Jugendliche stehen bei einer Essenausgabe nach den Brand des Lagers Moria auf Lesbos an.
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Jugendliche stehen bei einer Essenausgabe nach den Brand des Lagers Moria auf Lesbos an.

Hilfsangebot

Nach Brand in Moria: Gießen würde 20 junge Moria-Flüchtlinge aufnehmen

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz macht sich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stark, die auf der griechischen Insel Lesbos festsitzen. Die Caritas in Gießen stehe bereit, sagte sie der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Gießen (mö). Die Stadt Gießen würde bis zu 20 Jugendliche und Kinder aufnehmen, die sich bis vor wenigen Tagen im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufgehalten haben. »Die Caritas wäre dazu bereit«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Freitag der GAZ.

Der katholische Sozialverband habe ihr gegenüber erklärt, dass unter den Bedingungen der Corona-Pandemie eine Unterbringung von 15 bis 20 sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Gießener Caritas-Einrichtungen »möglich und verantwortbar« sei. »Man sollte nur den Finger heben, wenn man auch in der Lage ist, einen konkreten Beitrag zu leisten«, sagte die SPD-Rathauschefin mit Blick auf die Initiative von zehn deutschen Städten, darunter Gießen.

In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten die Stadtoberhäupter von Bielefeld, Düsseldorf, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria aufzunehmen. »Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen«, heißt es in dem Brief.

Gießens Oberbürgermeisterin konnte sich der Initiative anschließen, weil Gießen Mitglied im Städtebündnis »Sichere Häfen« ist und in der Stadt die Kompetenz und die Infrastruktur bei der Betreuung minderjähriger Ausländer, die sich ohne Eltern auf die Flucht begeben haben, vorhanden ist. Wegen der Nähe zur HEAE ist beim Gießener Jugendamt seit vielen Jahren eine von zwei hessischen Zentralstellen zur Aufnahme dieser Jugendlichen angesiedelt. Untergebracht werden sie unter anderem in Einrichtungen der Caritas.

Stand jetzt wird Deutschland bis Monatsende 100 bis 150 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen.

Mit »Bestürzung« hat der evangelische Dekan André Witte-Karp auf den Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos und die Situation der Menschen reagiert. Zugleich spricht er sich für die Aufnahme schutzsuchender Menschen in Deutschland aus. Witte-Karp dankt Grabe-Bolz für die Bereitschaft, weitere Geflüchtete in Gießen aufnehmen zu wollen. Die Kirche wolle auch künftig mithelfen, damit das Zusammenleben mit Geflüchteten gelinge. »Nach dem Brand in Moria können wir nicht mehr wegsehen, wie wir es in den letzten Jahren getan haben«, sagte der Dekan.

Die Wortmeldung der Gießener SPD richtet sich dagegen an die schwarz-grüne Landesregierung. Die SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Nina-Heidt-Sommer und Christopher Nübel sowie der Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher fordern »ein schnelles und gemeinsames Vorgehen der demokratischen Parteien im Hessischen Landtag«. Es brauche jetzt ein klares Signal, dass Hessen bereit sei, Flüchtlinge aus dem Lager Moria aufzunehmen. »Ein Landesaufnahmeprogramm steht zwar im Koalitionsvertrag der schwarzgrünen Landesregierung. Auf den Weg gebracht hat Schwarz-Grün bis heute nichts dergleichen«, kritisieren die Sozialdemokraten.

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