+
Nadia Ismail, Albrecht Beutelspacher, Susanne Ließegang, Katharina Weick-Joch, Marta Dannoritzer, Marion Bathe und Dagmar Hinterlang präsentieren den Flyer. FOTO: LKL

"Es muss nicht das Gedudel aus den Pflegeheimen sein"

  • schließen

Gießen(lkl). Die Initiative Demenzfreundliche Kommune - Stadt und Landkreis Gießen (IDfK) hat gemeinsam mit fünf Kooperationspartnern ein kulturelles Programm für Demenzkranke erstellt. Die kostenlosen Angebote richten sich an Kleingruppen von bis zu acht Teilnehmern (jeweils mit einer Begleitperson).

"Oftmals geht die Krankheit mit einem Rückzug aus der Gesellschaft einher. Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Demenz überall dabei sein können", betonte Dagmar Hinterlang, die Vorsitzende der IDfK, bei der Vorstellung im Rathaus, zu der auch Vertreter aller Kooperationspartner erschienen waren - Marion Ba-the für das Theater, Katharina Weick-Joch für das Oberhessische Museum, Albrecht Beu-telspacher für das Mathematikum, Dr. Susanne Ließegang für den Freundeskreis der Kunst im Uniklinikum und Dr. Nadia Ismail sowie Marta Dannoritzer für die Kunsthalle.

Mit einer Zusammenarbeit mit dem Theater habe 2015 alles begonnen, berichtete Hinterlang. Bathe, die heute Mitglied der IDfK ist, sei damals die Ansprechpartnerin gewesen. Seitdem hätten einige Gruppen das Orchester und die Tanzkompanie besucht. "Anfangs waren wir bei ganz normalen Proben, aber dann haben wir gemerkt, dass die zu viele Unterbrechungen haben und Generalproben besser geeignet sind", erzählte Hinterlang. "Man lernt dazu und darf als Veranstalter nicht enttäuscht sein, wenn mal etwas nicht klappt", lautete ihr Rat. "Das gilt auch für Angehörige. Man muss austesten, was geht, und einschreiten, wenn etwas nicht funktioniert."

Bathe konnte diese Erfahrung bestätigen. Bei den Probebesuchen gebe es eine Einführung, bei der auch mal gesungen oder Walzer und Cha-Cha-Cha getanzt werde. "Das geht alles", sagt sie. "Es muss nicht immer das Gedudel aus den Pflegeheimen sein."

Das Credo "alles geht und nichts muss" liegt auch dem "Kunstkränzchen" des Oberhessischen Museums, den Kunstbetrachtungen des Freundeskreises der Kunst im Uniklinikum, den Ausstellungsbesuchen der Kunsthalle und den speziellen Angeboten des Mathematikum zugrunde. "Es geht nicht um intellektuelle Erkenntnis. Kunst ist persönlich und sinnlich", betonten etwa Ismail und Dannoritzer, während Ließegang darauf hinwies, dass gerade in der zeitgenössischen Kunst die Denkwege nicht so vorgezeichnet seien, was Menschen mit Demenz entgegenkomme. Sie sprach von einer "umgekehrten Integration", indem bei den Angeboten gesunde auch etwas über demente Personen lernen könnten.

"Wir wollen den Gästen schnelle Erfolgserlebnisse bescheren", erklärte Beutelspacher. "Vor den Events sind wir sehr aufgeregt, aber es ist eine totale Erfüllung und bringt einem selbst auch ganz viel."

Das Programm mit Terminen gibt es unter www.demenzinitiative-giessen.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare