiheitsentziehung nehmen, um Missstände aufzudecken und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten", erläuterte der Vitos-Sprecher. Die auf den Flugblättern erhobenen Vorwürfe seien jedenfalls "nachweislich falsch". Raatz: "Vitos achtet und schützt die Rechte seiner Patienten."

Die Kleinplakate, die entlang der Licher Straße hingen, waren anonym, auf einem gab es den Hinweis auf die Internetseite der Saasener Projektwerkstatt, dort erhalte man aufklärende Informationen zu dem Thema. Unter den Überschriften "Psychiatrie in Hessen: Täuschung, Zwang, Fixierung, Rechtsbrüche" sowie "Vitos-Klinik und Fälle in Gießen" wird sich auf der Homepage vor allem mit der forensischen Psychiatrie kritisch auseinandergesetzt. Vor einigen Jahren hatten Mitglieder der Projektwerkstatt in der Klinik an der Licher Straße gegen die zeitweise Unterbringung eines wegen Brandstiftung angeklagten Kreistagsabgeordneten demonstriert. 

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