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Warteschlange vor dem Abfallwirtschaftszentrum in der Lahnstraße, das am Montag erstmals wieder geöffnet hatte. FOTO: SCHEPP

Wiederöffnung

Nach Corona-Pause: Riesenandrang am Gießener Wertstoffhof

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Städte und Gemeinden klagen in der Corona-Krise über eine Zunahme an wilden Müllablagerungen. Die Wiederinbetriebnahme des Wertstoffhofs könnte Abhilfe schaffen. Der Andrang ist groß.

Die gute Nachricht: Es gibt jede Menge Bürger, die den Hausrat, den sie nicht mehr brauchen, dorthin bringen, wo er hingehört. Die schlechte Nachricht: Am Montag wurden sie auf eine Geduldsprobe gestellt. Vor dem Abfallwirtschaftszentrum in der Lahnstraße, wo sich auch der Wertstoffhof befindet, bildete sich eine lange Schlange. Etwa 30 Anlieferer, darunter etliche mit Anhänger, zählte die GAZ am Vor- und Nachmittag auf der Lahnstraße.

"Heute Morgen um kurz nach acht waren nur fünf Autos vor mir, jetzt dauert’s", sagt ein Gießener, der gerade umgezogen ist und ausgemistet hat. "Der ganze Kram stand seit Wochen in der Garage", fügt er hinzu. Weiter vorne, schon nahe an der Einfahrt warten ebenfalls zwei Gießener. In ihrem Anhänger liegen Klos und Waschbecken. Seit einer halben Stunde würden sie warten, erzählt der Beifahrer. Der Landkreis spricht von einer Wartezeit von bis zu einer Stunde. Allein am Montagvormittag seien über 80 Anlieferungen angenommen worden.

Wegen der Corona-Pandemie war der Wertstoffhof seit Wochen geschlossen, am Montag ist der erste Betriebstag. Es gelten strenge Regeln, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Daraus resultiert die Wartezeit. Vorne an der Einfahrt regeln zwei Mitarbeiter des Wertstoffhofs die Zufahrt. Verlässt ein Pkw den Hof, darf der nächste einfahren. Zieht sich die Entladung hin, weil die Ladung größer ist, müssen alle anderen länger warten.

Der Landkreis als Betreiber des Wertstoffhofs hatte die Regelungen per Pressemitteilung bekanntgegeben und auch an die Bürger appelliert, nicht gleich am ersten Tag zu kommen. Hier noch einmal die Regeln für den Wertstoffhof:

Anlieferer sollten einen Mund-Nase-Schutz tragen.

Die Vorsortierung der Abfälle muss vor Antritt der Fahrt erledigt werden.

Die Einfahrt ist auf fünf Fahrzeuge beschränkt.

Wartende müssen in ihren Autos sitzen bleiben. Zur Anmeldung darf nur eine Person aussteigen, Begleitpersonen müssen bis zum Ausladen sitzen bleiben.

Beim Ausladen wird keine Hilfe durch Mitarbeiter angeboten. Das Abladen sollte zügig erfolgen.

An jedem Container kann nur jeweils aus einem Fahrzeug entladen werden.

Zur Unterschrift des Wiegebelegs muss man einen eigenen Stift verwenden.

Zu anderen Anlieferern ist während des Ausladens der übliche Corona-Abstand von 1,5 Metern einzuhalten.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 11.30 Uhr (letzte Einfahrt) und von 13 bis 16.30 Uhr (letzte Einfahrt). Samstags von neun bis 13.30 Uhr (letzte Einfahrt).

Nur wenige tragen Mundschutz

Die Bitte des Landkreises und seiner Betreiberfirma Remondis, Mundschutz zu tragen, hat sich am Montag offensichtlich noch nicht herumgesprochen. Nur wenige Anlieferer tragen bei der Einfahrt eine Maske, auch die beiden Mitarbeiter am Eingang arbeiten oben ohne. Bei einigen wenigen in der Schlange liegt der Mundschutz griffbereit auf der Ablage. Eine stichprobenartige Abfrage der GAZ ergibt, dass in der Warteschlange kaum jemand die Regeln kennt. Die Verteilung von Handzetteln an die wartenden Autofahrer wäre vielleicht hilfreich.

Nicht ohne ist die Verkehrssituation mit der blockierten Fahrspur auf der Lahnstraße. Ein Autofahrer, der sich an der Warteschlange und einer geöffneten Autotür vorbeiquetscht, kollidiert um ein Haar mit einem Lkw, der Richtung Innenstadt fährt.

Wichtige Ergänzung des Müll-Artikels von gestern: Die kostenlosen Selbstanlieferung von Sperrmüll im Wertstoffhof in der Lahnstraße beschränkt sich für Bürger aus Stadt und Kreis Gießen auf zwei Fuhren pro Jahr. Zusätzliche Anlieferungen sind kostenpflichtig.

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