Die Bitzenstraße ist auch offiziell wieder frei. Vertreter der Stadt und der bauausführenden Firmen sowie Ortsvorsteher Markus Sames (r.) durchschneiden das Band. FOTO: SCHEPP
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Die Bitzenstraße ist auch offiziell wieder frei. Vertreter der Stadt und der bauausführenden Firmen sowie Ortsvorsteher Markus Sames (r.) durchschneiden das Band. FOTO: SCHEPP

"Mustergültige" Maßnahme

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Gießen-Lützellinden(mö). Vor über 20 Jahren war der erste Anlauf für eine Sanierungsmaßnahme genommen worden, am gestrigen Dienstagmittag wurde das symbolische Band in der Lützellindener Straße durchschnitten. Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit und Sperrung gab die Stadt die 700 Meter lange Parallelstraße zur Ortsdurchfahrt wieder frei.

Bürgermeister und Baudezernent Peter Neidel blickte bei der kurzen Freigabe-Zeremonie auf eine "mustergültige Maßnahme" zurück, an der sich neben der Stadt auch die Stadtwerke mit Verlegung von Wasser- und leistungsfähigeren Stromleitungen sowie dem Anschluss der Privathäuser ans Gasnetz ebenso beteiligt hatten wie die Mittelhessischen Wasserbetriebe (MWB), die mit 1,7 Millionen Euro den Löwenanteil der Gesamtkosten in Höhe von 2,8 Millionen tragen mussten. "Unser Schatz liegt unter der Straße", verwies MWB-Chef Clemens Abel auf den neuen und 670 Meter langen Kanal.

Oberirdisch wird die Sanierung durch einen babypoglatten Asphalt, neue Bürgersteige und die mit Hochborden versehenen zwei Bushaltestellen der Linie 1. "Man kann sich kaum vorstellen, wie das vorher hier ausgesehen hatte", erinnerte Neidel an die mit Löchern übersähte Bitzenstraße.

Die entscheidende Nachricht für die Anwohner kam noch vor Baubeginn, als die Stadtverordnetenversammlung Ende 2018 die Straßenbeiträge in Gießen abschaffte, die für die Bitzenstraße schon berechnet worden waren, aber nicht mehr eingezogen wurden.

Kritik an Tempo 50

Gleichwohl bereitet den Anwohnern die Rückkehr zu Tempo 50 Sorge, wie einige am Rande der Freigabe sagten. Die Bitzenstraße werde aus und in Richtung Kleinlinden/Allendorf als Ortsdurchfahrt genutzt, weil auf der Rheinfelser Straße streckenweise Tempo 30 gelte. "Der schöne Belag verleitet zum schnellen Fahren", sagte eine Anwohnerin. Auch Ortsvorsteher Markus Sames bedauert die verkehrsrechtliche Festsetzung durch die Stadt: "Leider gilt wieder Tempo 50."

Die Begründung ist fast schon historisch. Als 1999 erstmals die Sanierung geplant worden sei, sei die Bitzenstraße, weil durch sie der Bus fährt, als verkehrswichtige innerörtliche Verbindung eingestuft worden, erläuterte Tiefbauamtsleiter Peter Ravizza. Diese Einstufung habe der Stadt einen hohen Zuschuss durchs Land gesichert. Wegen des maroden Zustands galt bis zur Sanierung aber Tempo 30.

Für die Anhebung der erlaubten Geschwindigkeit kann die Baufirma Eurovia nichts, für deren Arbeit es lobende Worte gab. Bürgermeister Neidel berichtete von Anwohnern, die den Bauarbeitern Kaffee gebracht hätten, was darauf schließen lasse, dass die Abstimmung zwischen der Baufirma und Anwohnern geklappt hat. "Uns haben einige positive Rückmeldungen erreicht", sagte Neidel.

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