#giessenmachtmut

Wellerman-Cover macht Gießen Mut: „Durchhalten - bald simmer da“

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Der Wellerman-Song gilt als perfekte Parabel auf die nie enden wollende Corona-Pandemie. Jetzt hat auch Gießen eine eigene Version des Internet-Hits. Unter dem Motto „Gießen macht Mut“ haben sich heimische Künstler und Macher zusammengetan und einen witzigen Ohrwurm erschaffen.

Gießen – Der schottische Postbote Nathan Evans hat im Dezember des vergangenen Jahres einen veritablen Hit in den sozialen Medien gelandet. Seine Version eines aus Neuseeland stammenden Walfänger-Shantys, das ursprünglich zwischen 1860 und 1870 entstanden sein soll, ging viral und wurde schon in der ersten Woche acht Millionen Mal aufgerufen. Der Text von »Soon May The Wellerman Come« beschreibt die Situation der Besatzung eines Schiffes, das auf Waljagd ist und der Ankunft eines »Wellerman« entgegenfiebert. So wurden früher in Neuseeland Proviantschiffe der Gebrüder Weller genannt, die den Seeleuten auf der Jagd unter anderem Tee, Zucker und Rum brachten, vor allem aber auch die Aussicht auf die so sehr vermisste Freiheit an Land.

Poetry Slammer schrieb Text für Gießener Wellerman-Version

Vermisste Freiheit? Da war doch was. Ein Grund für den großen Erfolg des Songs wird derzeit oft in dem Vergleich der Isolation der Walfänger im 19. Jahrhundert und der Isolation der Menschen in der aktuellen Corona-Pandemie gesucht. »Was Evans singt, ist die perfekte Parabel auf die nicht enden wollende Pandemie«, schrieb zum Beispiel die »Süddeutsche Zeitung« anlässlich des großen Hypes um den Schotten. Er erhielt einen Plattenvertrag, gab seinen Job als Postbote auf und erreichte in Großbritannien, den Niederlanden und in Norwegen Rang eins der Charts. In Deutschland, Österreich und der Schweiz stand er sogar teilweise zehn oder mehr Wochen an der Spitze. Zahlreiche Bands und Gruppen coverten seitdem den Wellerman-Song mit zum Teil eigenen Texten.

Seit Freitag ist nun auch die Gießener Version online - und kann bereits mehr als 12000 Aufrufe aufweisen. Die Idee dazu hatten Marco Kessler, Geschäftsführer von Mediashots, und Holger Fischer, Inhaber der Confidos Akademie. Den Text steuerte Poetry Slammer und Autor Lars Ruppel bei. In Kabarettist Dietrich Faber mit seiner Kultfigur Manni Kreutzer, Heinz-Jörg Ebert, Tom Pfeiffer, Tess Wiley, Fredrik Vahle und Radio 2020 verliehen prominente Musiker aus der Region dem Projekt eine Stimme. Aufgenommen wurde die Gießener Wellerman-Fassung von Musikproduzent Peter Herrmann im Tonstudio coronakonform mit allen beteiligten Sängern und Musikern jeweils separat.

Dietrich Faber (l.) lässt im Gießener Wellerman-Song seine Kultfigur Manni Kreutzer vor Marco Kesslers (M.) Kamera klagen: »Alle ham jetzt ne Künstlerfrisur, doch leider weder Kunst noch Kultur«.

Gießener Künstler sehen Licht am Ende des Tunnels

»Uns war wichtig, mit dem Video nicht noch mehr Corona-Blues zu erzeugen, sondern vor allem Mut zu machen und gleichzeitig aufzuzeigen, dass es trotz der allgegenwärtigen Einschränkungen in der Pandemie Licht am Ende des Tunnels gibt«, sagt Initiator Fischer. Zudem wolle man als Gießener mit dem Trailer auch viele Menschen über die Grenzen der Region »auf den letzten Kilometern der Pandemie« motivieren. »Genau da setzt der Refrain zwischen den humorvollen Strophen mit leicht hessischem Zungenschlag an«, heißt es in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung.

Für Kessler, der mit Mediashots für die Produktion des Videos verantwortlich zeichnete, war das Projekt »eine Herzensangelegenheit« und so verzichtete er wie alle Beteiligten auch auf Honorar oder Gage. »Uns ist es wichtig, der Region, aus der wir kommen, etwas zurückzugeben«, sagt Kessler. In diesem konkreten Fall habe er in Gesprächen und Begegnungen bemerkt, dass die Stimmung aufgrund der Pandemie immer schlechter werde, deswegen wollte er etwas tun, dass die Menschen zum Schmunzeln bringt. »Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für das Video. Ich hoffe, es kann im Kampf gegen die Pandemie jetzt noch einmal einen Schub verleihen und die Menschen noch einmal motivieren.«

#giessenmachtmut

Unter dem Hashtag #giessenmachtmut ist der Clip auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie etwa YouTube zu finden.

„Der Gießener Wellerman“: Bereits mehr als 12000 Aufrufe

Insgesamt war Kessler mit seinem Team an zehn Drehtage an verschiedenen Locations im Einsatz. Jetzt ist er glücklich darüber, dieses »einzigartige Projekt« gemeinsam mit vielen Gießenern realisiert zu haben. »Wir haben gezeigt, dass auch unter so erschwerten Bedingungen eine Zusammenarbeit möglich ist«. Während die Walfänger im ursprünglichen Song vor allem auf tea, sugar and rum warten, stellen die Gießener »den Sekt schon mal kalt«. Aber hören Sie am besten selbst mal rein.

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Rubriklistenbild: © Red

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