Universität Gießen

Nach Cyber-Angriff: Viel Lob für Uni-Leitung

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Eines eint offenbar die meisten Studenten der Justus-Liebig-Universität: Sie äußern viel Lob für den Umgang der Hochschule mit dem Hackerangriff vor fünf Wochen.

Alle Unterlagen rechtzeitig heruntergeladen: Wer so "brav" studiert, wird von Kommilitoninnen und Kommilitonen unter Umständen belächelt. "Jetzt hat es sich mal ausgezahlt", lacht Daniela Keppler. Die 24-Jährige kam in den drei letzten Wochen mit ihrem Lernprogramm fast plangemäß voran. Andere Studierende der Justus-Liebig-Universität wurden härter getroffen von "JLUoffline", zeigt sich bei einer kleinen Umfrage der GAZ zum Wiederbeginn der Vorlesungszeit am Montag. Doch auch sie heben vor allem anerkennend hervor, wie schnell und professionell die Verantwortlichen der Hochschule auf den Hackerangriff am 8. Dezember reagiert haben.

Bei der ersten Runde der Ausgabe neuer Passwörter bildeten sich Mitte Dezember lange Schlangen vor dem Uni-Sportinstitut. Ganz entspannt geht es diese Woche im ehemaligen Pro-Markt an der Karl-Glöckner-Straße zu. Daniela Keppler hat ihre neuen Zugangsdaten in wenigen Minuten erhalten. "Superdankbar" ist die Studentin der Ernährungswissenschaften allen JLU-Mitarbeitern, die ihre Weihnachtspause geopfert und damit das Wiederhochfahren der wichtigsten Funktionen ermöglicht haben.

Moritz Schmacher gehörte zu denen, die eigentlich rund um die Feiertage viel lernen wollten - nun aber nicht an alle dafür nötigen Unterlagen herankamen. Der Lehramtsstudent machte das Beste daraus: Dass die Feiertage unerwartet ruhig ausfielen, war eigentlich "ganz schön". Die Dozenten seien mit der Krise fair umgegangen; Klausren wurden beispielsweise nach hinten verlegt oder abgespeckt. "Interessant finde ich, dass eine Universität mit über 30 000 Studierenden einfach so gehackt werden kann" - wobei die Hochschule den Stopp sämtlicher Server vorsorglich selbst veranlasst hat.

Tim Poeck hat die Berichterstattung über die "neue Dimension" von Cyberattacken verfolgt. "So etwas gab es ja anscheinend noch nie." Der Pädagogikstudent, für den Ende Januar Klausuren anstehen, geriet durch die erzwungene Lernpause "ein bisschen aus dem Flow" und muss nun beim Lernen neu durchstarten. Leider hätten nicht alle Dozenten die provisorische Ersatzseite für die Lernplattform Stud.IP genutzt, ergänzt seine Kommilitonin Lea Dowidat.

An Datenzugang wird gearbeitet

"Die Uni hat das klasse geregelt, sehr souverän", sind sich Michaela Fischer und Alena Kaiser einig. Für die Oecotrophologinnen am Beginn ihres Masterstudiums war der Internet-Ausfall "nicht so tragisch", zumal sie sich ihr Lernmaterial rechtzeitig heruntergeladen hatten. Die Studierenden halfen einander aus, erzählen sie. Fragen beispielsweise zu auslaufenden Leihfristen bei Büchern habe die Univerwaltung über Facebook und Instagram schnell und kulant beantwortet.

Die Universitätsbibliothek hat in den letzten Wochen die alten Karteikästen und Ausleihscheine wieder hervorgekramt. Pünktlich zum Start des Vorlesungsbetriebs ist die Zentrale im Philosophikum weitgehend zum Normalbetrieb zurückgekehrt. In den Zweigbibliotheken behilft man sich weiterhin mit Provisorien. Voraussichtlich Mitte Februar soll die komplette Universität wieder einen vollständigen Internetzugang über das JLU-Netz haben. Der direkte Zugriff auf alle Daten auf den Windows-Netzlaufwerken (winfiles) für alle Nutzerinnen und Nutzer wird als letzter großer Meilenstein ebenfalls noch im Februar angestrebt.

Näheres erfahren Interessierte im Internet unter www.uni-giessen.de/#JLUoffline. Auch die Hotline 0641/99-15100 ist weiterhin geschaltet.

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