Nach Angriff auf Homosexuelle

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Gießen(se). Stehvermögen benötigten die Prozessbeteiligten am Mittwoch im Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gießen, das in einem zehnstündigen Verfahren gegen drei junge Männer unterschiedlichen Alters Straftaten aufzuarbeiten hatten. Den Männern wurde vorgeworfen, an Taten beteiligt gewesen zu sein, die Staatsanwalt Benedikt Zdziarstek als gefährliche Körperverletzung einstufte.

So wurden vor dem Gebäude des Musik- und Kulturvereins (MuK) an der Automeile in den Morgenstunden des 27. August 2017 zwei Gäste einer Feier von einer Gruppe junger Leute geschlagen und getreten. Die Opfer wurden auch noch attackiert, als sie am Boden lagen. Glücklicherweise tragen beide keine bleibenden Schäden davon. Damals hatte es sich um eine Feier im Rahmen des Christopher Street Days gehandelt. Die Polizei war von einem gezielten homophoben Angriff auf die Partygäste ausgegangen. Vor Gericht konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Täter ziel- gerichtet zu der Feier gefahren waren, um die Veranstaltung oder Teilnehmer aufzumischen.

Es war eine in Teilen undurchsichtige Geschichte, die Richterin Birgit Ruppel aufzuklären hatte: Der Nachweis, an den Taten beteiligt gewesen zu sein, wurde bei einem 25-jährigen Angeklagten aus Langgöns, der wie die anderen türkische Wurzeln hat, mit einer für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit nicht erbracht. Anklage und Verteidigung beantragten einen Freispruch, dem sich das Gericht anschloss. Das Verfahren gegen einen 21-jährigen Gießener wurde abgetrennt und vorläufig eingestellt. Hintergrund: Gemäß den entsprechenden Bestimmungen der Strafprozessordnung kann so verfahren werden, wenn (u.a.) "eine Strafe oder Maßregel, die er wegen einer anderen Tat zu erwarten hat, zur Einwirkung auf den Täter und zur Verteidigung der Rechtsordnung ausreichend erscheint". Er wird bald im Landgericht auf der Anklagebank sitzen.

Verurteilt wurde ein 21-jähriger Gießener. Allerdings fällt die Strafe milde aus, wobei die Richterin die Lebenssituation des jungen Mannes berücksichtigte, dem der Tod seines Vaters offensichtlich zu schaffen gemacht hatte. So war er in den vergangenen Jahren zweimal in die Vitos-Klinik eingeliefert worden, wo seine psychischen Probleme stationär behandelt wurden. Auch sein Drogenkonsum spielte dabei eine Rolle. Nach Ansicht des Gerichts war er an den Körperverletzungsdelikten beteiligt. In welcher Form, ließ sich nicht zu 100 Prozent nachweisen, u.a. auch, weil einer der Zeugen inzwischen verstorben ist. Bei der Polizei hatte dieser allerdings eine belastende Aussage gemacht.

Der Angeklagte selbst hatte Erinnerungslücken. Ihm gegenüber sprach das Gericht eine Verwarnung aus. Er wurde außerdem verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten zwei Gespräche mit der Jugendgerichtshilfe zu führen und muss 900 Euro zahlen. Für ihn sprach, dass er nicht vorbestraft ist und er offensichtlich Fuß gefasst hat. So geht er seit fast vier Monaten einer Beschäftigung nach und hat gute Chancen, nach der Probezeit übernommen zu werden.

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