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Schüler begleiten die Ausstellungseröffnung an der WSO mit einer Lesung.

Mut zeigen - Toleranz entwickeln

Am 12. Juni wäre Anne Frank 92 Jahre alt geworden - stattdessen starb sie 1945 mit nur 16 Jahren im KZ. Die Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten erinnert nun in einer Ausstellung an das Mädchen, das das wohl berühmteste Tagebuch der Welt schrieb.

Die Aula der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten (WSO) ist prall gefüllt, Schüler sitzen mit Masken nebeneinander. An der Wand des kreisrunden Gebäudes stehen Tafeln verteilt, daran sind bunte Plakate gepinnt. Ihr Inhalt: Das Leben und Leiden der Anne Frank. Ein Schüler steht auf, sagt auswendig einen Satz über ihre Geschichte auf: »Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren.« Der nächste steht auf, erzählt die Geschichte weiter.

In diesem Jahr nimmt die WSO zum ersten Mal am Anne-Frank-Tag, dem bundesweiten Tag gegen Rassismus und Antisemitismus, teil. Das Anne-Frank-Zentrum in Berlin organisiert die Aktion und stellte auch die Materialien für die Ausstellung zur Verfügung. Die Eröffnungsvorträge und Begleitung haben mehrere Klassen erarbeitet. Das Besondere: Auch eine Klasse der Schulform InteA (Integration durch Abschluss und Anschluss) hat mitgewirkt.

Unter der Leitung von Sabine Schneider und Annette Tegethoff bereiteten die Schüler sich in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen auf die Eröffnung am Freitag vor. »Die Schüler hatten Spaß daran und haben auch den Sinn in der Ausstellung gesehen«, sagt Schneider. Gerade in den Integrationsklassen seien viele Migranten und Geflüchtete, die selbst schon mit Diskriminierung zu kämpfen hatten.

»Das Tagebuch der Anne Frank« in einfachem Deutsch war das erste ganze Buch, das Schneider mit den InteA-Klassen gelesen hat. »Die Schüler fanden die Geschichte rührend, vielleicht haben sie Ähnliches erlebt«, sagt sie. So hätten sie schnell verstanden, warum es wichtig ist, dass sie als Geflüchtete diesen Tag aktiv mitgestalten. Deshalb hat die Klasse P3b, die geflüchtete Menschen besuchen, auch die Lesedarbietung übernommen. Die Schüler haben sich im Unterricht Passagen herausgesucht, über die sie gerne berichten wollen, und selbst einen kurzen Text darüber geschrieben. »Die Idee dazu ist mit den Schülern entstanden«, erklärt Schneider.

Den Vortrag am Freitag hätten alle mit Bravour gemeistert, sagt Annette Tegethoff. »Das war wirklich eine beeindruckende Leistung in einer fremden Sprache. Einige waren sehr nervös.«

Sedra aus Syrien kann das bestätigen. »Ich habe ein bisschen Angst gehabt vor dem Vortrag«, meint sie. Trotzdem würde sie so ein Projekt gerne jederzeit wieder machen. Haifa aus Großbritannien geht es ähnlich: »Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, ich habe viel Neues gelernt.« Beide Schülerinnen betonen, dass sie erst seit einem Jahr in Deutschland sind und hier angefangen haben, die Sprache zu lernen.

Integrationsklasse hält Lesung

Besonders berührt hat Haifa, dass Anne Frank noch sehr jung war, als sie aus ihrer Heimat flüchten und sich im Hinterhaus in Amsterdam verstecken musste. »Trotzdem war sie sehr positiv«, sagt die Schülerin. Sabine Schneider ist sich sicher, dass die Klassen, die sich am Projekt beteiligt haben, die Botschaft des Anne-Frank-Tages weiter zu anderen Schülern tragen. »Das steht auch im Zeichen von Schule gegen Rassismus«, betont sie.

Nach der Eröffnung soll die Ausstellung in die Flure des Hauptgebäudes der WSO wandern. Die Idee der Fachschaft Ethik ist es, den Tag an der Schule zu etablieren und ihn jedes Jahr aufzugreifen. Schulleiterin Annette Greilich appelliert an die Schüler, Mut zu zeigen. Es sei ihr persönliches Ziel und auch das der Lehrkräfte, Toleranz in der Schule zu entwicklen. Zu Antisemitismus und Rassismus sollten die Schüler sagen: »Nein, so etwas wollen wir hier nicht.«

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