Zur Eröffnung im "Studio KiZ" spielen Übermut. FOTO: SCHEPP
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Zur Eröffnung im "Studio KiZ" spielen Übermut. FOTO: SCHEPP

Musiker nutzen "Studio KiZ" als Plattform

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Gießen(gl). "Handle with care" steht auf einem der Gitarrenkästen, die Christian Lugerth zu seinem Konzert im Ausstellungsraum der Kongresshalle mitgebracht hat. Das passt perfekt. Denn gilt es doch in diesen Zeiten, Künstler mit besonderer Vorsicht zu behandeln und zu unterstützen. Schließlich finden viele Solo-Selbstständige, vor allem Musiker, coronabedingt kaum noch Möglichkeiten für Auftritte. Und die sind für diese Künstler nicht nur aus Gründen der Leidenschaft für ihre Kunst wichtig, sondern auch ganz einfach zum finanziellen Überleben.

Hier setzt das Kulturamt der Stadt an und hat, mit den frei gewordenen Finanzmitteln aus dem ausgefallenen Musikalischen Sommer auf dem Schiffenberg, das "Studio KiZ" eröffnet. In diesen Tagen werden dort die ersten kleinen Konzerte von Gießener Musikern gespielt, die dann gefilmt und zu einem späteren Zeitpunkt im Internet präsentiert werden können. Weil der Auftritt damit auch öffentlich ist, kann so den Künstlern, denen ansonsten Einnahmen wegbrechen, zudem eine kleine Gage gezahlt werden.

Am vergangenen Freitag ging es los in den ehemaligen Räumen der Stadtbibliothek in der Kongresshalle, die eigentlich als Ausstellungsraum genutzt werden. Die hallende Akustik ist dort zwar nicht gerade für Konzerte geeignet, doch dank Tontechnik können die Auftritte für die etwa halbstündigen Filmchen optimiert werden.

Hinter den Kameras sorgt "Seriale"-Gründer Csongor Dobrotka mit Profi-Equipment dafür, dass die Auftritte in Szene gesetzt werden. Er wird auch die Nachbearbeitung übernehmen.

Wann die Konzerte dann tatsächlich im Netz gezeigt werden können, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Das Kulturamt will die Konzerte im Oktober voraussichtlich immer mittwochs auf der städtischen Homepage streamen, ein genauer Starttermin steht aber noch nicht fest. Das hängt davon ab, wann der erste Film fertig sein wird.

Sendetermine noch nicht fix

Zum Auftakt der Reihe standen am vergangenen Freitag die Musiker von Übermut und Chinchilla Star auf der Bühne im Untergeschoss des Ausstellungssaals, während bis zu 20 Zuschauer von der Empore aus zuhören konnten. Auch Afro Kunda und Aayana Bato haben ihre Gigs bereits eingespielt, Christian Lugerth ebenso. Der bekennende Bob-Dylan-Fan hatte dafür sogar eigens, wie vom Kulturamt auch ausdrücklich gewünscht, Lieder mit Corona-Texten versehen. Er sang, passend zur aktuellen Stimmung, zum Auftakt nicht nur Gundermanns Song vom traurigen Flugzeug, das keinen Landeplatz findet, sondern mahnte auch zum Klang der Gitarre dazu, uns die Notwendigkeit klarzumachen, in diesen Zeiten einmal Verzicht zu üben.

Dank Mundschutz der Besucher und einer mittels Chip-Verteilung geregelter Höchstbesucherzahl von zeitgleich 20 Personen dürfte aus Corona-Sicht ein Besuch unbedenklich sein. Der Besucherandrang bei den bisherigen Live-Auftritten war allerdings noch eher verhalten. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Tagen, wenn sich das ungewöhnliche Format herumgesprochen hat. Denn weitere Konzerte folgen. Die Musiker können dazu Freunde und Bekannte selbst einladen, Spontanbesuche sind aber ebenfalls möglich. Schließlich wirkt ein Auftritt vor Publikum doch weniger steril als nur vor der Kamera. Und Applaus tut den Musikern in jedem Fall gut. Es spielen am 21. September vormittags der Gießen Improvisers Pool und am Abend gegen 18 Uhr Mala Ibuschka, tags darauf gilt es nachmittags Sängerin Tess Wiley solo zu erleben und am Abend gemeinsam mit Harfenistin Cordula Poos. Am 29. September folgen Fogel F und am Abend Kassadondo.

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